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Eine neue Verordnung deckelt den Holzeinschlag in deutschen Wäldern. Eine gut gemeinte Maßnahme, die aber zu spät in Kraft tritt, kritisieren Waldbesitzer. Auch Forstunternehmer schlagen Alarm. Forstministerin Kaniber bemüht sich nun um eine Lösung.

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Holzeinschlag wird gebremst: Waldbauern schlagen Alarm

Eine neue Verordnung deckelt den Holzeinschlag in deutschen Wäldern. Eine gut gemeinte Maßnahme, die aber zu spät in Kraft tritt, kritisieren Waldbesitzer. Auch Forstunternehmer schlagen Alarm. Forstministerin Kaniber bemüht sich nun um eine Lösung.

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Holz ist gefragter denn je, aber die Harvester stehen still. Schuld ist die neue Bundesverordnung.

Eine neue Bundesverordnung reduziert den Holzeinschlag dieses Jahr um 15 Prozent. Aber: Holz ist aktuell gefragter denn je, die Preise sind gestiegen, doch die Harvester stehen still. Denn die erlaubte Einschlagsmenge ist jetzt plötzlich beschränkt und für dieses Forstwirtschaftsjahr teilweise schon erreicht. Darunter leiden besonders kleine Waldbesitzer. Der Grund: Wer weniger Hektar besitzt und deshalb nur unregelmäßig Holz erntet, wird besonders gedeckelt.

Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber (CSU) will die Waldbauern unterstützen und setzt sich in Berlin deshalb jetzt für eine Bagatellgrenze von 70 Festmetern pro Jahr ein. Das würde gerade kleinen Waldbesitzern helfen, dass sie jetzt noch ein paar Bäume einschlagen können, so Peter Pröbstle von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.

Bagatellgrenze als Lösung?

Dann wäre die Kuh vom Eis, heißt es bei der Forstbetriebsgemeinschaft Eichstätt. Geschäftsführer Johann Stadler vertritt 2.200 Waldbauern. Weil die Rundholzpreise steigen, wollen viele jetzt Holz machen. "Aber wir mussten eine Vollbremsung machen", so Stadler.

Forstunternehmer jedoch kritisieren den Vorstoß aus Bayern mit der vorgeschlagenen Bagatellgrenze. "Wegen 70 Festmeter rentiert es sich fast nicht, dass ich mit dem Harvester in den Wald fahre", sagt Norbert Harrer. Er ist Vorstand des Bayerischen Verbands der Forstunternehmer. Viele Waldbesitzer arbeiten ihr Holz nicht mehr selbst auf, sondern engagieren ein Unternehmen. Bei Norbert Harrer belaufen sich die Aufträge im Schnitt auf 150 Festmeter pro Kunde. Für eine geringere Menge lohne sich die maschinelle Aufarbeitung kaum.

Arbeitslose Forstunternehmer?

Ganz grundsätzlich treffe die neue Verordnung die Forstunternehmer gerade hart. Bei vielen Kollegen seien Aufträge gerade storniert worden. Die Einschläge wurden eingestellt. Das komme einem Beschäftigungsverbot gleich, so Norbert Harrer. Er habe seine Mitarbeiter schon darauf eingestellt, dass er sie wohl in Kurzarbeit schicken müsse. Die Verordnung gilt bis Ende September.

Forstarbeiter werden angefeindet

Außerdem komme ein weiteres Problem hinzu. Die Arbeiter im Wald würden laut Norbert Harrer gerade haufenweise von Spaziergängern fotografiert und verbal attackiert. Der Vorwurf: Sie dürften doch gerade gar kein Holz schlagen, das sei illegal. Fest steht aber: Das Aufarbeiten von Käferholz oder Schadholz durch Schnee und Stürme ist nach wie vor erlaubt. Das muss sogar erledigt werden. Von der neuen Verordnung ist lediglich der Einschlag von Frischholz betroffen.

Maßnahme zur falschen Zeit

Die Idee zu dieser Verordnung kam letztes Jahr auf. Denn der Holzpreis rutschte immer mehr in den Keller: Schuld war das Überangebot durch Sturm- und Borkenkäferschäden. In dieser Situation wollte der Bund helfen und den Markt entlasten. Eben mit der Vorgabe, 15 Prozent weniger zu ernten. In Kraft getreten ist die Maßnahme aber erst vor kurzem. Viel zu spät und zur Unzeit, sagen viele.

Holz ist derzeit Mangelware

Bayerische Waldbesitzer hatten gehofft, jetzt endlich mal wieder Gewinne einzufahren und die Verluste der vergangenen Jahre auszugleichen. Die letzten Jahre mussten sie ihr Holz fast verschenken oder sogar draufzahlen. Jetzt boomt die Nachfrage nach Holz. Zimmerer und Schreiner klagen über Engpässe und lange Lieferzeiten. Der Bedarf an Schnittholz ist gestiegen und somit auch der Bedarf an Rundholz direkt aus dem Wald.

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