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Bildrechte: BR/Björn Möller

Der Bayerische Landtag hat am "DenkOrt Deportationen" in Würzburg an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Hintergrund dieses Gedenktages ist die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 76 Jahren.

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Holocaust-Gedenktag am neuen Mahnmal in Würzburg

Der Bayerische Landtag hat am "DenkOrt Deportationen" in Würzburg an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Hintergrund dieses Gedenktages ist die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 76 Jahren.

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Von
  • Carolin Hasenauer
  • Pirmin Breninek

"In jeder Generation müssen wir neu anfangen, dem Erinnern eine positive Kraft zu geben. Es kann kein Ende der Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus, mit dem Holocaust geben", sagte Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) in ihrer Rede. In Würzburg wurde, 76 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, den Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Wegen der Corona-Pandemie fand das Gedenken unter freiem Himmel und in kleinerem Rahmen als gewöhnlich statt.

Josef Schuster verweist auf Bedeutung von Gedenkorten

An der Gedenkfeier nahm auch Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, teil. Er erinnerte in seiner Ansprache auch an die Geschichte seiner eigenen Familie. "Deutschland kann vor seiner Vergangenheit nicht davonlaufen", sagte Schuster. "Das schulden wir allen Opfern der Shoah, das schulde ich meinen Großeltern mütterlicherseits, die in Ausschwitz ermordet wurden." Weiter verwies er auf die Bedeutung von Gedenkorten, wie dem am Würzburger Hauptbahnhof. "Ich halte Mahnmale, wie den DenkOrt, an dem wir uns hier befinden, für sehr wichtig." Gerade über Lokalgeschichte seien Menschen erreichbar, abstrakte Fakten seien dadurch greifbar.

Verschiedene Redner und Kranzniederlegung

Neben Aigner und Schuster sprach auch Karl Freller, Direktor der Stiftung Gedenkstätten. In seiner Ansprache stellte er mehrfach aktuelle Bezüge her, "weil wir dieses Jahr wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr herausgefordert wurden, unsere Demokratie zu verteidigen". Freller übte scharfe Kritik an Corona-Leugnern, die die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, mit der Shoah vergleichen. Gemeinsam mit Landtagspräsidentin Aigner und Gedenkstätten-Direktor Freller legte Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU) zum Ende der Veranstaltung Kränze nieder. Die frühere Landtagspräsidentin Barbara Stamm sprach das Friedensgebet.

Musikalische Begleitung von Schülerinnen und Schülern

Am Gedenkakt wirkte auch die Gustav-Walle-Mittelschule in Würzburg mit. Musikalisch Begleitung gab es außerdem von einem Bläserduo des Matthias-Grünewald-Gymnasiums in Würzburg und einem Bläserquartett der Musikhochschule Würzburg mit Werken von Willem de Fesch und Nicholas Rimsky-Korsakov.

Erinnerung an die Abtransporte in Konzentrationslager

Der "DenkOrt Deportationen" erinnert an die Abtransporte unterfränkischer Jüdinnen und Juden in die Konzentrationslager. Erst im vergangenen Juni wurde der DenkOrt eröffnet. Knapp 50 Rucksäcke, Koffer und Decken stehen dort. Die symbolischen Gepäckstücke erinnern an das Schicksal von mehr als 2.000 Jüdinnen und Juden in Unterfranken, die zwischen 1941 und 1944 von Würzburg aus in Vernichtungslager transportiert worden sind. Langfristig soll die Installation 109 Gepäckstücke umfassen. Von jedem Gegenstand gibt es eine Kopie. Diese stehen in den jeweiligen Gemeinden, aus denen Juden vom NS-Staat deportiert wurden.

Die Veranstaltung wurde live im BR Fernsehen und im BR24Livestream übertragen.

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