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Hopfenbauern erleben Welle der Hilfsbereitschaft | BR24

© BR/Axel Mölkner-Kappl

Vorbereitungen für den Hopfenanbau.

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Hopfenbauern erleben Welle der Hilfsbereitschaft

Im Landkreis Pfaffenhofen brechen den Hopfenbauern wegen der Corona-Krise die Saisonarbeiter weg, die im Frühjahr eigentlich als unentbehrlich gelten. Doch in einer Welle der Hilfsbereitschaft springen jetzt Freiwillige in die Bresche.

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Die Grenzschließungen in Europa stellen viele Landwirte in Bayern vor ein großes Problem: Ihnen fehlen Saisonarbeitskräfte aus Osteuropa. Nicht nur Spargelbauern sind betroffen, auch in den Hopfengärten der Hallertau stehen gerade wichtige Arbeiten an. Ein Aufruf des Maschinenrings in Pfaffenhofen in den sozialen Medien war unerwartet erfolgreich und brachte schon die ersten Helfer auf die Höfe.

Im Hopfengarten der Familie Geltermeier aus Niederthann sind jetzt zehn Helfer damit beschäftigt, die Drähte in den Boden zu stecken, an denen in den nächsten Monaten die Hopfentriebe hochwachsen sollen. Für Hopfenbauer Matthias Geltermeier eine existentielle Aufgabe. Wenn die Arbeit nicht gemacht werde, könne der Hopfen nicht wachsen. "Das ist schlecht für uns, schlecht für die Wirtschaft: Dann gibt es kein Bier", sagt Hopfenbauer Matthias Geltermeier. Nicht alle Hopfenbauern in der Hallertau haben so viel Glück wie die Familie Geltermeier mit ihren 30 Hektar Hopfengärten.

Helfer haben Angst vor dem Virus oder Probleme an der Grenze

Normalerweise kommen zu dieser Jahreszeit osteuropäische Helfer auf die Höfe. Doch in diesem Jahr kamen nur wenige: Entweder, weil die Grenzen schon dicht waren oder die Helfer Angst vor dem Virus haben und deshalb lieber in ihrer Heimat blieben. Einige haben auch die Sorge, dass sie nach ihrem Einsatz in Deutschland nicht mehr zurück in ihre Heimat dürfen.

Schüler und Studenten helfen im Hopfengarten

Deswegen helfen jetzt Schüler und Studenten wie Tim Bohnen auf dem Betrieb der Familie Geltermeier. Er kommt aus Pfaffenhofen und hat von einem Freund von der Aktion gehört. Den Job findet er spannend – und natürlich wird er auch bezahlt.

Hopfenbauer Matthias Geltermeier ist von seinen Helfern begeistert. Am Anfang sei es eine Herausforderung gewesen. Doch die Helfer seien sehr tapfer. "Sie sind sehr tapfer, schlagen sich sehr gut, und ich bin froh um jeden Mann der da ist, auch um die Fridays-for-Future- Leute, weil die sehr engagiert sind", sagt Matthias Geltermeier.

Fridays for Future Aktivist im Austausch mit dem Landwirt

Nebenan spannt Julian Fuchs Drähte. Der 17-jährige ist der Vorsitzende des Jugendparlaments von Pfaffenhofen und organisiert dort die Fridays-for-Future-Demonstrationen. Die Krise bringt Gegner zusammen.

Er habe mit dem Landwirt viel über Sachen geredet, die Fridays-for-Future den Bauern vorwirft zum Beispiel beim Thema Glyphosat. Da habe er viel gelernt und habe eine neue Sichtweise bekommen. "Das finde ich persönlich ziemlich wertvoll", sagt Julian Fuchs.

Weitere Helfer benötigt

Ohne die Krise wären sie wohl nie zusammengekommen. Auch der Hopfenbauer ist froh über diese Chance. Man könne sich draußen auf so einer guten Ebene austauschen, lobt Matthias Geltermeier. "Wo sind eure Meinungen, wo sind unsere Meinungen, wo gibt es vielleicht Missverständnisse?" Darüber habe man gesprochen.

Den Aufruf zur Mitarbeit hat der Maschinenring Ilmtal in Pfaffenhofen letzte Woche über die sozialen Medien gestartet. Knapp 200 Leute meldeten sich, es waren Schüler, Studenten sowie Mitarbeiter aus der Gastronomie. Doch noch immer werden Leute gebraucht. Interessierte können sich nach wie vor melden.

Bundesregierung erleichtert Einsatz in der Landwirtschaft für Kurzarbeiter und Ältere

Um einem Engpass an Saisonarbeitern wegen der Corona-Pandemie zu verhindern, hat das Kabinett bereits Erleichterungen für landwirtschaftliche Betriebe beschlossen: So dürfen zum Beispiel die Saisonarbeitskräfte, die schon in Deutschland sind 115 Arbeitstage sozialversicherungsfrei arbeiten – bisher waren es 70. Auch Menschen aus anderen Branchen sollen auf die Felder und die Gewächshäuser geholt werden.

Damit sich das für Kurzarbeiter auch lohnt, wurden die Anrechnungsfreigrenzen deutlich ausgeweitet. Wer in einem "systemrelevanten Bereich" wie der Landwirtschaft aushilft, soll den Lohn nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet bekommen – bis zu der Höhe, die man vorher netto verdient hat. Und auch Ältere will man für die Ernte von Spargel, Erdbeeren, Brokkoli und Salat gewinnen: Die Hinzuverdienstgrenze in der Alterssicherung der Landwirte wird aufgehoben. Außerdem ist in der Coronakrise die Arbeitnehmerüberlassung ohne Erlaubnis möglich.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat zusammen mit dem Bundesverband der Maschinenringe auch eine Online-Jobbörse für Hilfskräfte aus der Landwirtschaft auf den Weg gebracht. Im Internet sollen hilfesuchende Bauern und interessierte Jobsuchende zusammengebracht werden.

© BR/Axel Mölkner-Kappl

Die Landwirtschaft braucht Helfer: Vorbereitungen auf einer Anlage für Hopfen.

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Die Landwirtschaft braucht Helfer: Vorbereitungen auf einer Anlage für Hopfen.

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Die Landwirtschaft braucht Helfer: Vorbereitungen auf einer Anlage für Hopfen.

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Die Landwirtschaft braucht Helfer: Vorbereitungen auf einer Anlage für Hopfen.

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© BR

Auch für Spargelbauern ist Corona eine Herausforderung. In manchen Anbau-Regionen beginnt jetzt die Erntesaison. Normalerweise mit vielen Saisonkräften aus Osteuropa - doch die kommen nicht über die Grenzen.