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Gedenktag: Zeitzeuginnen rühren die Zuhörer zu Tränen | BR24

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Der Bayerische Landtag gedenkt jedes Jahr der Opfer des Holocausts. Als Ort der Erinnerung wurde heute Passau ausgewählt. Auch Zeitzeugen und Politiker aus Österreich und Tschechien waren gekommen. Ein bewegendes grenzüberschreitendes Gedenken.

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Gedenktag: Zeitzeuginnen rühren die Zuhörer zu Tränen

Die Erzählungen von Bohumila Havránková und Anna Hackl rührten beim Dreiländer-Holocaust-Gedenktag in Passau das Publikum zu Tränen. Mit Blick auf den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland blicken die Frauen durchaus pessimistisch in die Zukunft.

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Das Herzstück des Dreiländer-Holocaust-Gedenkaktes waren die Erzählungen der zwei Zeitzeuginnen Bohumila Havránková und Anna Hackl.

Bohumila Havránková überlebte das KZ Theresienstadt

Die 92-jährige Bohumila Havránková ist Überlebende des Konzentrationslagers Theresienstadt. Sie wurde 1943 zusammen mit ihrer Schwester als sogenanntes "Mischlingskind" ins KZ Theresienstadt deportiert. Beim Gedenkakt erzählte sie von der Typhus-Epidemie, die dort ausgebrochen war, wie sie an Hunger und Unterernährung litt und trotzdem überlebte.

Sie berichtete von grausamen Szenen, wie sich Frauen und Kinder in einen Waggon drängten. Die Nationalsozialisten versprachen ihnen, sie würden ihre Männer dort wieder treffen. In Wirklichkeit wurden sie ins Konzentrationslager Ausschwitz deportiert und vergast. Kurz vor dem Kriegsende floh Bohumila Havránková mit einer Freundin aus dem Ghetto Theresienstadt nach Prag.

Anna Hackl versteckte Häftlinge aus dem KZ-Mauthausen

Die 88-jährige Zeitzeugin Anna Hackl aus Oberösterreich schilderte, wie den Bewohnern in ihrem Heimatort Schwertberg per Lautsprecher mitgeteilt wurde, dass Häftlinge aus dem KZ Mauthausen ausgebrochen seien. Der Bevölkerung sei erzählt worden, das seien Schwerverbrecher, die erschossen werden müssten. Anna Hackl und ihre Familie versteckten zwei Häftlinge. So bewahrten sie vor der sogenannten "Mühlviertler Hasenjagd", bei der nur elf von 500 Geflohenen überlebten. Anna Hackl erzählte, ihr sei mit 14 Jahren schon bewusst gewesen, dass sich die Familie dadurch selbst in große Lebensgefahr begibt und sie niemandem von den versteckten Häftlingen erzählen durfte.

Die Zeitzeugin erzählte, dass sich viele Jahre später die beiden Mütter von Anna Hackl und eines KZ-Häftlings kennenlernten. Annas Familie hatte ihn vor den Nationalsozialisten versteckt. Die Mutter des Häftlings umarmte Annas Mutter, sie konnte ihren Dank kaum in Worte fassen. Von acht Söhnen hatte nur einer überlebt, weil Annas Familie ihn versteckt und so gerettet hatte, so Anna Hackl.

Mit Vorträgen gegen den Antisemitismus kämpfen

Am Ende ihrer Erzählungen blickten die beiden Frauen teils hoffnungsvoll, teils traurig in die Zukunft. "Die Menschheit ist unbelehrbar", sagte Bohumila Havránková. Doch sie hoffe, ihre Vorträge würden dazu beitragen, dem Antisemitismus entgegenzuwirken. Anna Hackl wünscht sich vorsichtigere und wachsamere Menschen. "Uns geht es wirklich gut und auf das sollt ihr schauen", sagte die 88-Jährige.

Zwei Außenlager vom KZ Mauthausen waren in Passau

Für die Feierlichkeit zum Holocaust-Gedenktag wurde Passau gewählt, weil das Dreiländereck die Skrupellosigkeit der Nationalsozialisten hautnah miterlebt hat, wie Landtagsabgeordneter Karl Freller sagte. In Passau gab es während der NS-Zeit drei Außenlager des Konzentrationslagers Mauthausen.

Zwischen 1938 und 1945 wurden hier und im KZ Mauthausen 90.000 Menschen ermordet. Heute ist das Konzentrationslager eine Gedenkstätte. Diese Gedenkstätten müssten unbedingt erhalten bleiben, damit kommende Generationen aus der Vergangenheit lernen könnten, so Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden.

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David Dushman, der letzte lebende Befreier von Auschwitz, lebt in München

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