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Holocaustvergleiche in Kapelle: Kritik von Shoa-Überlebenden | BR24

© picture alliance/Armin Weigel/dpa

"Größter Massenmord in der Geschichte der Menschheit" seien Abtreibungen - die Relativierung des Holocaust macht Überlebende der Shoa fassungslos

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Holocaustvergleiche in Kapelle: Kritik von Shoa-Überlebenden

In der oberpfälzischen "Anti-Abtreibungskapelle" eines Landwirts werden Abtreibungen als "Holocaust an ungeborenen Kindern" bezeichnet. Nun haben sich Überlebende der Shoa zu Wort gemeldet. Sie sind fassungslos über den Vergleich.

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Seit mehr als zehn Jahren steht am Waldrand nahe der Ortschaft Pösing im Landkreis Cham eine Kapelle, die in den letzten Tagen als "Anti-Abtreibungskapelle" für Aufsehen, Empörung und Kritik gesorgt hat. Denn der Landwirt Franz Graf, der die Kapelle errichtet hat, nennt Abtreibungen den "Holocaust an ungeborenen Kindern" und den "größten Massenmord in der Geschichte der Menschheit". Nach Kritik von Linken-Politikern, vom Zentralrat der Juden in Deutschland, sowie dem Antisemitismus-Beauftragten der Staatsregierung, hat sich nun auch das Internationale Auschwitz Komitee zu Wort gemeldet.

Holocaustvergleich mache "fassungslos" und sei "menschenverachtend"

Der Vergleich von Abtreibungen mit der Ermordung von Millionen europäischer Jüdinnen und Juden im Dritten Reich ließen Auschwitz-Überlebende fassungslos zurück, sagte Christoph Heubner, Geschäftsführender Vizepräsident des Komitees. Landwirt Franz Graf habe "keine Kenntnis darüber, was in Auschwitz geschehen" sei, "seine Vergleiche sind menschenverachtend, falsch und würdelos", so Heubner.

Ähnlich hatte sich zuvor bereits Josef Schuster vom Zentralrat der Juden in Deutschland geäußert. Schuster sagte, dass sich der Vergleich des "größten Menschheitsverbrechens" mit Abtreibungen in jeder Hinsicht verbiete.

Aussagen wohl nicht strafbar

Die Kapelle des Landwirts Franz Graf und auch die dort vielfach zu lesenden Holocaustvergleiche sind wohl nicht strafbar, wie die Staatsanwaltschaft in Regensburg mitteilte. Der Antisemitismusbeauftragte der Landesregierung, Ludwig Spaenle von der CSU, hält eine Korrektur für angeraten. Er sagte dem BR, dass er nur raten könne "diese Situation entsprechend zu bereinigen".

Franz Graf hält indes an seinen Aussagen und an den Vergleichen fest und sagt, dass die Kapelle für sich spreche.