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Holetschek: Der Mann für heikle Aufgaben | BR24

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Klaus Holetschek (CSU), neuer bayerischer Gesundheitsminister

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    Holetschek: Der Mann für heikle Aufgaben

    Der künftige Gesundheitsminister Klaus Holetschek ist Markus Söders Allzweckwaffe. Diese Rolle hat er sich hart erarbeitet. Ein Porträt über den neuen Mann im Kabinett.

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    Von
    • Achim Wendler

    Dass ihn heikle Aufgaben nicht schrecken, hat Klaus Holetschek schon bewiesen. Vor 17 Jahren kam die irakische Fußball-Nationalmannschaft nach Bad Wörishofen, um zu trainieren. Es war nach Kriegsende die erste Auslandsreise einer traumatisierten Mannschaft, das internationale Interesse war groß, eingebunden werden mussten Sicherheitsbehörden, Amerikaner, Bundesnachrichtendienst – kurz, kein normaler Job für Bürgermeister Klaus Holetschek.

    Nicht nur beim Fußball ein Erfolgsmann

    Aber schon damals, im Sommer 2003, verknüpfte der CSU-Mann geschickt die politischen Ebenen miteinander, das Kommunale mit dem Nationalen bis hin zum Internationalen. Der dreiwöchige Besuch der Iraker wurde ein Erfolg. Die Mannschaft besiegte im Freundschaftsspiel sogar Unterhaching mit 4:1.

    Geholfen hat Holetschek, geboren 1964 in Landshut, seine bundespolitische Erfahrung: Um die Jahrtausendwende saß er ein paar Jahre im Bundestag. Dass man nicht viel von ihm hörte, lag nicht nur an ihm: Es war die erste Legislaturperiode unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD), die Union in der Opposition, schwere Zeiten für Neue, sich zu profilieren.

    Von der Kommunalpolitik in die Landtagspolitik

    2002, noch vor der Bundestagswahl, bot sich die Gelegenheit, in die Kommunalpolitik zu wechseln. Holetschek kandidierte als Bürgermeister in Bad Wörishofen, gewann und legte sein Bundestagsmandat nieder. "Ich wollte mehr bei der Familie sein" sagt er heute. Die beiden Kinder sind inzwischen erwachsen.

    2013 kam die dritte Ebene dazu, die landespolitische. Holetschek zog in den Landtag ein. Er wurde zu einem der führenden Gesundheitspolitiker der CSU-Fraktion. Seine Erfahrungen aus Rathaus und Bundestag halfen ihm. "Er guckt über den Tellerrand", heißt es anerkennend sogar in der Opposition.

    Nebenher erarbeitete sich Holetschek einen Ruf als verbindlicher, uneitler Politiker. "Er ist kein schlechter Mann", sagt eine Kollegin, die ihn gut kennt. Viel mehr Lob kann man nicht erwarten von einer Oppositionspolitikerin. Trotzdem legt sie später nach: "Er ist ein guter Mann!"

    Wie sehr die eigene Fraktion ihn schätzt, zeigte sich vor einem Jahr: Bei der Klausur in Seeon gab Markus Söder bekannt, wie sein Kabinett besetzt wird, nach dem Abschied von Hans Reichhart. Nur ein einziger Name habe Beifall ausgelöst, erinnern sich Teilnehmer der Sitzung: der des neuen Staatssekretärs im Bauministerium, Klaus Holetschek.

    Holetschek: Der Koordinator

    Für Söder wurde Holetschek zur Allzweckwaffe. Nach wenigen Monaten wechselte er ins Gesundheitsministerium. Wirkte dort still und effektiv als Corona-Koordinator. Kritik erregte er mit seiner Offenheit für alternative Medizin. Lange war Holetschek Präsident des Kneipp-Bundes, im vergangenen Herbst stellte er im Gesundheitsministerium ein Homöopathie-Referat vor. In einem patientenorientierten Gesundheitswesen müssten wissenschaftliche und Naturmedizin "gleichberechtigt" sein. Auf Vorhaltungen antwortete der CSU-Politiker ausweichend: "Die Menschen wenden es an". Der bayerische Gesundheitsminister – ein Lobbyist der Homöopathen? So weit wollen Oppositionspolitiker nicht gehen. Aber man müsse Holetschek "auf die Finger schauen".

    Seine nächste heikle Aufgabe steht sofort an: Ob die Impfstrategie in Bayern ein Erfolg wird, liegt maßgeblich an Holetschek. Noch ist zwar der verfügbare Impfstoff der limitierende Faktor, eine Sache des Bundes. Aber sobald genug Dosen verfügbar sind, muss die Staatsregierung genug Kapazitäten aufbieten, um das Vakzin zu verabreichen.

    Derzeit können täglich 38.000 Menschen geimpft werden. Zu wenige, um in diesem Jahr Herdenimmunität zu erreichen, geschweige denn bis zum Sommer. Holetschek sucht bereits nach kreativen Lösungen. Gerade hat er mit der Bahn gesprochen, über "Impfbusse", die durchs Land fahren könnten.

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