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Hotel auf dem Obersalzberg soll verkauft werden | BR24

© Andreas Herz/BR

Ein Gebäude mit Charme, traumhaft gelegen und mit einer einzigartigen Aussicht - so preist eine Maklerfirma gerade das Hotel "Zum Türken" an. Gelegen auf dem Obersalzberg im Berchtesgadener Land - früher direkt neben Hitlers Sommerresidenz gelegen.

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Hotel auf dem Obersalzberg soll verkauft werden

Eine geschichtsträchtige Immobilie steht am Obersalzberg zum Verkauf: Das Hotel "Zum Türken" - in direkter Nachbarschaft von Hitlers einstigem Alpendomizil. Angeboten wird das denkmalgeschützte Gebäude bei Sotheby's für gut 3,6 Millionen Euro.

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Es ist eine historisch belastete Immobilie, die gerade im Internet für 3,65 Millionen Euro zum Verkauf angeboten wird. Das Hotel "Zum Türken" auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden könnte bald den Besitzer wechseln. Das ruft allerdings Befürchtungen hervor.

"Eine Zeitreise durch eine traumhafte Kulisse". So ist die Anzeige bei Sotheby's überschrieben, die das Hotel feilbietet. Das Unternehmen, das hauptsächlich für seine Kunst-Versteigerungen bekannt ist, betreibt auch eine Sparte für Luxusimmobilien. Das Hotel "Zum Türken", das neben dem gesprengten "Berghof", dem Domizil Adolf Hitlers im Dritten Reich, lag, gehört offenbar zu dieser Kategorie.

Hotelbetrieb inzwischen eingestellt

Bis Ende Oktober 2019 hatte das 1911 erbaute Hotel noch regulär geöffnet. Es gelangte 1949 wieder in Familienbesitz, nachdem es im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten enteignet und 1945 durch ein Bombardement schwer beschädigt worden war. Das Hotel ist weniger durch eine luxuriöse Ausstattung als durch seine Lage spektakulär. Die Zimmerpreise bewegten sich zuletzt zwischen 65 Euro (für ein Einzelzimmer mit Etagenbad) und 170 Euro (für ein Doppelzimmer mit Bad und Balkon).

© BR/Christine Haberlander

Der Weg zum Hotel führt auf den Obersalzberg

Ein Gebäude mit schwieriger Vergangenheit

Während der Nazi-Zeit waren im Hotel unter anderem Angehörige des für den Personenschutz Hitlers zuständigen Reichssicherheitsdienstes untergebracht. Unter dem Hotel befinden sich Bunkeranlagen, in denen auch Führungen stattfinden. Anders als beim Bunker der Dokumentation Obersalzberg fehlen dort aber einordnende Informationen zur Geschichte der Anlage.

© BR/Christine Haberlander

Die Bunkeranlagen am Obersalzberg konnten Besucher auch besichtigen - beim Hotel "Zum Türken" aber ohne einordnende Informationen

Ungewisse Zukunft sorgt für Bedenken

Gerät das denkmalgeschützte Gebäude mit dem traumhaften Alpenblick in die falschen Hände, könnte das wiederum gezielt unerwünschte Besucher aus der rechtsextremen Szene anlocken, befürchtet Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten: "Ich kann nur davor warnen, dass man prominente Nazi-Liegenschaften privat veräußert und letztlich nicht weiß, welche dubiosen Eigentümer in Zukunft dieses Gebäude besitzen." Freller wünscht sich von der Staatsregierung, dass sie das Gebäude selbst erwirbt.

Bisher kein Kontakt zur Besitzerfamilie möglich

Das Bayerische Finanzministerium hat bereits vergeblich versucht, mit den Eigentümern Kontakt aufzunehmen. Man sei sich "der historischen Belastung der Immobilie bewusst" und will erreichen, dass der Verkauf "nur an verantwortliche Hände" erfolgt. Ob es überhaupt schon Interessenten gibt, ist allerdings unklar: Sotheby's äußere sich grundsätzlich nicht zu laufenden Aufträgen, heißt es.

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© pa/dpa/firo Sportphoto/Jürgen Fromme

Blick aus dem Kehlsteinhaus am Obersalzberg