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© Julia Ruhs/Josef Häckler
Bildrechte: Josef Häckler

Die Corona-Krise ist für Hotels und Gaststätten ein finanzielles Desaster. Seit Monaten haben sie für Touristen geschlossen. Jetzt droht eine Pleitewelle. Denn ein Lockdown-Ende ist nicht in Sicht.

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Hotels in Existenznot: Wann wird wieder geöffnet?

Die Corona-Krise ist für Hotels und Gaststätten ein finanzielles Desaster. Seit Monaten haben sie für Touristen geschlossen. Jetzt droht eine Pleitewelle. Denn ein Lockdown-Ende ist nicht in Sicht. Ein Besuch in einem Münchner Traditionshotel.

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Von
  • Julia Ruhs
  • Josef Häckler

"Die Gläser stehen bereit, aber die Gäste fehlen." Josef Sattler, einer der Inhaber des Hotels "Deutsche Eiche" in der Reichenbachstraße in München, blickt resigniert auf die gespülten, vor ihm aufgetürmten Gläser, die schon seit Monaten kein Gast mehr in der Hand gehalten hat.

Auch Traditionsbetriebe leiden unter Lockdown

Die "Deutsche Eiche" ist ein Traditionsbetrieb mit bayerischem Wirtshaus-Charm, malerischer Dachterrasse und ist außerdem bekannt als Treffpunkt der schwul-lesbischen Szene. Seit 1864 gibt es das Gebäude und schon so manch prominenter Gast hat hier vorbeigeschaut. Doch die Corona-Krise macht auch vor der Traditionswirtschaft keinen Halt.

450.000 Euro Fixkosten im Monat – und kaum Geld kommt rein

Denn Inhaber Josef Sattler geht das Geld aus. Normalerweise kommen etwa 300 Gäste täglich in die "Deutsche Eiche". Jetzt sind es nur noch ein paar Geschäftsreisende. Und schon im vergangenen Jahr war das Hotel nicht einmal zur Hälfte ausgelastet. Das Problem: Die Fixkosten laufen ständig weiter – 450.000 Euro im Monat. "Das Wasser muss immer in Betrieb bleiben, damit es keine Legionellen, also Keime, gibt. Die Zimmer müssen auch immer durchgeheizt werden, sonst kühlen sie aus. Die GEMA-Gebühren laufen weiter. Sämtliche Reinigungs- und Wartungsarbeiten fallen an", zählt Sattler auf. "Wir arbeiten hier, als ob belegt wäre."

Dezemberhilfen vom Staat immer noch nicht da

Zwar greift der Staat dem Hotel unter die Arme, aber die Dezemberhilfen vom Bundeswirtschafts- und Finanzministerium sind immer noch nicht da. Damit fehlen Sattler circa 200.000 Euro. Die Miete für diesen Monat kann er nicht mehr zahlen, die ist für seinen Standort in der Münchner Innenstadt jetzt einfach zu hoch.

Großinvestoren warten nur auf Pleitewelle

"Die Gefahr, dass wir wirklich dicht machen, ist nicht von der Hand zu weisen", meint Sattler. "Gerade vor dem Hintergrund, dass die 'Geier' – so nenne ich sie immer – schon warten. Wir kriegen alle Monate Post von Investoren, die so ideale Münchner Innenstadtimmobilien wie unsere aufkaufen wollen."

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70 Prozent des bayerischen Gastgewerbes haben Existenzängste

Jedoch bleibt für viele Betriebe letztendlich kein anderer Ausweg aus der Notlage. Auch Unternehmer in Josef Sattlers Bekanntenkreis haben schon aufgegeben. Keine Einzelfälle, denn fast 70 Prozent im Gastgewerbe Bayerns bangen mittlerweile um ihre Existenz. Jedes vierte Unternehmen überlege, den Betrieb aufzugeben, so der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband. Der Branche drohe eine Pleitewelle von historischem Ausmaß. Josef Sattler fürchtet, dass mit der Krise die Buntheit und Einzigartigkeit der Betriebe und Innenstädte ein Stück weit verloren gehen wird.

Auch die Außengastronomie bleibt erst mal zu

Eigentlich hatte Sattler zumindest damit gerechnet, ab nächster Woche die Außengastronomie wieder öffnen zu können. Nun ist auch das keine Option mehr, nachdem der Öffnungsschritt in Bayern wegen steigender Corona-Zahlen abgeblasen wurde.

Dabei würde Josef Sattler eigentlich gern komplett aufmachen. Unten im Lokal deutet er auf die Stühle, die aufgestapelt auf den Tischen stehen. Ihm blute das Herz, wenn er das sehe, sagt er. "Wir haben sogar extra Glasscheiben eingesetzt und jeden Tisch separiert. Mit unserem Hygienekonzept kann nix passieren. Aber es wird von der Politik letztendlich nicht honoriert."

Sattler: Offene Gastronomie würde Kontakte entzerren

Die Corona-Maßnahmen für seine Branche kann er nicht ganz nachvollziehen. Er vermutet eher einen gegenteiligen Effekt. Sobald es wärmer werde, würden sich die Menschen statt in Cafés und Restaurants eben in Parks und auf Plätzen sammeln, und das deutlich unkontrollierter: "Würden Hotels und Restaurants öffnen, würden sich die Kontakte mehr entzerren. 50 Meter weiter von mir dürfen die Leute stehen und Party machen. Aber ich mit meinem sicheren Betrieb darf nicht öffnen."

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