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Wegen Corona lernen viele Kinder zuhause. Doch nicht in allen Familien gibt es Tablets und stabiles Internet.

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Homeschooling erschwert oftmals den Übertritt ans Gymnasium

Wegen Corona lernen viele Kinder zuhause. Doch nicht in allen Familien gibt es Tablets und stabiles Internet. Eine Familie in Bayreuth befürchtet, dass manche Kinder deswegen den Übertritt an weiterführende Schulen nicht schaffen.

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Von
  • Markus Feulner

Der Unterricht zu Hause beginnt bei Paul und Moritz Eichbaum um 08.00 Uhr. Beide sitzen am Esstisch oder auch in ihren Zimmern. Paul geht in die 6. Klasse des Bayreuther Gymnasium Christian Ernestinum, Moritz in die 4. Klasse der Grundschule Meyernberg. Jeder hat ein Tablet zur Verfügung. Die Versorgung mit Unterrichtsmaterial läuft. Der Fernunterricht und die Lernvideos machen sogar manchmal Spaß.

Nicht alle Eltern können beim Homeschooling ihren Kindern helfen

Die Eltern wechseln sich als Heim- und Hilfslehrer ab. Die Kinder der Familie Eichbaum sind in einer privilegierten Situation. Moritz wird im nächsten Jahr auf das Gymnasium wechseln. "Mir fehlen die Schule und meine Freunde", sagt der Viertklässler.

Viele Migrantenkinder haben Probleme mit dem Homeschooling

Sorgen dagegen bereiten Vater Ulrich Eichbaum die Kinder, die nicht in so einer guten Position sind, beispielsweise Kinder aus Migrantenfamilien oder Kinder mit einer schlechten technischen Ausstattung daheim und Kinder von Alleinerziehenden. Der Vater befürchtet, dass viele von ihnen um eine Notenstufe absinken können. Der Übertritt in eine weiterführende Schule könnte gefährdet sein. Seine Erkenntnisse zieht Eichbaum aus seinem Engagement als Elternbeirat an den Schulen seiner Söhne und im Bayerischen Elternverband (BEV).

Viertklässler haben mehr als die Hälfte der Schulzeit zuhause gelernt

Homeschooling könne den Präsenzunterricht nicht ersetzen, meint Ulrich Eichbaum. Sein Sohn Moritz habe, wie andere Viertklässler auch, einen Teil der dritten Klasse und bis jetzt auch fast die Hälfte der vierten Klasse nur zuhause gelernt. Diese Schüler dürften keinen "Corona-Stempel" auf ihr Zeugnis bekommen.

Corona-Jahrgang hat es schwer beim Übertritt aufs Gymnasium

Die Kinder sollen keinesfalls mit dem Makel eines Corona-Jahrgangs behaftet sein. Auch wenn die Zahl der Proben von 22 auf mittlerweile 14 reduziert ist, sei der Druck auf die Schülerinnen und Schüler groß. Und so sei es schwierig, eine verpatzte Probe auszubügeln.

Gymnasien sind vorbereitet auf Homeschooling-Schüler

Im Gymnasium Christian Ernestinum nimmt die Schulleitung diese Elternsorgen wahr. Im September kommt bereits der zweite Übertrittsjahrgang, bei dem der Präsenzunterricht eingeschränkt war oder noch ist. Oberstudiendirektor Franz Eisentraut ist sich mit seinem Kollegium einig, dass schulische Defizite bei den neuen Schülerinnen und Schülern aufgefangen werden können. Dazu müsse die Neugier und der Lernwille der Kinder gefördert werden. Aber das verlange von den Lehrerinnen und Lehrern auch eine gewisse Großzügigkeit, ohne das Niveau zu senken.

"Wir wollen den neuen Schülerinnen und Schülern eine intakte Gemeinschaft in der Schule bieten." Franz Eisentraut, Leiter des Gymnasiums Christian Ernestinum, Bayreuth

Außerdem habe man im vergangenen Jahr gute Erfahrungen damit gemacht, dass man den Übertrittskindern ein intensives Gemeinschaftsgefühl am Gymnasium Christian Ernestinum vermittelt habe.

Viele Homeschooling-Schüler sind fit in Computertechnik

Zudem wertet es Franz Eisentraut als sehr positiv, dass viele Kinder aus dem Homeschooling einen versierten Umgang mit der Computertechnik mitbrächten. Das käme ihnen an seiner Schule sehr zu Gute. Das Gymnasium setzt stark auf den Einsatz von Tablets im Unterricht.

Technik kann schulische Defizite ausgleichen

In jedem Klassenzimmer gibt es einen Beamer und einen Dokumentenleser. Alle Kinder können mit ihren Geräten auf die Tafel projizieren. Die Technik helfe schulische Defizite auszugleichen, da sie den Lernwillen der Kinder mit befeuere, so Schuleiter Franz Eisentraut.

Übertritt in weiterführende Schulen keine unüberwindbare Hürde

Trotz dieser Aussichten wünscht sich Ulrich Eichbaum für die Grundschulen mehr Spielräume vom Kultusministerium, was die Notenerhebung angehe. Für die Kinder der vierten Klassen dürfe der Übertritt in eine weiterführende Schule nicht zu einer unüberwindbaren Hürde werden.

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