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Hof benennt Straße nach Holocaust-Überlebendem - AfD dagegen | BR24

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Nahe des Jüdischen Friedhofs in Hof verläuft die künftige Wolf-Weil-Straße.

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Hof benennt Straße nach Holocaust-Überlebendem - AfD dagegen

Die Stadt Hof benennt eine Straße nahe des Jüdischen Friedhofs nach dem Holocaust-Überlebenden Wolf Weil. Dies beschloss die große Mehrheit des Hofer Stadtrates. Nur zwei AfD-Stadträte waren dagegen.

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In Hof wird eine Straße nach Wolf Weil benannt, dem Holocaust-Überlebenden und langjährigen Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Hof. Das hat der Hofer Stadtrat am späten Dienstagabend mit großer Mehrheit beschlossen. Nur die beiden AfD-Stadträte stimmten dagegen. Von den Anliegern gebe es überwiegend positive Resonanz, teilte die Stadtverwaltung mit.

Wolf-Weil-Straße nahe des Jüdischen Friedhofs in Hof

Ab 1. Januar soll die bisherige "Hohe Straße" in der Nähe des Jüdischen Friedhofs am Hofer Stadtrand "Wolf-Weil-Straße" heißen. Mit der Umbenennung würdigt die Stadt Hof das vielfältige und langjährige Engagement Weils.

Weil überlebte durch Schindler den Holocaust

Geboren 1912 in Krakau, hatte er unter anderem mit Hilfe des Unternehmers Oskar Schindler den Holocaust überlebt und kam 1945 zufällig nach Hof. Hier war der angesehene Geschäftsmann bis zu seinem Tod 1988 über 40 Jahre erster Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde. Unter anderem kümmerte er sich darum, dass über 100 ermordete NS-Opfer nach dem Krieg in Hof bestattet wurden. Sie waren auf den Todesmärschen verschiedener Konzentrationslager durch die Region Hof bei Kriegsende umgebracht und in den Wäldern verscharrt worden.

Weil mehrfach ausgezeichnet

Wolf Weil wurde für sein Wirken mehrfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Bayerischen Verdienstorden und der Goldenen Bürgermedaille der Stadt Hof. Die Straßen-Benennung hatte der Linken-Stadtrat Thomas Etzel und die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) angeregt. Ihr ursprünglicher Vorschlag für eine Wolf-Weil-Straße in der Nähe der ehemaligen Hofer Synagoge fand im Frühjahr keine Mehrheit.

Der jüdische Jurist Fischel Arnheim der erster Ehrenbürger Hofs

Nun verläuft die künftige "Wolf-Weil-Straße" in der Nähe des Jüdischen Friedhofs – parallel zur "Dr. Arnheim-Straße". Diese wurde bereits 1991 nach Fischel Arnheim benannt. Der jüdische Jurist aus Bayreuth wurde 1849 für den Wahlkreis Hof-Münchberg in den ersten bayerischen Landtag gewählt. Er setzte sich unter anderem für das allgemeine Wahlrecht, die Pressefreiheit und die Bahnstrecke Hof-Eger ein, die wichtig war für die Versorgung der aufblühenden Hofer Textilfirmen mit Braunkohle aus Böhmen. Arnheim wurde 1863 als erster Ehrenbürger der Stadt Hof ausgezeichnet.

© Stadt Hof

Lageplan: Hier verläuft die künftige Wolf-Weil-Straße.

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