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Um junge Bäume vor Tieren zu schützen, werden diese häufig mit Plastikhüllen versehen, die dann im Wald zurückbleiben. Zwei Entwickler wollen das nun ändern. Sie haben eine Baumschutzhülle aus Holzplanken entwickelt.

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Hölzerne Baumschutzhüllen gegen Plastikmüll im Wald

Um junge Bäume vor Tieren zu schützen, werden diese häufig mit Plastikhüllen versehen, die dann im Wald zurückbleiben. Zwei Entwickler aus dem Landkreis Ansbach wollen das nun ändern. Sie haben eine Baumschutzhülle aus Holzplanken entwickelt.

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Von
  • Laura Grun

Überall dort, wo im Wald neue, junge Bäume angepflanzt werden, sind auch die Wildtiere nicht weit. Denn gerade für Rehe sind die zarten Pflänzchen und Triebe eine Delikatesse. Deswegen werden sie vor dem sogenannten "Wildverbiss" mit Plastikhüllen geschützt. Davon bleibt jedoch viel im Wald zurück.

Plastik im Wald: Belastung für die Natur

Für Entwickler Alfred Meyerhuber und seinen Projektpartner Hans Walther ein absolutes Unding. Man wüsste schließlich nicht, was es bedeute, wenn tonnenweise Plastik im Wald verbleibt und zu Mikroplastik wird. Es wandere in den Boden und werde von Tieren und Pflanzen aufgenommen, sagt Meyerhuber.

"Wir haben ein riesiges Langzeitproblem damit und wir müssen so schnell wie möglich damit aufhören, dieses Plastik weiterhin im Wald auszubringen und vor allen Dingen es dort zu belassen." Alfred Meyerhuber, Geschäftsführer Walthmeyer GmbH.

Nachhaltig: alternative Baumschutzhüllen aus Holz

Alfred Meyerhuber hat gemeinsam mit Hans Walther eine Firma gegründet, um eine Alternative zu den herkömmlichen Baumschutzhüllen zu entwickeln. Entstanden ist die Idee in der Werkstatt von Hans Walther. Schon längst könnte sich der 70-Jährige zur Ruhe setzen, seine Pension genießen. Doch den Diplom-Agraringenieur treibt das Thema Nachhaltigkeit an. Für ihre Alternative sind vier Bretter aus heimischem Holz, Jutebänder und Metallklammern nötig, mehr nicht. Auf Plastik oder Klebstoffe verzichten sie, nach eigenen Angaben, vollständig. Die Baumschutzhülle könne im Wald verbleiben, sie verrotte komplett rückstandsfrei, sagt Walther überzeugt.

Zusammenarbeit mit Universitäten und Praxistests

Mehrere tausend Stück sind in der Garage in Fladengreuth im Landkreis Ansbach schon entstanden. Noch sind die Maschinen, die für die Herstellung notwendig sind, Marke Eigenbau. Sobald die letzten Gutachten zur Verrottung der Baumschutzhüllen und zum Lichteinfall vorliegen, könne aber im größeren Stil produziert werden. Gemeinsam mit Universitäten, Hochschulen und den Bayerischen Staatsforsten arbeiten die beiden Männer an der Weiterentwicklung.

Baumschutzhüllen: Entsorgung macht Probleme

Jahrelang hat Hans Walther selbst die Plastikhüllen zum Schutz seiner eigenen Jungpflanzen in seinem rund 160 Hektar großen Wald verwendet. Sie funktionieren gut, aber das Problem entstehe dann, wenn sie nach fünf bis sechs Jahren ihren Dienst erfüllt haben, erklärt Walther. Dann müssen sie per Gesetz wieder aus dem Wald entfernt werden. Doch gerade die Entsorgung sei mühsam. Mit den Jahren verwachsen die Bäume und Büsche im Wald fast vollständig mit dem Plastik, so Walther weiter.

Zehn Millionen Plastikhüllen in Deutschland pro Jahr

Bundesweit werden nach Angaben der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg am Neckar in Baden-Württemberg künftig jährlich mehr als zehn Millionen Plastikhüllen in Deutschlands Wäldern verbaut werden. Nach deren Einschätzung blieben in Privatwäldern rund 80 Prozent davon zurück. In staatlichen Wäldern circa die Hälfte.

"Das sind zusammengerechnet jedes Jahr tausende von Tonnen Plastik, die im Wald verbleiben und den Wald vermüllen, so wie wir unsere Weltmeere vermüllt haben." Alfred Meyerhuber, Geschäftsführer Walthmeyer GmbH.

Ob ihre Idee allen Untersuchungen und Praxistests standhält, wird sich in den kommenden Monaten und Jahren zeigen. Dann wäre die hölzerne Baumschutzhülle in Zukunft kein Exot mehr im heimischen Wald.

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