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Holzhütten auf Rädern | BR24

© BR / Elmar Voltz

Ein "mobile home" für Flüchtlinge

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    Holzhütten auf Rädern

    Sie stammen von einem französischen Campingplatz: rollbare Holzhütten mit Platz für sechs Personen. Die Gemeinde Reichersbeuern bei Bad Tölz hat sie jetzt gekauft; künftig sollen dort Flüchtlinge wohnen, weil alle anderen Unterkünfte belegt sind.

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    Bald kommt der Winter, doch zahlreiche Gemeinden sind ratlos. Wie sollen sie ihre Flüchtlinge über die kommenden Monate menschenwürdig unterbringen, während gleichzeitig besetzte Gemeindesäle und Turnhallen für immer mehr Unzufriedenheit in der eigenen Bevölkerung sorgen?

    Von einem Campingplatz gekauft

    Die Verwaltungsgemeinschaft Reichersbeuern im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen, zu der auch die beiden Gemeinden Greiling und Sachsenkam gehören, hat eine Lösung gefunden. Weil Container nicht mehr zu bekommen sind und die Lösung einer Traglufthalle nicht optimal ist, errichten die Gemeinden, salopp gesagt ein "Feriendorf". Von einem Campingplatz in Frankreich haben die Gemeinden rollbare Holzhütten gekauft: sogenannte Mobil-Heime. 13 gebrauchte Häuschen und 27 fabrikneue werden in den nächsten zwei Wochen geliefert.

    "Wir haben das durchgerechnet, dass wir so viel günstiger dran sind, als bei allen anderen Optionen", so Ernst Dieckmann, Bürgermeister Reichersbeuern.

    Ein gebrauchtes Mobil-Heim kostet rund 23.000 Euro, die 27 bestellten, fabrikneuen Häuschen sind nochmal teurer, dafür aber mit Garantie. Inklusive Steuern, Transport und Aufbau investiert die Verwaltungsgemeinschaft jetzt 2,7 Millionen Euro.

    Am Kranzer heißt das Gelände, auf dem die 40 Holzhütten errichtet werden sollen. Es soll in zwei Jahren als Gewerbegebiet genutzt werden, bis dahin stellt die private Eigentümerin den Grund kostenlos zur Verfügung. "Eine gute Lösung", findet Sachsenkams Bürgermeister Johann Schneil, der gerade die Sporthalle seiner Gemeinde als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung stellen musste. Denn jetzt muss erst mal der Winter überstanden werden.

    Im Vergleich zu einem Feldbett in einer Turnhalle sind die Mobil-Heime fast schon Luxus. 32 m² für sechs Personen: Eine Küchenzeile, drei abgegrenzte Schlafräume, ein kleiner Wohnbereich und eine Elektroheizung. Für Familien mit kleinen Kindern ist das alles ein Segen. Trotzdem sind nicht alle Bürger in drei Gemeinden von dem Projekt überzeugt. Das Gelände sei zu abgelegen, bemängeln viele; da sei es schwierig, die Flüchtlinge zu integrieren. Doch bei eisigen Nächten und stets fallenden Temperaturen hat der Bürgermeister erst einmal anderes im Blick:

    "Jetzt zählt erst mal, dass die ein Dach über den Kopf haben - die Integration kann dann später erfolgen" erklärt Anton Margreiter, Bürgermeister von Greiling.
    Von
    • Anja Salewsky
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