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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Guido Kirchner

Homeoffice in der Küche (Symbolbild)

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    "Mahlzeit!"– Problemzone Mittagessen im Homeoffice

    Vorbei die Stammtisch-Zeiten in der betriebseigenen Kantine. Bereits jeder und jede vierte Beschäftigte in Deutschland arbeitet während der Corona-Pandemie im Homeoffice – und vertilgt dort auch das Mittagessen. Kein Problem. Oder?

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    Von
    • Michael Wagner
    • BR24 Redaktion

    "Mahlzeit!" So klang das früher in der Mittagspause - eine Zeit, in der die Menschen loslassen konnten von ihrer Arbeit, sich einfach mal zurücklehnen auf der Sitzbank der betriebseigenen Kantine, die neuesten Gerüchte mit den Kolleginnen und Kollegen austauschen und essen, was auf den Tisch kommt. Im Lockdown ist diese Routine, die einmal den Arbeitsalltag strukturiert hat, zur Erinnerung verblasst. Wer kann, soll im Homeoffice arbeiten. Keine Spur mehr vom Plausch in der Gerüchteküche, und der eine oder andere vermisst vielleicht sogar die übergaren Spaghetti mit der Bolognese-Soße. Essen im Homeoffice kann für manche eine echte Herausforderung sein.

    Arbeiten zwischen Kühlschrank und Süßigkeitenregal

    Das zeigt auch eine BR-Umfrage in der Regensburger Innenstadt – viele Menschen geben an, deutlich mehr als vorher zu wiegen. "Ich habe seitdem zehn Kilo zugenommen, weil mein Arbeitsplatz in der Küche ist", klagt ein Mann, "ich sitze vor dem Süßigkeitenregal und neben dem Kühlschrank." Vorher habe er in der Kantine gegessen, sagt der Mann, da sei es ihm nicht schwergefallen, seine Linie zu halten. Jetzt koche er, was ihm schmeckt. Dazu kommt die ständige Verfügbarkeit von Essen direkt am beziehungsweise neben dem Arbeitsplatz.

    Feste Zeiten zum Essen einplanen

    Wie dieser Mann haben viele Beschäftigte im Homeoffice manchmal gar keine Wahl, als notgedrungen das Büro in der Küche aufzuschlagen. Julia Axer, Ernährungsberaterin aus Regensburg, ist mit den Problematiken bei der Ernährung im Homeoffice bestens vertraut. "Dann sollte man das auf jeden Fall im Kopf und zeitlich trennen und sich Essenszeiten aufschreiben", rät die Ernährungsberaterin. Ein Zeitplan könnte beispielsweise wie folgt aussehen: um acht Uhr Frühstück, um zehn Uhr eine Zwischenmahlzeit, um zwölf Uhr das Mittagessen.

    Essen zur Stressbewältigung

    Besonders tückisch ist die ständige Verfügbarkeit von Essen, wenn es mal stressig wird im Job: "Kauen ist eine Möglichkeit des Körpers, wenn er Sitzen muss wie im Homeoffice, über Bewegung Stress abzubauen", erklärt die Ernährungsberaterin und rät: "Wenn man das weiß, kann man das auch in Bahnen lenken und mit Lebensmitteln lenken, die sich nicht sofort auf den Hüften niederschlagen." Dafür böten sich unter anderem Gemüse-Sticks an oder eine Handvoll Nüsse zwischendurch.

    Zum Mittagessen immer das Gleiche?

    Beim Mittagessen mangelt es auch manchmal einfach an Kreativität. "Ich esse immer öfter das Gleiche", bemerkt ein Mann, "meistens koche ich das, was schnell geht." Dass es schnell gehen muss, macht zunächst einmal Sinn. Laut Julia Axer muss das aber kein Grund sein, unkreativ oder gar ungesund zu essen.

    Eine Faustregel von der Ernährungsberaterin, die zur Variation einlädt: "Wenn ich einen Teller vor mir liegen habe, dann sollte er zur Hälfte mit Gemüse und Salat gefüllt sein. Etwas mehr als ein Viertel sollte die magere Eiweißbeilage sein, sprich Fisch oder mageres Fleisch oder Linsen oder Bohnen. Und etwas weniger als ein Viertel sind dann die Kohlenhydrate: Kartoffeln, Naturreis oder Vollkornnudeln."

    Schnell gesund kochen – absolut machbar

    Wer jetzt befürchtet, die gesamte Mittagspause hinter dem Herd verbringen zu müssen, sei beruhigt. Ein gesundes Essen zu kochen kann auch flott gehen: "Ich persönlich mache ganz gerne diese Alles-in-eine-Pfanne-Gerichte", so Julia Axer, "Ich mache eine Menge Gemüse rein. Man kann übrigens auch ohne Probleme auf Tiefkühlgemüse zurückgreifen, das ist ruckzuck fertig. dann schneide ich zum Beispiel ein paar Streifen an Fisch oder Fleisch mit rein und noch ein paar Kartoffeln dazu."

    Ernährungsberaterin: "In aller Ruhe essen"

    Fällt die Mittagspause im Homeoffice doch einmal kürzer aus, findet sich der eine oder die andere mit dem Teller vor dem Monitor wieder, weil vielleicht bereits das nächste Online-Meeting stattfindet. Ist das einmal der Fall, sei das per se nicht schlimm, findet Julia Axer. Ungesund wird es laut der Ernährungsberaterin aber, wenn im Stress gegessen wird. "Dann werden bestimmte Fettsäuren gebildet, wenn man zum Übergewicht neigt, die dann auch freie Radikale freisetzen."

    Ihr Tipp: "So oft es geht und soweit es möglich ist mental runterfahren, also sagen: "Jetzt ist mal eine kurze Pause, sei da ein Meeting, was nebenherläuft oder nicht." Und dann essen in aller Ruhe. Kauen. Runterschlucken. Luft holen. Das nimmt schon eine Menge von dem Stress raus."

    Hilfestellungen für die kreative Küche im Homeoffice

    Einfache und schnelle Kochrezepte gibt es derweil zuhauf auf einschlägigen Seiten im Internet. Dazu kommen Handy-Apps, die täglich wechselnde Gerichte vorschlagen. Und die dürfen auch gerne mal vegetarisch sein.

    Julia Axer räumt zum Schluss noch einen alten Irrglauben aus dem Weg: "Man braucht überhaupt kein Fleisch. Man kann genauso gut sein Eiweiß über Hülsenfrüchte oder Milchprodukte, sprich Käse oder Quark, decken. Oder Fisch ist super. Der liefert nämlich die wertvollen Omega-3-Fettsäuren."

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