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Homeoffice: Zwischen gelebtem Modell und weitem Weg | BR24

© BR/Katharina Häringer

Homeoffice-Beispiele aus Passau: In einem Ingenieursbüro und auch im Bistum Passau wird von zu Hause gearbeitet.

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Homeoffice: Zwischen gelebtem Modell und weitem Weg

Die Politik befürwortet in Corona-Zeiten das Arbeiten im Homeoffice. Aber für Arbeitgeber, in denen Unterlagen aus Papier noch eine große Rolle spielen, ist der Weg ins Digitale ein langer. Mittelständische Unternehmen haben es leichter.

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Von
  • Katharina Häringer
  • BR24 Redaktion

Auch wenn der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) heute bei einem Gipfel auf das Arbeiten aus dem Homeoffice drängt: Für Arbeitgeber wie Ämter, Behörden oder auch die Kirche, in denen Unterlagen aus Papier eine große Rolle spielen, ist der Weg ins Digitale noch ein langer. Mittelständische Unternehmen haben es da leichter, wie ein Beispiel aus Passau zeigt.

Ingenieur in Hausschuhen

Sebastian Thanner sitzt vor zwei großen Bildschirmen und berechnet die Statik eines Firmengebäudes. Das Zimmer, in dem er sitzt, sieht so aus, als wäre es in einem Ingenieurbüro. In Wirklichkeit ist er 20 Kilometer vom Büro entfernt. Der einzige kleine Hinweis darauf: Thanner trägt Hausschuhe. Und das seit Beginn der Pandemie. "Ich kann zuhause ungestört arbeiten, mich besser konzentrieren. Für mich überwiegen die Vorteile. Aber der Kontakt zu den Kollegen fehlt natürlich", erzählt er. Damit der nicht abreißt, verpflichtet das Ingenieurbüro Bulicek in Passau seine Mitarbeiter zum sozialen Kontakt. Im Sommer hat sich die Belegschaft zum Sporteln verabredet. Jetzt gibt es digitale Kaffeepausen. Zehn Minuten Ratschen - jeder mit einer Kaffeetasse vor dem Bildschirm.

Gewinn für Arbeitgeber und Mitarbeiter

Für Geschäftsführer Roland Friedl sieht so die Zukunft der Arbeit aus. "Ich halte nichts von einer politischen Verordnung zum Homeoffice. Das ist der falsche Ansatz. Arbeitgeber sollten vielmehr die Chancen sehen." Für die Mitarbeiter, die mehr Freiheit und Flexibilität bekämen, aber auch für das Unternehmen, meint er.

"Die Leistungsfähigkeit unserer Mitarbeiter steigt. Außerdem werden wir interessant für Leute, die nicht in Passau wohnen." Roland Friedl, Geschäftsführer

Tatsächlich ist das Planungsbüro in der Pandemie gewachsen. Ingenieure, die die Firma verlassen hatten, weil ihnen der Fahrweg zu weit war, sind jetzt zurückgekommen. 40 Mitarbeiter sind derzeit am Standort Passau, 15 in München beschäftigt.

Bistum Passau: Mehr als 10.000 Mitarbeiter

Anderes Beispiel: das Bistum Passau. In der gesamten Diözese arbeiten mehr als 10.000 Leute, im bischöflichen Ordinariat in Passau sind es 1.500. Homeoffice ist auch hier möglich, sagt Generalvikar Josef Ederer. In der IT oder im Archiv beispielsweise. Aber wo mit realen Akten, beispielsweise mit Kirchensteuerbescheiden oder in der Personalabteilung gearbeitet wird, eben nicht. Die digitale Akte gibt es noch nicht.

"Wir sind in einem Prozess, uns digital aufzustellen. Aber das wird Monate oder Jahre dauern. Es ist von der Politik schnell gesagt: Man muss digital arbeiten, aber kein Mensch kann das von heute auf morgen." Josef Ederer, Generalvikar

Mitarbeiter nicht überfordern

Das Bistum schafft seit Monaten Computer und Lizenzen an, heißt es. Aber mit Hard- und Software allein sei es nicht getan. "Wir dürfen Mitarbeiter nicht überfordern", sagt Ederer. Nicht alle sehen sich technisch in der Lage, von daheim aus zu arbeiten. Gerade werde entsprechend geschult.

Arbeiten im Einzelbüro möglich

Die Kirche setzt daher auf Sicherheit vor Ort: auf große Einzelbüros, Abstandsregeln und Plexiglastrennwände. So würden die Arbeitnehmer gut geschützt. "Wir fühlen uns bestätigt, dass egal, was draußen passiert ist, drinnen Corona nicht weiterverbreitet wird. Unser Schutzkonzept greift", sagt Josef Ederer.

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