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Der Bund Naturschutz hat sich gegen eine Reaktivierung der Höllentalbahn ausgesprochen. Das Vorhaben würde die schützenswerten Areale des Höllentals nachhaltig schädigen.

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Höllentalbahn: Naturschützer gegen Reaktivierung der Trasse

Soll die Trasse der Höllentalbahn reaktiviert werden, kommt eine Tunnellösung oder soll eine alternative Streckenführung gefunden werden? Das Thema ist umstritten, der Bund Naturschutz hat sich jetzt aber gegen eine Reaktivierung ausgesprochen.

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Von
  • Markus Feulner

Die Kreisgruppe Hof des Bund Naturschutz in Bayern (BN) spricht sich gegen eine Reaktivierung der Höllentalbahn auf der alten Trasse aus. Bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag im ehemaligen Bahnhof Blechschmidtenhammer betonte Kreisvorsitzender Ulrich Scharfenberg, dass der Artenschutz Vorrang habe.

BN: Reaktivierung schadet dem Naturschutzgebiet

Das Höllental sei mit 140 Hektar Fläche das größte Naturschutzgebiet im Landkreis Hof und mache 40 Prozent der schützenswerten Fläche im Kreis aus. Eine Reaktivierung der Höllentalbahn würde diese Flächen nachhaltig schädigen.

Gleichzeitig befürwortet der Bund Naturschutz eine Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene. Für das Höllental würde das bedeuten, dass über Alternativen nachgedacht werden sollte, sofern der Bedarf für die Eisenbahntrasse vorhanden wäre. BN Kreisgeschäftsführer Wolfgang Degelmann brachte wieder die Tunnellösung oder eine Umfahrung des Höllentals ins Spiel. Ein Tunnel zwischen dem Thüringischen Blankenstein und dem oberfränkischen Ort Hölle hätte eine Länge von knapp drei Kilometern. Die Baukosten lägen, so Degelmann, bei etwa 37 Millionen Euro. Die Reaktivierung der alten Trasse durch das Höllental würde zwischen 20 und 25 Millionen Euro kosten.

BUND zeigt sich offen für alternative Streckenführung

Die Naturschützer wollen sich einer weiteren Diskussion über eine alternative Streckenführung anstelle des Höllentals nicht verschließen. Die Entscheidung der Hofer Kreisgruppe findet auch Zustimmung beim Landesverband des Bund Naturschutz. Man habe sich, betonte Degelmann, dort rückversichert. Der Zielkonflikt zwischen Naturschutz und Umweltschutz, zwischen FFH-Gebiet und der Verlagerung von Verkehr auf die Schiene sei allen Beteiligten klar, unterstrich Kreisvorsitzender Thomas Scharfenberg.

Strecke der Höllentalbahn seit 1971 stillgelegt

Die Höllentalbahn verbindet das Thüringische Blankenstein mit dem Oberfränkischen Marxgrün. Die Strecke wurde im Rahmen der Deutschen Teilung 1945 durchtrennt und ist auf bayerischer Seite seit 1971 stillgelegt. Die Reaktivierung der knapp sechs Kilometer langen, weitgehend auf bayerischen Gebiet verlaufenden Trasse ist umstritten. Befürworter halten sie als kurze Verbindung zwischen Bayern und Thüringen für notwendig – sowohl für den Güter- als auch den Personenverkehr.

Reaktivierung der Strecke könnte 300 Lkw pro Tag sparen

Oberfranken und Südostthüringen könnten vom Lkw-Lieferverkehr für die Blankensteiner Zellstoffabrik entlastet werden – etwa 300 Lkw am Tag könnten so eingespart werden. Zudem setzt sich der Freistaat Thüringen für die Reaktivierung ein und hat ein erstes Umweltverträglichkeitsgutachten erstellen lassen, das zur Zeit im Erfurter Umweltministerium liegt.

Auch der Verband der Verkehrsbetriebe (VDV) und die Allianz pro Schiene haben die Reaktivierung der Höllentalbahn zu einem von zehn bundesweiten vordringlichen Projekten erklärt.

Bayerische Staatsregierung sieht keinen Handlungsbedarf

Auf bayerischer Seite werden die Aktivitäten rund um die Reaktivierung der Höllentalbahn von der Initiative "Höllennetz" gebündelt, der auch die Städte Bad Lobenstein und Hof beigetreten sind. Dagegen sieht die Bayerische Staatsregierung keinen Handlungsbedarf, da die Fahrgastzahlen mit prognostiziert weniger als 1000 Personen am Tag gegen eine Wiederinbetriebnahme spräche. Auch das im März gegründete Bündnis Höllental ist gegen die Bahnlinie und hat eine Petition für den Bayerischen Landtag gestartet.

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