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Hohe Mieten in Kronach: Politiker fordern Rücksicht wegen Corona | BR24

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Die Balkone dürfen derzeit nicht benutzt, die Mieten für die Wohnungen in Kronach sollen aber dennoch erhöht werden.

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Hohe Mieten in Kronach: Politiker fordern Rücksicht wegen Corona

Weil Menschen wegen Corona weniger Geld verdienen, soll eine geplante Mieterhöhung in Kronach verschoben werden. Während der Vermieter "gesetzeskonform" handele, verweist die Bürgermeisterin darauf, dass die Balkone derzeit gesperrt sind.

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Als Besitzer mehrerer Wohnungen in Kronach hat das Unternehmen Union Investment zum 1. Oktober eine Mieterhöhung in 184 Fällen angekündigt. Dagegen formiert sich Widerstand. Sabine Gross, Justiziarin des Mietvereins in Kronach und SPD-Stadträtin, nannte die Erhöhung bei einem Ortstermin im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk unsozial und nicht gerechtfertigt. Sie fordert, die Mieterhöhung um ein Jahr nach hinten zu verschieben. In Zeiten von Corona würden viele Menschen weniger verdienen.

Politik will Mieterhöhungen erschweren

Ein Investor wie Union Investment könne darauf locker Rücksicht nehmen, so Gross. Zudem riet sie Mietern, die Erhöhungen prüfen zu lassen. Unabhängig von Corona-Zeiten und geringerem Einkommen seien die Mieten nach einer Erhöhung um 15 Prozent nicht mehr ortsüblich. Außerdem forderte sie eine gesetzliche Regelung, die Mieterhöhungen erschwere. Als Unterstützung war auch die Bayreuther SPD-Bundestagsabgeordnete Anette Kramme in Kronach dabei.

Vermieter: Bisher wenig Mieterhöhungen

Von der Deutschen Asset One GmbH, die die Verwaltung der Objekte im Besitz der Union Investment in Kronach leitet, heißt es auf BR-Anfrage: Seit der Übernahme der Wohnungen Anfang 2018 habe man bis auf wenige Ausnahmen keine Mieterhöhungen in Kronach ausgesprochen. Man habe sich in diesem Jahr für eine moderate Erhöhung der Mieten entschieden, die gesetzeskonform sei.

Mieter müssen bis zu 30 Euro mehr zahlen

Man erhöhe die Miete nur um bis zu 15 Prozent, statt der zulässigen 20 Prozent. Maximal müssten Mieter 30 Euro pro Monat mehr bezahlen, so Asset One Pressesprecher Ulrich Nagel. Außerdem prüfe man in jedem Einzelfall die Verträglichkeit einer Mieterhöhung. Man nehme kontinuierlich Verbesserungen im Baubestand vor und investiere aktuell eine Million Euro in die Sanierung von 30 Wohnungen.

Verschiebung wegen gesperrter Balkone?

Kronachs Erste Bürgermeisterin, Angela Hofmann (CSU), wies im Gespräch mit dem BR einerseits auf die freiwillige Beschränkung der Erhöhungen seitens des Vermieters hin. Auf der anderen Seite habe sie Verständnis für die Bewohner, für die eine Erhöhung der Miete um 30 Euro pro Monat viel Geld sei. In manchen Wohnungen sind seit dem Frühjahr die Balkone aus Sicherheitsgründen gesperrt. Dazu sagte Hofmann, man hätte die Erhöhungen solange verschieben können, bis die Balkone wieder nutzbar seien.

Stadt Kronach verkaufte die Wohnungen

Die Stadt Kronach sei jetzt in Sachen geförderter Wohnungsbau gefordert, und dieses Thema gehe man auch an. Bis 2012 waren die Wohnungen in kommunaler Hand, danach wurden sie privatisiert, und die Stadt behielt einen geringen Teil der Anteile. Seit 2018 sind die Wohnungen nun komplett privat. Man habe sich damals dazu schweren Herzens durchringen müssen, da die Stadt die notwendigen Investitionskosten nicht stemmen konnte, so Hofmann.

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