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Hof: Stadtrat stimmt für umstrittenes Neubaugebiet | BR24

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Wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zum Naherholungsgebiet Bismarckturm formiert sich seit Wochen Widerstand gegen das Projekt. Am Montagabend hat es der Hofer Stadtrat mit großer Mehrheit gebilligt.

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Hof: Stadtrat stimmt für umstrittenes Neubaugebiet

Ein Neubaugebiet erhitzt in Hof die Gemüter. Wegen der unmittelbaren Nachbarschaft zum Naherholungsgebiet Bismarckturm formiert sich seit Wochen Widerstand gegen das Projekt. Am Montagabend hat es der Hofer Stadtrat mit großer Mehrheit gebilligt.

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Mit großer Mehrheit hat sich der Hofer Stadtrat am Montagabend (21.10.19) für die Ausweisung eines mindestens 55 Parzellen großen Neubaugebiets im Westen der Stadt ausgesprochen. Bei der Abstimmung gab es nur zwei Gegenstimmen, hieß es aus dem Hofer Stadtrat. Die Argumente für das knapp sechs Hektar große Areal im Westen der Stadt seien größer als die Naturschutzbedenken.

Für das Baugebiet spreche, dass Wohnungen für junge Familien dringend notwendig seien und zudem seit 25 Jahren in Hof kein Neubaugebiet ausgewiesen wurde. Die Nachfrage nach den geplanten Grundstücken sei größer als die Anzahl der vorgesehenen Bauplätze. Seit Wochen erhitzte das Thema die Gemüter in Hof.

Eingriff in das Naherholungsgebiet Bismarckturm

Ein Bündnis aus Gegnern soll mittlerweile 500 Personen zählen. Sie sagen, das geplante Neubaugebiet am Rosenbühl sei aus ökologischer Sicht ein "Wahnsinn". Es handele sich um einen viel zu großen Eingriff in das Naherholungsgebiet am Bismarckturm. Die Kritiker werfen der Stadt unter anderem vor, dass eine Kleingartenanlage sowie ein uralter Baumbestand weichen müssten. Auch das Klima in der Innenstadt werde unter dem Projekt leiden. "Es handelt sich um eine der wichtigsten Frischluftschneisen der Stadt", sagt Wolfgang Degelmann, Geschäftsführer der Kreisgruppe Hof beim Bund Naturschutz, auf Nachfrage des BR.

Gegner fürchten über 100 neue Häuser

Auch von Flächenfraß und unnötiger Versiegelung ist die Rede. Die Kritiker befürchten zudem, dass der Grundwasserspiegel sinke. Und die Gegner fürchten, dass es bei den geplanten 55 Parzellen nicht bleibt. Weil das Gebiet auch die Bebauung von Flächen vorsehe, die sich derzeit noch gar nicht im Besitz der Stadt befänden, rechnen sie auf kurz oder lang mit bis zu 100 neuen Häusern.

© BR/Annerose Zuber

In unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Naherholungsgebiet ist in Hof ein Neubaugebiet geplant. Dagegen regt sich Widerstand.

Über 100 Baulücken gibt es in Hof

Die Stadt solle sich besser dafür einsetzen, Leerstände in der Innenstadt wiederzubeleben, sagen die Neubaugegner daher. Naturschützer Wolfgang Degelmann weist auf über 100 Baulücken in Hof hin, die die Stadt auf ihrer Internetseite aufführe, aber ansonsten kaum bewerbe. Dagegen halten die Befürworter des Neubaugebietes im Hofer Stadtrat den Gedanken für utopisch, dass sich künftig mehr Familien für ein Sanierungsobjekt in der Innenstadt entscheiden. Das zeigten die Erfahrungen der vergangenen Jahre.

Bund Naturschutz: Der Trend geht weg vom Einfamilienhaus

Die Stadt betont außerdem, dass ein großzügiger Grünstreifen zum Naherholungsgebiet Bismarckturm eingeplant sei. Weiter heißt es, dass im "Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept" der Stadt gefordert werde, dass sich die Verwaltung um neue Wohnungen kümmere. So solle die Abwanderung der Bevölkerung in das Umland aufgehalten werden. Die Stadt nehme andernfalls immer weniger Steuern ein, trage aber weiter die Kosten, unter anderem für Theater, Kindergärten und Freiheitshalle.

Aus Sicht der Verwaltung ist auch die Größe des geplanten Neubaugebietes gerechtfertigt. Die Anzahl der Bauinteressenten übersteige bereits jetzt die Zahl der geplanten Bauplätze. Weltweit gehe der Trend längst weg vom Einfamilienhaus und hin zu kleineren Wohnmodellen, sagt Naturschützer Degelmann. Die Stadt Hof sei dabei, diesen Trend zu verschlafen.