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Das sind die größten Schwierigkeiten beim Homeschooling | BR24

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Vater und Sohn im Homeschooling

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    Das sind die größten Schwierigkeiten beim Homeschooling

    Schule zu Hause: Woran scheitern sie? Wie läuft die Verknüpfung von Arbeit und Schule daheim? Das haben wir BR24-Leser gefragt. Ihre Antworten zeigen, wie chaotisch Homeschooling in Bayern abläuft.

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    Von
    • Ferdinand Meyen

    Schüler Duane Kolb hat mit dem digitalen Unterricht seine Probleme. Er sei auf die Plattformen Jitsi und Zoom angewiesen. Für Kolb ein ziemliches Wirrwarr. Sein Laptop ist ständig überlastet. Er hat Angst, dass dieser irgendwann den Geist aufgibt. Der Schüler steht kurz vor dem Fachabitur. Aber er hat mittlerweile Zweifel, ob ihm der Endspurt gelingt: "Ich bin so platt, obwohl ich nur sitze. Ich habe keine Motivation mehr und bin mir ziemlich unsicher, ob ich das Fachabitur bei den Umständen und dem Umfang schaffen werde."

    Verärgerte Eltern, frustrierte Schüler: Wie kommt die Schule aus der Krise? Darüber diskutiert die Münchner Runde am Mittwochabend (03.02.) um 20:15 Uhr live im BR Fernsehen und auf BR24, unter anderem mit Bayerns Kultusminister Michael Piazolo und der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katharina Schulze.

    Eine mögliche Rettung ist nun die Plattform Microsoft Teams. Fast ein Jahr lang musste Duane Kolb darauf warten. Mit Microsoft Teams lassen sich Videokonferenzen mit vielen Teilnehmern organisieren, auch Dokumente können geteilt werden. Ein hilfreiches Tool, um das Homeschooling in Coronazeiten zu vereinfachen – oder überhaupt erst möglich zu machen. Trotzdem ist auch Microsoft Teams nicht ganz unumstritten, weil es grundsätzlich digitale Überwachung möglich macht.

    Schulen mit Problemen bei der Digitalisierung

    So wie Duane Kolb geht es vielen. Das zeigt eine Umfrage unter BR24-Lesern. Ein Hauptkritikpunkt ist die schlechte technische Ausstattung der Schulen und Lehrkräfte. "60 Kollegen in unterschiedlichen Altersgruppen kann man nicht auf ein Level bringen", kritisiert zum Beispiel BR24-Nutzerin Claudia Schottroff. Die plötzlichen Anforderungen an Technologien an der Realschule ihres Sohnes seien für ihre Familie eine Zumutung. Und dann habe es auch noch geheißen: "Mache ein Power-Point-Video, Nichtabgabe wird mit Note 6 geahndet." Claudia Schottroff stört dabei, dass ihr Sohn (6. Klasse) bis Dato keine Einweisung in das Programm Power-Point bekommen hatte.

    Auch Manuela Niederreiter kritisiert die Schwierigkeiten der Lehrkräfte ihrer Kinder im digitalen Unterricht. Wenn überhaupt, gebe es am Tag zwei Stunden Videokonferenz, selbst bei ihrer ältesten Tochter in der Abschlussklasse. Und wer etwas nicht versteht, muss eben googlen. "Bis ein Lehrer antwortet, dauert es teilweise zwei Tage", so Niederreiter.

    Mangel an gutem Distanzunterricht

    Eltern und Schüler kritisieren die mangelhafte Organisation des Schul-Alltags. Eva Schöne aus dem Landkreis Aschaffenburg, deren Kind in die erste Klasse geht, sagt: "Bei meinem Sohn besteht der Distanzunterricht darin, wöchentlich einen Plan mit Aufgaben zu bekommen." Vormittags bestehe dabei die Möglichkeit, kurz mit der Lehrerin zu skypen, ansonsten tausche man allerdings einfach nur Unterlagen aus. Sowohl Mitschüler als auch Tagesstruktur würden Eva Schöne zu Folge deshalb völlig abhandenkommen.

    Ähnlich geht es Christine S.. Dass alle von Videokonferenzen sprechen, könne sie nicht nachvollziehen: "Bei uns gibt es Arbeitsblätter, circa 50 Stück pro Woche, die ausgedruckt werden müssen." Kritik übt die Mutter eines Drittklässlers auch an den Lehrkräften. Wenn ihr Sohn eine Aufgabe falsch beantworte oder nicht verstehe, bekomme er von den Lehrern nur vorwurfsvolle E-Mails aber keine Hilfestellung.

    Unvereinbarkeit von Schule zu Hause, Arbeit und Haushalt

    Die Eltern kritisieren außerdem, dass Arbeit und Distanzunterricht nur schwer unter einen Hut zu bringen seien, vor allem nicht bei kleinen Kindern. Die Vermittlung von Stoff sei momentan ganz klar Elternaufgabe, klagt zum Beispiel Jasmin Wagner. Das würde ihre Mutter-Kind-Beziehung stark belasten.

    Ihr Fazit: "Mich macht es wütend, dass das einfach erwartet wird, obwohl klar sein muss, dass das nicht jedes Elternhaus leisten kann."

    Gelungener Distanzunterricht hängt stark von der Schule ab

    Trotzdem läuft nicht alles schlecht. Mutter Stephanie Mayer lobt beispielsweise die tollen Erklär-Videos der Lehrkräfte ihrer Grundschulkinder und die vorbildliche Organisation der Klassenkonferenz. Eine Nutzerin schreibt sogar: "Meine Tochter hat mega viel Spaß, alles klappt und sie kommt besser mit als in der Schule." Erfolgreicher Distanzunterricht steht und fällt immer mit der Schule, den technischen Gegebenheiten und den Lehrkräften, die sich Mühe geben oder eben nicht, so das Fazit der BR24-Leser.

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