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Hörsaal trifft Kuhstall: Professor und Landwirt in einer Person | BR24

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Professor und Landwirt zugleich - für Wolfgang Aumer kein Problem. Im Gegenteil: Der Gang nach dem Hörsaal in den Kuhstall bringt für den 42-Jährigen klar Vorteile mit sich. Unter anderem spart er sich damit Yoga. Ein Portrait.

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Hörsaal trifft Kuhstall: Professor und Landwirt in einer Person

Professor und Landwirt zugleich - für Wolfgang Aumer kein Problem. Im Gegenteil: Der Gang nach dem Hörsaal in den Kuhstall bringt für den 42-Jährigen klare Vorteile mit sich. Unter anderem spart er sich damit Yoga. Ein Portrait.

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Wolfgang Aumer ist schlank, trägt eine randlose Brille und ist Professor für mechatronische Systeme. Seit 1. Januar leitet er den Technologiecampus Cham. Und Wolfgang Aumer ist Landwirt. Für viele Menschen ist dies kaum vorstellbar, Professor und Landwirt gleichzeitig zu sein - fragt man sie nach ihrer Einschätzung, hört man alles von "schwierig", über "gewöhnungsbedürftig" bis hin zu "definitiv nicht".

Ein Professor als Hofnachfolger

Für Aumer geht das jedoch ganz selbstverständlich zusammen. Im Kuhstall stehen zwölf Milchkühe, die er jeden Tag füttert und die alle einen Namen haben: "Man kennt ja die Tiere, man hat jeden Tag eine Verbindung mit ihnen", erklärt er. Der Kuhstall steht in Rettenbach, eine halbe Stunde von Cham entfernt, und gehört den Eltern Monika und Josef Aumer, beide über 70 Jahre alt, und noch eifrig am Mitarbeiten im Stall. Dass der Wolfgang Hofnachfolger wird, das sei schon immer klar gewesen, sagt Monika Aumer. Auch der Vater sieht das durchaus positiv - sein Sohn brauche das schließlich, um sich zu entspannen.

Professor und Landwirt zugleich

Auf den Traktor steigt Aumer abends oder am Wochenende. Er baut auf 20 Hektar Wiesen- und Getreidefeldern das Futter für seine Kühe selbst an. 100.000 Liter Milch im Jahr werden an eine Regensburger Molkerei geliefert. Manchmal werde es allerdings stressig, vor allem zu Beginn des Semesters:

"Beispielsweise, wenn im März das Semester losgeht, dann steht auch die Frühjahrsbestellung an und im Herbst die nächste Wintersaat. Da kollidiert es ein bisschen." Professor und Landwirt Wolfgang Aumer

Täglich steht Aumer um fünf Uhr morgens auf, um die Stallarbeit zu verrichten. Dann: duschen, Hörsaal, abends wieder Stallarbeit. Erst danach setzt er sich an den Computer, wenn noch etwas für eine Vorlesung vorzubereiten ist.

© BR/Renate Roßberger

Jeden Morgen steht Wolfgang Aumer um fünf Uhr auf, um vor dem Hörsaal noch seine Kühe im Kuhstall versorgen zu können.

Tiere erden einen Menschen

Aumer mag seinen Alltag, der eben auch manchmal Stress mit sich bringt. Doch der Professor sieht für sich klare Vorteile, wenn er abends in seine Rolle als Landwirt schlüpfen kann:

"Unterbeschäftigt ist man eigentlich nie als Professor, aber durch die Landwirtschaft wird man bodenständig. Wenn Sie die Tiere anschauen, die strahlen Ruhe aus. Und wenn ich abends in den Stall gehen darf, das erdet wieder." Professor und Landwirt Wolfgang Aumer

Die Liebe zur Wissenschaft

Vielleicht wäre Aumer Bauer geworden, aber als er mit der Realschule fertig war, stand es jahrelang schlecht um die Landwirtschaft. Die Eltern wollten ohnehin, dass alle vier Kinder eigene Berufe lernen - und Wolfgang war klug: Studierte nach der Elektronikerlehre und der Berufsoberschule Elektrotechnik, war dann zwölf Jahre in Dresden als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Agrartechnik. Er liebt nicht nur seine Kühe und den Hof, sondern auch seinen Professorenjob.

"Da hat man als Professor die Möglichkeit, an vorderster Front zu forschen. Das ist spannend. Da ist man so frei, dass man selber Akzente setzen kann und in Themengebieten forschen - Technik eben." Professor und Landwirt Wolfgang Aumer
© BR/Renate Roßberger

Aumer hat neben seinen Kühen noch eine andere Leidenschaft: Das Forschen. Er ist Professor und Leiter des Technologiecampus in Cham.

Die Arbeit im Kuhstall als Alternative zum Yoga

Wahrscheinlich muss sich der 42-Jährige erst entscheiden, wohin die Reise geht, wenn die Eltern nicht mehr mitarbeiten können. Seine Lebensgefährtin, eine Ärztin aus der Oberpfalz, akzeptiere ihn auch mit Kuhstall, erzählt Aumer.

"Wir wollen ja wieder in den Hof herziehen, sie ist teilweise auch mit dabei. Du brauchst die Landwirtschaft, sagt sie immer. Du wärst ein anderer Mensch, du wärst vielleicht nicht so ausgeglichen, nicht so liebevoll." Professor und Landwirt Wolfgang Aumer