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Naturschützer wie der Geschäftsführer des Bund Naturschutz in Hof, Wolfgang Degelmann, fordern, die stillgelegte Bahnstrecke durch das Höllental mittels eines Tunnels zu reaktivieren. (Symbolbild)

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Höllentalbahn: Naturschützer wollen vier Kilometer langen Tunnel

Mit Hilfe eines vier Kilometer langen Tunnels soll die frühere Bahnlinie durch das Naturschutzgebiet Höllental reaktiviert werden. Das fordern Naturschützer. Gerade die Befürworter einer Reaktivierung der Strecke sehen die Tunnelpläne aber skeptisch.

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Von
  • Annerose Zuber
  • Lorenz Storch

Die Diskussion um die Reaktivierung der Höllental-Bahn im Frankenwald nimmt weiter Fahrt auf. Der Bund Naturschutz Hof hat jetzt einen Tunnel als Lösung vorgeschlagen. Somit könnte der Güterverkehr auf die Schiene verlagert werden und gleichzeitig bliebe das Naturschutz-Gebiet Höllental unangetastet, erklärt Wolfgang Degelmann, der Geschäftsführer der Kreisgruppe Hof beim Bund Naturschutz auf BR-Anfrage.

Höllentalbahn: Kostenschätzungen liegen weit auseinander

Allerdings stößt diese Idee auf wenig Begeisterung beim Verein "Verkehrsinitiative Höllennetz", der sich seit rund 20 Jahren für die Reaktivierung der Höllental-Bahn stark macht. Während die Naturschützer davon ausgehen, dass ein rund vier Kilometer langer Eisenbahn-Tunnel etwa 30 bis 40 Millionen Euro kosten wird, rechnet Höllennetz-Sprecher Fritz Sell mit Kosten in Höhe von rund 100 Millionen Euro. Außerdem seien viele Fragen ungeklärt, sagt Sell. So setze ein Tunnel zum Beispiel auch eine komplette Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke voraus.

300 Lastwagen täglich liefern Holz aus Tschechien

Diese rund sechs Kilometer Strecke wurde mit der deutschen Teilung nach Kriegsende stillgelegt. Damit wurde auch die direkte Bahnverbindung zwischen Tschechien, dem Frankenwald und dem benachbarten Thüringen gekappt. Dies bedeutet zum Beispiel, dass die Holzlieferungen aus Tschechien für die Papierfabrik in Blankenstein auf bis zu 300 Lastwagen täglich durch die Region rollen. Die Gleise auf der Strecke sind abgebaut, die Trassenführung samt Dämmen und Tunnels aber noch erhalten.

Tunnel im Höllental soll visualisiert werden

Der Hofer Stadtrat hatte sich vergangene Woche in einer nicht-öffentlichen Video-Konferenz bei Gegnern und Befürwortern der Reaktivierung informiert. Hofs Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD) sagte dem Bayerischen Rundfunk danach: "Es gibt noch keine Tendenz in eine Richtung." Die Stadträte verlangten demnach weitere Informationen, vor allem eine Visualisierung, wie die reaktivierte Strecke im beliebten Naherholungsgebiet Höllental aussehen würde.

Experten: "Strecke von europäischem Gewicht"

In einer Reaktivierungsliste des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Allianz Pro Schiene wird die Höllentalbahn als "dringliches Projekt" der "Kategorie I" geführt, das ohne großen Aufwand zu realisieren sei. Für das Projekt spreche außerdem, dass eine Steigerung des Personenverkehrs auf der wieder belebten Strecke zu erwarten sei und sie für den Tourismus Bedeutung habe. In der Fortsetzung über Hof ins tschechische Eger habe die Strecke sogar europäisches Gewicht.

Verkehrsministerium: Kein Bedarf zur Reaktivierung der Strecke

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) macht sich seit Jahren für die Reaktivierung der Bahnlinie stark. Die Marktgemeinde Bad Steben hat sich gegen die Reaktivierung ausgesprochen. Das bayerische Verkehrsministerium verfolgt Strecken-Wiederbelebungen grundsätzlich nur, wenn die betroffenen Kommunen zustimmen oder sie sogar fordern. Im Ministerium sieht man daher derzeit weder für den Personen- noch für den Güterverkehr einen Bedarf zur Reaktivierung der Strecke.

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