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Homeschooling: Werden Kinder ärmerer Familien abgehängt? | BR24

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Die Bundesregierung plant einen Laptop-Zuschuss von 150 Euro für Kinder aus sozial schwächeren Familien. Kritiker halten die Summe für zu gering. Ein Ausweg sind gebrauchte Rechner.

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Homeschooling: Werden Kinder ärmerer Familien abgehängt?

Für die Mehrheit der Schüler geht das Homeschooling weiter. Dabei haben viele Schüler gar keinen eigenen Computer. Mit 150 Euro sollen Kinder aus sozial schwachen Familien nun bezuschusst werden. Private Initiativen wie in Regensburg sind da weiter.

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"So let's get started. Here are the words for today." Lehrerin Theresia Friedl-Schneider sitzt in ihrem leeren Klassenzimmer vor dem Computer und spricht Vokabeln für ihre Schüler ein. Seit der Schließung der Schulen kann auch ihr Englischunterricht nur digital laufen. Eine Herausforderung. Denn wie lernen die Kinder die Aussprache eines englischen Wortes, wenn die Lehrerin es ihnen nicht vormacht? Die Antwort: Über eine Lernsoftware, die fast alle Schüler nutzen können. Allerdings - eben nur fast alle. Nicht jeder hat von zu Hause aus Zugriff auf einen Computer.

"Das Problem mit 'Homeschooling' ist, dass jeder Schüler überhaupt Zugang zu digitalen Geräten haben muss. Wenn ich kein Gerät habe, dann ist das wie wenn ich kein Buch habe." Theresia Friedl-Schneider, Realschullehrerin

Studie: Digitale Teilhabe ist Mangelware

Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft haben nur knapp 28 Prozent aller zwölfjährigen Schüler einen eigenen PC zur Verfügung. Bei Kindern aus sozial schwachen Familien liegt der Anteil nur bei 15 Prozent.

Der fehlende Zugang ist Theresia Friedl-Schneider auch in ihrer Klasse an einer Regensburger Realschule aufgefallen. Aufgaben, die sie gestellt hatte, kamen nicht zurück. Als die Lehrerin nachfragte, wurde deutlich: Es fehlt an einem Computer. Zwar hätte der Großteil ihrer Schüler ein eigenes Smartphone, aber damit könnten viele Angebote nicht genutzt werden, so die Lehrerin.

"Wenn ich zum Beispiel ein Kreuzworträtsel mache, um Spaß am Lernen zu vermitteln, dann geht das einfach nicht." Theresia Friedl-Schneider, Realschullehrerin

Bildungsgerechtigkeit heißt Zugang für alle

Die Realschullehrerin befürchtet, dass die Bildungsgerechtigkeit auf der Strecke bleiben könnte, wenn Kindern der Zugang zu einem PC verwehrt bleibt. "Das ist das A und O. Gestern habe ich zum Beispiel Gerätschaften an eine mehrköpfige Familie gebracht. Wenn da kein Gerät da ist, dann sind die Kinder definitiv abgehängt."

Mit 150 Euro sollen nun Kinder aus sozial schwachen Familien bezuschusst werden. Dieses "Sofortausstattungsprogramm" haben die Koalitionsspitzen letzte Woche in Berlin beschlossen. Für viele Verbände ist das definitiv zu wenig.

150 Euro vom Staat: Reicht das?

Beim Verein Computerspende Regensburg gibt es Computer für Kinder aus sozial schwachen Familien quasi umsonst. Der Verein, der sich selbst aus Spenden finanziert, repariert ausrangierte Computer und spendet sie dann. Die Resonanz ist groß, sagt Johannes Hundshammer.

Er findet, der geplante 150 Euro-Zuschuss durch den Staat sei ein gutes Zeichen, aber wohl zu wenig. "Wenn man also bedenkt, dass man ja auch den Internetanschluss braucht, Router usw., zum Teil auch Lernsoftware sind die 150 Euro natürlich sehr knapp. Das geht nur, wenn man einen gebrauchten PC sehr günstig bekommt."

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Johannes Hundshammer vom Verein "Computerspende Regensburg" repariert einen Laptop.

Open Source: Kostenlos zur Bildung

Der Verein macht sich dafür stark, dass auch im Bildungsbereich mehr auf "Open Source" gesetzt wird. Das sind Programme, die von Freiwilligen entwickelt und dem Nutzer kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Schulen hingegen setzen noch zu sehr auf konventionelle Software, deren Anschaffung oder Verwendung mit Kosten verbunden sind, sagt Hundshammer. "Die Schulen müssten sich hier öffnen."

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Lehrerin Theresia Friedl-Schneider sitzt in ihrem leeren Klassenzimmer vor dem Computer.

Forderung: Digitalisierung im Schulalltag

Theresa Friedl-Schneider kümmert sich selbst darum, dass Kinder, die ihn benötigen, einen solchen PC bekommen und bringt das Gerät auch mal persönlich bei Schülern vorbei, die in den vergangenen Wochen mit großen Problemen zu kämpfen hatten, weil ihnen ein PC fehlte. Auf Dauer wäre das nicht gut gegangen, sagt eine betroffene Mutter einer Schülerin: "Weil sie komplett vom Schulstoff hinten nachhängen würde. Heißt: Sie müsste eventuell sogar die Klasse wiederholen, weil sie einfach nicht mitkommt."

Die Soforthilfe des Staats lässt noch auf sich warten. Für Lehrerin Friedl-Schneider, die bisher über 20 Computer verteilt hat, sollte es aber nicht nur bei der finanziellen Unterstützung bleiben. "Meine Hoffnung ist, dass die digitalen Möglichkeiten in Zukunft auch im Schulalltag intensiver ausgeschöpft werden. Damit uns sowas wie jetzt, von 0 auf 100, nicht mehr passiert."

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Für die Mehrheit der Schüler geht das Homeschooling weiter. Dabei haben viele Schüler gar keinen eigenen Computer. Mit 150 Euro sollen Kinder aus sozial schwachen Familien nun bezuschusst werden. Private Initiativen wie in Regensburg sind da weiter.

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