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Homeschooling: Lehrer klagen über Mehrbelastung | BR24

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Beim Distanzunterricht läuft längst nicht alles rund. Das hat auch eine Umfrage des Bayerischen Philologen-Verbands unter 2.000 Lehrkräften ergeben. Darin klagen die Gymnasiallehrer über die Mehrbelastung und Unsicherheiten beim Datenschutz.

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Homeschooling: Lehrer klagen über Mehrbelastung

Beim Distanzunterricht läuft längst nicht alles rund. Das hat auch eine Umfrage des Bayerischen Philologen-Verbands unter 2.000 Lehrkräften ergeben. Darin klagen die Gymnasiallehrer über die Mehrbelastung und Unsicherheiten beim Datenschutz.

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Von
  • Adrian Dittrich

Der Distanzunterricht geht für die meisten bayerischen Lehrkräfte und Schüler in die nächste Runde, vorerst bis mindestens Mitte Februar. Viele haben sich mittlerweile an die Videokonferenzen und Arbeitsblätter per Mail gewöhnt. Trotzdem bleibt vieles schwierig beim Homeschooling, so das Ergebnis einer Umfrage des Bayerischen Philologen-Verbands unter 2.000 Gymnasiallehrern. Viele klagen über Mehrbelastung und mangelnden Datenschutz beim Unterricht.

Systembetreuer in der "24-Stunden-Hotline"

Stefan Brandl ist Lehrer am Maria-Ward-Gymnasium in Altötting und gleichzeitig Systembetreuer. Ursprünglich waren für den Zusatzjob nur drei Stunden Mehrarbeit veranschlagt. Doch die Praxis sieht anders aus. Er spricht von einer "24 Stunden-Hotline", die er betreue: "Also, das Telefon steht selten still. Es sind halt einfach die Anfragen von Schülern und von Kollegen gleichermaßen, wenn irgendwo etwas nicht funktioniert."

95 Prozent der Lehrer klagen über Mehrarbeit

Aber auch die Lehrkräfte ohne zusätzliche Verwaltungsaufgaben klagen. Die Pflege von MS Teams und mebis und die einzelnen Kontaktaufnahmen mit Eltern und Schülern kosten extra Zeit. 95 Prozent der Gymnasiallehrer klagen in einer aktuellen Umfrage des Bayerischen Philologen-Verbands über Mehrarbeit.

Privat-PC statt Dienstcomputer

Viele berichten, dass sie weiterhin mit ihrem privaten Computer unterrichten. Es soll zwar bald Geld für Lehrer-Dienstgeräte vom Staat geben. Allerdings reicht das nicht aus, um alle mit einem hochwertigen Endgerät zu versorgen, so Stefan Brandl.

Beim Datenschutz fühlen sich Lehrer alleingelassen

Und auch beim Datenschutz gibt es nach wie vor ungeklärte Fragen und Probleme aus Sicht der Lehrer, erklärt Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands: "Beispielsweise im Hinblick auf die vielen Tools und nützlichen Programme und Apps, die es im Internet gibt, zu denen auch eine Liste vom Kultusministerium den Lehrkräften zur Verfügung gestellt wurde, aber wo bei vielen gar nicht klar ist, ist das dann auch tatsächlich datenschutzrechtlich geprüft. Und da fühlen sich Lehrkräfte alleingelassen."

Frust für Lehrer wächst beim Online-Unterricht

Der Unterricht auf Distanz ist deshalb für viele Lehrerinnen und Lehrer frustrierend. Die Schülerinnen und Schüler sind nicht dazu verpflichtet, ihr Mikrofon und ihre Kamera beim Videounterricht an zu haben. Die Lehrkräfte wiederum schon. Das führt zu heiklen Situationen, erklärt Renate Ortner-Traxinger. Sie ist Lehrerin für Mathematik und Physik am Albertus-Magnus-Gymnasium in Regensburg. "Ich rede da eigentlich gegen eine Wand", ärgert sie sich. "Ich weiß nicht, was auf der anderen Seite läuft. Die Schüler sind nicht verpflichtet, die Kamera aufzumachen. Sie machen den Ton auf, das heißt, ich kann mit ihnen reden und höre, was im Hintergrund läuft, also ob da noch jemand mitagiert. Zum Teil höre ich tatsächlich Eltern im Hintergrund einflüstern und sag dann: Bitte schick Mama, Papa, Oma, Opa raus."

Kein geschützter Klassenraum mehr

Ein geschützter Klassenraum sei unter diesen Umständen nicht mehr gegeben, meint Ortner-Traxinger. Die Schüler können ihre Lehrer unbemerkt aufzeichnen, Eltern könnten den Unterricht überwachen.

Und auch die Vergabe von mündlichen Noten sei schwierig. Denn man könne nicht einschätzen, ob der Schüler gerade den abgefragten Stoff im Schulheft oder im Internet nachschaut – oder ob am Ende nicht sogar ein Familienmitglied die Lösung einsagt.

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