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"Hölle an der Grenze": Unmut in Tschechien über Testpflicht | BR24

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Am Montag war der erste Arbeitstag, an dem Berufspendler aus Tschechien bei der Einreise nach Bayern einen aktuellen Corona-Test vorlegen mussten. Bei den Bettroffenen führten die Wartezeiten an der Grenze zu einiger Frustration.

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"Hölle an der Grenze": Unmut in Tschechien über Testpflicht

Staus an der Grenze und Wartezeiten vor den Testzentren: In Tschechien wächst der Unmut über die verschärfte Corona-Testpflicht für Pendler. Regierungschef Babis konnte bei Bayerns Ministerpräsident Söder allerdings keine Erleichterung erreichen.

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Von
  • Petr Jerabek

Die Überschriften klangen zum Teil dramatisch: "Auto-Schlangen blockieren Übergänge nach Bayern", "Pendler warten in langen Schlangen auf Tests", "Die Hölle an der Grenze zu Deutschland". Am Montagvormittag fehlte in kaum einem aktuellen tschechischen Medium ein Bericht über die langen Wartezeiten für Pendler an der Grenze zu Bayern.

Zwar rückte das Thema am Nachmittag wegen des Wirbels um Corona-Verstöße von Spitzenpolitikern bei einer geheimen Party in einem Luxushotel etwas in den Hintergrund - der Unmut in Tschechien über die Testpflicht für Grenzgänger aber bleibt.

Nach Angaben einer Sprecherin der tschechischen Polizei stauten sich die Autos vor dem Grenzübergang Folmova-Furth im Wald auf einer Länge von bis zu drei Kilometern. Vor der Teststation hätten Pendler Schlange gestanden. Viele betroffene Tschechen äußerten sich verärgert. "Es ist furchtbar", zitierte eine Zeitung eine Frau, die nach eigenen Angaben mehr als drei Stunden an der Grenze verbrachte. "Das geht nicht! (...) Mit fehlen die Worte, um das zu kommentieren."

"Das ist gesundheitsgefährdend"

In den bayerischen Landkreisen entlang der Grenze arbeiten Tausende Tschechen, allein im Landkreis Cham sind es rund 4.500. Nachdem die Bundesregierung das Nachbarland zum Corona-Hochrisikogebiet erklärt hatte, gelten für die Berufspendler verschärfte Regeln. Tägliche Grenzgänger müssen in Bayern bei der Einreise alle 48 Stunden einen neuen negativen Corona-Test vorlegen, in Sachsen zweimal die Woche.

Zuzana Vnitrová, Präsidentin der Vereinigung der Pendler in der Tschechischen Republik, sagte einer tschechischen Zeitung, die Verpflichtung zu einem Test alle 48 Stunden lasse sich nur schwer erfüllen. "Ideal wäre die gleiche Verordnung, die Sachsen erlassen hat - Tests zweimal die Woche."

Dass Pendler am Grenzübergang Philippsreut bis zu zwei Stunden in der Kälte auf einen Corona-Test warten mussten, kritisierte Vnitrová als gesundheitsgefährdend. "Das kann nicht gut enden. Wir haben Meldungen mehrerer positiv getesteter Pendler, also kann Covid-19 sich in solchen Schlangen leicht verbreiten." Und den negativ Getesteten drohe angesichts eisiger Temperaturen wiederum eine Grippe.

Schon am Sonntag hatte Chef der Verwaltungsregion Karlsbad, Petr Kulhánek, im Tschechischen Fernsehen gewarnt, die neuen Regeln seien "enorme Belastung für das Testsystem, das wir gegenwärtig haben".

Telefonat mit Premier Babis: Söder bleibt bei seiner Linie

Der tschechische Premier Andrej Babis wollte sich vor diesem Hintergrund beim bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) für Erleichterungen einsetzen. Erfolg hatte er bei einem Telefonat keinen: Ein bayerischer Regierungssprecher sprach zwar von einem "konstruktiven Austausch". Söder habe aber zum Ausdruck gebracht, dass der Freistaat auf der Testpflicht bei der Einreise nach Bayern bestehe. Gleichwohl sei man zuversichtlich, dass sich die Lage an der Grenze normalisiere, betonte der Sprecher.

Babis zeigte sich enttäuscht: Er habe Söder gesagt, dass sich die Corona-Lage in Tschechien leicht bessere und habe ihn darum gebeten, den Pendlern ihre Lage zu erleichtern - mit einer ähnlichen Regelung wie in Sachsen. "Er will jetzt nicht nachgeben", twitterte Babis. Söder habe aber versprochen, Bayerns Vorgaben zu überprüfen, wenn sich die Situation bessere. Daher habe er den bayerischen Ministerpräsidenten gebeten, zumindest die Test-Kapazitäten zu stärken, schilderte Babis. "Wir bleiben im Kontakt."

Verärgerung bei Unternehmen

Bayerische Unternehmen in der Grenzregion beklagten derweil die Zustände und forderten eine schnellere Abwicklung an der Grenze. Buslinien seien ausgefallen, weil Busfahrer nicht rechtzeitig zur Arbeit erscheinen konnten. Handwerker auf Baustellen hätten gefehlt. Produktionen konnten nicht anlaufen, weil die Teams nicht vollständig waren, da die Arbeitnehmer noch im Stau oder in der Warteschlange an der Teststation standen.

Testkapazitäten in Bayern werden ausgeweitet

Laut Polizeiinspektion Zwiesel waren die Parkplätze am Grenzübergang in Bayerisch Eisenstein zeitweise völlig überfüllt. Am Montagmorgen seien die Autoschlangen eine "Bewährungsprobe" gewesen, teilte das Landratsamt Cham mit. Der Chamer Landrat Franz Löffler (CSU) nannte den Start der Teststationen in seinem Landkreis trotzdem "durchaus gelungen" - angesichts der kurzen Vorbereitungszeit. Man werde aber die Abläufe nach den heutigen Erfahrungen optimieren. Von fast 900 Schnelltests fielen am Ende zwei positiv aus.

Um für eine Entspannung der Lage zu sorgen, sollen auf deutscher Seite die Testkapazitäten ausgeweitet werden. So sollen an den Grenzübergängen Furth im Wald und Waldmünchen (Lkr. Cham) zwei weitere Teststraßen hinzukommen, wie das Landratsamt mitteilte. Auch die Öffnungszeiten sollen verlängert werden. Der Landkreis Regen kündigte an, an den bestehenden Teststationen in Regen und Viechtach die Testkapazitäten zu erhöhen. Außerdem solle die Teststation im Grenzort Bayerisch Eisenstein, die es ursprünglich nur heute geben sollte, weiterhin an zwei Tagen in der Woche Schnelltests anbieten. Für die Corona-Teststation in Schirnding hat der Landkreis Wunsiedel die Kapazitäten schon verdoppelt.

(Mit Material von dpa)

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Wegen der jetzt geltenden Einreisebeschränkungen und der damit verbundenen Testprlicht für Grenzpendler herrsche großer Ärger. Das sagte der BR-Reporter Andreas Wenleder der Rundschau.

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