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Bayerns Gesundheitsminister sieht den DFB in der Pflicht, bei der EM die Maskenpflicht im Münchner Stadion durchzusetzen. "Wir müssen auch das Spiel gegen die Pandemie gewinnen", sagte Holetschek dem BR. Dafür müsse alles Notwendige getan werden.

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Fans missachten Maskenpflicht: Holetschek erhöht Druck auf DFB

Der DFB sei in der Pflicht, bei der EM die Maskenpflicht im Stadion durchzusetzen, betont Bayerns Gesundheitsminister Holetschek im BR. Ansonsten glaube er nicht, dass der Profifußball bald wieder regelmäßig vor vielen Zuschauern stattfinde.

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Von
  • Florian Regensburger
  • Günther Rehm

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) fordert vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein entschiedeneres Vorgehen bei der Durchsetzung der Maskenpflicht bei den EM-Spielen im Münchner Stadion. "Wir müssen auch das Spiel gegen die Pandemie gewinnen und konsequent alle Maßnahmen ergreifen, die dazu notwendig sind", sagte er dem BR.

Bei Scheitern des Modellversuchs EM wohl keine Zuschauer mehr

Holetschek hat den DFB nun aufgefordert, plausibel darzulegen, wie dieser beim Spiel am Mittwoch gegen Ungarn die Masken-Regeln durchsetzen wolle. In der Pflicht, die Maskenpflicht durchzusetzen, stehe der DFB. Wenn der Modellversuch bei der EM schiefgehe, sehe er auch schwarz, dass der Profifußball insgesamt bald wieder regelmäßig "vor vielen Zuschauern spielen" könne, so Holetschek weiter. Die EM-Spiele in München gelten auch als Testlauf für weitere Großveranstaltungen in Bayern.

Anlass der Kritik des Ministers war das EM-Vorrundenspiel der deutschen Nationalmannschaft am Samstag gegen Portugal in München, bei dem zahlreiche Fans die Maskenpflicht im Stadion ignoriert hatten. Im Kampf gegen das Coronavirus müssen Besucher laut den Corona-Auflagen während der ganzen Zeit im Münchner Stadion eine FFP2-Maske tragen.

Stadt München nimmt DFB in Schutz

Auch die Stadt München wird wegen der Missachtung der Maskenpflicht bei den EM-Spielen in der Arena noch einmal mit dem verantwortlichen DFB sprechen. Das kündigte Beatrix Zurek, die Leiterin des Gesundheitsreferats, im Gespräch mit dem BR an.

Allerdings nahm sie den DFB auch in Schutz. Man müsse konstatieren, dass der DFB – als Reaktion auf die Kritik nach dem ersten Spiel gegen Frankreich am vergangenen Montag – "sehr, sehr viel" getan habe. "Es waren in jedem Block Ordner, die durchgegangen sind. Es ist während des Spiels auf der Leinwand angezeigt worden, dass man die Maske tragen sollte. Die Ordner hatten sogar Bilder, dass selbst derjenige, der nicht der portugiesischen oder deutschen oder englischen Sprache mächtig war, das erkennen konnte."

Doch das Problem sei auch gestern beim Spiel gegen Portugal da gewesen: "Der Ordner ging vorbei, die Maske wurde draufgetan, und dann wieder weggenommen, als der Ordner, die Ordnerin nicht mehr da war. Es ist wirklich eine schwierige Geschichte."

Hoffen auf die Vernunft der Fans

Zurek könnte sich vorstellen, dass die beiden Kapitäne vor dem Spiel an die Fans appellierten und sinngemäß sagten: "Liebe Leute, bitte setzt die Masken auf. Das dient Eurem Schutz und nicht Eurer Gängelung." Möglicherweise könne das etwas bewirken. Die Frage bleibe jedoch, wie man bei einem Verstoß durchgreife: "Letztendlich müsste man einzelne Fans entfernen. Aber das tut ja dem Spiel und der Atmosphäre im Stadion auch nicht gut. Und deshalb ist es durchaus schwierig. Man muss hier an die Menschen appellieren", so Zurek.

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Nach dem Sieg der deutschen Fußball-Elf gibt es Kritik am Verhalten tausender Fans in der Münchner Arena. Bayerns Gesundheitsminister Holetschek betonte, er finde es fahrlässig, dass schon wieder viele die Maskenpflicht im Stadion ignoriert hätten.

Kommen strengere Public-Viewing-Vorschriften?

Auch beim Public Viewing hielten sich längst nicht alle Menschen im Freudentaumel an die Abstandsregeln und sonstige Anti-Corona-Maßnahmen. Stattdessen lagen sich nach den Toren der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Fans in den Armen und waren dicht an dicht gedrängt, wie Reporter berichteten. In vielen Biergärten und vor Kneipen wurde die Vorrunden-Begegnung der Nationalmannschaft übertragen. Schon am Nachmittag hatte die Polizei von vielen vollen Gaststätten berichtet.

So voll, dass das bayerische Gesundheitsministerium nun möglicherweise strengere Corona-Vorschriften prüfen will. "Das Gesundheitsministerium wird am Montag mit der Stadt München beraten, inwieweit die Vorgaben für das Public Viewing weiter verschärft werden können", sagte ein Ministeriumssprecher am Sonntag. Grundsätzlich liege es in der Verantwortung der Betreiber, dafür zu sorgen, dass die Biergärten nicht überfüllt sind, hieß es.

Spontane Siegesfeiern

Doch nicht nur in den Biergärten wurde gefeiert. Kurz nach Abpfiff zogen Fans singend und grölend in die Münchner Innenstadt, vereinzelt hupten Autos. Große Autokorsos mit zahlreichen Teilnehmern, wie man sie von vergangenen Fußballturnieren kennt, blieben zwar aus, doch kam es hier und da zu spontanen Siegesfeiern auf Straßen und Plätzen sowie in Parks.

Dabei wurde es zuweilen so voll, dass die Polizei in der Nacht einige Straßen räumen musste. "Zum Teil wurden auch dort sehr viele alkoholische Getränke konsumiert und einige Personen zeigten auch dadurch ein deutlich enthemmtes Verhalten", teilte das Polizeipräsidium München am Sonntag mit. Die meisten hätten sich aber kooperativ verhalten.

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