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Hoher Göll: Schneefelder erhöhen Unfallgefahr für Bergsteiger | BR24

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Auf der Schusterroute am Hohen Göll ist ein Bergsteiger aus dem Raum Fürth tödlich verunglückt. Für die Rettungskräfte war es der dritte Einsatz auf dem Steig innerhalb von vier Tagen. Einsatzleiter Stephan Bauhofer von der Bergwacht Berchtesgaden:

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Hoher Göll: Schneefelder erhöhen Unfallgefahr für Bergsteiger

Am Hohen Göll in den Berchtesgadener Alpen sind die Rettungskräfte in den vergangenen vier Tagen dreimal zu Einsätzen gerufen worden. Stets waren Bergsteiger auf der Schusterroute in Not. Schneefelder erhöhen derzeit die Unfallgefahr.

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Im Tal ist alles grün. Und auch die Sonnenseiten der Berge in den Berchtesgadener Alpen sind schneefrei. Aber das ist trügerisch, denn auf der Schattenseite liegt noch Schnee. Auch auf der Schusterroute die an der Nordostseite des Hohen Göll zum rund 2.500 Meter hohen Gipfel führt.

Schneefelder bedecken die Schusterroute teilweise

Der Verlauf des Steigs, der gut 950 Höhenmeter überwindet, ist teilweise nicht zu erkennen, weil er unter Schneefeldern liegt. Für Bergsteiger heißt das: Sie müssen den Steig finden – und sie müssen die Schneefelder überqueren.

Sicher ins Tal

Ein Paar aus München kapitulierte am Pfingstsamstag an einem Schneefeld in rund 2.000 Meter Höhe. Am Pfingstsonntag passierte ein Mann aus Franken beim Aufstieg fast die gleiche Stelle, doch dann zog Nebel auf, sodass er umkehren musste. Beim Abstieg traute er sich nicht mehr über das Schneefeld. In beiden Fällen brachte die Berchtesgadener Bergwacht, unterstützt von einem Rettungshubschrauber, die Bergsteiger wohlbehalten ins Tal.

Absturz über felsiges Gelände

Ein Bergsteiger aus dem Raum Fürth verunglückte dagegen am Dienstag tödlich. Der 57-Jährige war ebenfalls auf der Schusterroute unterwegs, stürzte jedoch 80 Meter über felsiges Gelände in den Tod.

"Große Herausforderung" an den Bergsteiger

"Die Schusterroute stellt eine große Herausforderung an den Bergsteiger dar", sagt Einsatzleiter Stephan Bauhofer von der Bergwacht Berchtesgaden. Es brauche Erfahrung und Können, um den Steig sicher gehen zu können. Das Gelände sei steil, teilweise auch brüchig, der Steig nur an manchen Stellen mit Stahlseilen gesichert.

Haben sich die Bergsteiger vielleicht überschätzt? Diese Frage sei für die Bergwacht nicht relevant, sagt Bauhofer. "Warum der Unfall passiert ist oder warum es zu einem Einsatz kommt, das beurteilen wir nicht. Für uns ist die Aufgabe zu helfen."

Bergwacht rät: Sich vorab über Verhältnisse am Berg informieren

Allerdings rät er allen, sich vorab über die Verhältnisse am Berg zu informieren – zum Beispiel telefonisch bei der alpinen Auskunft der Alpenvereinssektion Berchtesgaden. Bei der Tourenplanung sollten das eigene Können und die Kondition realistisch eingeschätzt werden. "Nicht gleich mit der längsten Route auf den höchsten Berg starten, sondern sich Schritt für Schritt herantasten."

Umkehren ist keine Schande

Bei Problemen auf der Tour gebe es nur eine vernünftige Devise: Rechtzeitig umkehren! "Das ist keine Schande", sagt Bauhofer, "das passiert dem besten Alpinisten oder Kletterer. Dann muss man halt wiederkommen." Das sei alles besser, als wenn man einen Unfall hat und gerettet werden muss.

Krankenkassen zahlen nur bei Unfall oder Krankheit

Bei einem Unfall oder wenn man am Berg krank wird und deshalb nicht weiter kann, übernehmen die Krankenkassen die Kosten. In allen anderen Fällen muss man selbst zahlen – maximal 2.500 Euro am Tag. Wobei die Kosten für einen Helikopter-Einsatz extra gehen. Das können bis zu 90 Euro pro Flugminute sein. Je nach Vertrag springen private Unfallversicherungen ein. Bei den alpinen Vereinen ist eine solche Bergekostenversicherung im Mitgliedsbeitrag enthalten.

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