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Holocaust-Gedenktag: Veranstaltung in Hersbruck verschoben | BR24

© Verein Dokumentationsstätte Konzentrationslager Hersbruck

Gedenkstein an das Konzentrationslager in Hersbruck

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    Holocaust-Gedenktag: Veranstaltung in Hersbruck verschoben

    Die jährliche Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag im mittelfränkischen Hersbruck wird coronabedingt verschoben. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht ein Schüler, der zum KZ Hersbruck recherchierte. Er galt lange als Nestbeschmutzer.

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    Von
    • Annika Svitil
    • Jonas Miller

    Heute am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust sollte eigentlich eine Veranstaltung in Hersbruck im Nürnberger Land stattfinden. Wegen der Corona-Pandemie wird diese nun verschoben. Sie soll stattdessen am 16. April stattfinden, teilte Klaus Petersen vom Verein Dokumentationsstätte Konzentrationslager Hersbruck mit. Normalerweise würde am 27. Januar traditionell mit einem ökumenischen Gottesdienst in einer der örtlichen Kirchen an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Im April soll stattdessen ein Freiluft-Gottesdienst stattfinden.

    Aufarbeitung der Geschichte stieß auf Ablehnung in Hersbruck

    Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht Gerd Vanselow, der Anfang der 1980er Jahre mit seiner Facharbeit in Geschichte am Paul-Pfinzing-Gymnasium die Grundlagen für die Aufarbeitung des Konzentrationslagers Hersbruck lieferte. Diese Arbeit stieß auf große Ablehnung in Hersbruck, so Petersen.

    Schüler als "Nestbeschmutzer" tituliert

    Gegner von Vanselows Recherchen wollten den damaligen Schüler aus der Stadt jagen und bezeichneten ihn als Nestbeschmutzer, da die Außenstelle des Konzentrationslagers Flossenbürg in Hersbruck lange geleugnet wurde. Jedoch fand er auch viele Unterstützer. 1983 wurde schließlich der erste Gedenkstein der DGB-Jugend Bayern am Rand des KZ-Geländes errichtet. Dabei anwesend war auch Bernd Engelmann, ein ehemaliger Häftling des Konzentrationslagers, der ebenfalls Thema der diesjährigen Gedenkveranstaltung ist. Das übergreifende Motto der Veranstaltung soll daher lauten: "Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar" – ein Zitat der österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann.

    Verein organisiert seit 15 Jahren Holocaust-Gedenktag

    Der Verein Dokumentationsstätte Konzentrationslager Hersbruck, der seit 15 Jahren den Holocaust-Gedenktag in Hersbruck organisiert, gründete sich 1999. Die Höhepunkte dieser Gedenktage waren unter anderem 2012, als eine Menschenkette, bestehend aus Schülern, um das ehemalige Konzentrationslager gebildet wurde, so Klaus Petersen. Im Jahr 2017 fand außerdem die Holocaust-Gedenkveranstaltung des Landtags in Hersbruck statt.

    3.500 Menschen starben im KZ-Außenlager Hersbruck

    Das Konzentrationslager in Hersbruck wird als Außenlager des KZ Flossenbürg bezeichnet. Nach Flossenbürg und Dachau war es jedoch das drittgrößte Konzentrationslager in Süddeutschland. Es wurde von August 1944 bis April 1945 betrieben und war für 2.000 Häftlinge gedacht, so der Verein der Gedenkstätte. Im März 1945 seien dort aber 6.500 Menschen untergebracht gewesen. 3.500 Personen kamen in dieser Zeit ums Leben. Die KZ-Häftlinge sollten die sogenannten Doggerstollen, eine unterirdische Stollenanlage im Berg Houbirg bei Happurg ausschachten. Diese sollte als Rüstungsfabrik dienen. Erst im vergangenen Jahr wurde der Gedenkstein durch Tafeln der US Army und zu Opfern des Konzentrationslagers in Hersbruck ergänzt.

    Mehr als eine Million Menschen starben in Auschwitz

    Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erinnert seit 2005 jährlich am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit. Alleine in diesem KZ wurden mehr als eine Million Männer, Frauen und Kinder in Gaskammern getötet, erschossen oder durch Zwangsarbeit und Hunger in den Tod getrieben. Die meisten der Opfer waren Juden. Auch 80.000 nicht-jüdische Polen, 25.000 Sinti und Roma sowie 20.000 sowjetische Soldaten wurden in dem Lager von den Nationalsozialisten getötet.

    Deutsche Besatzer benannten polnischen Ort um

    Der Bau des Lagerkomplexes begann 1940 im südpolnischen Oświęcim. Der rund 60 Kilometer westlich von Krakau gelegene Ort war während des Zweiten Weltkriegs von den Deutschen besetzt und in Auschwitz umbenannt worden. In den folgenden Jahren wurde das Areal ausgebaut und bestand schließlich aus dem Stammlager Auschwitz I, dem Vernichtungslager Auschwitz II-Birkenau, dem Arbeitslager Auschwitz III-Monowitz sowie rund 40 Nebenlagern. Der Lagerkomplex, über dessen Eingangstor der zynische Spruch "Arbeit macht frei" angebracht wurde, nahm eine zentrale Rolle in der von den Nazis vorangetriebenen "Endlösung der Judenfrage" ein.

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