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Bildrechte: pa/dpa/zema/Markus Zechbauer

Die Menschen in einigen Teilen Südbayerns haben bange Nachtstunden hinter sich. Heftige Regenfälle ließen Bäche und Flüsse über die Ufer treten. Sie rissen in einigen Orten Autos, Straßen und Gebäude mit sich fort. Ein Mensch kam uns Leben.

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Hochwasserlage in Bayern bleibt angespannt

Nach der Flutkatastrophe stehen viele Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz – in Nordrhein-Westfalen, in Rheinland-Pfalz, aber auch in Bayern. Die Lage im Freistaat bleibt weiter angespannt.

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Von
  • Petra Zimmermann

Gerade noch hatten die Menschen im Landkreis Berchtesgadener Land bestürzt auf die Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands geblickt. Nun sind sie über Nacht selbst zu Opfern geworden. Auch in Bayern haben heftige Regenmengen zu immensen Schäden geführt - und noch immer ist die Gefahr nicht gebannt. Laut Deutschem Wetterdienst kann es bis Montagabend weiterhin zu Starkregen und Sturzfluten kommen.

Katastrophenfall im Berchtesgadener Land

Am Wochenende trafen die Wassermassen vor allem die Urlaubsregion um den Königssee im Berchtesgadener Land. Dort galt am Sonntag der Katastrophenfall, nachdem sintflutartige Regenfälle im Süden des Landkreises den Ache über die Ufer treten und Hänge abrutschen ließen. Häuser drohten einzustürzen, Straßen wurden überflutet und Keller liefen voll. Der Landkreis rief den Katastrophenfall aus. Der örtliche Einsatzleiter Anton Brandner sprach am Sonntag von dramatischen Szenen: "Fahrzeuge auf den Straßen wurden zum Spielball der Wassermassen."

Es sei selbst für die Kräfte vor Ort unvorstellbar, was die Unwetter im Süden des Landkreises angerichtet hätten, sagte Landrat Bernhard Kern (CSU), als er am Sonntagmorgen Bilanz zog. "Wir schauen auf die Pfalz, wir schauen auf NRW", sagte er. Und plötzliche merke man, wie schnell man selbst zum Betroffenen werden kann. "Die Realität hat uns eingeholt."

Mehr als 130 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Zwei Menschen starben - einer davon an einer natürlichen Ursache, die aber auch mit dem Hochwasser in Zusammenhang stehe könne, erläuterte Kern. Der Bahnverkehr zwischen Bad Reichenhall und Berchtesgaden wurde komplett eingestellt. Die bekannte Bob- und Rodelbahn am Königssee wurde durch das schwere Unwetter zerstört. Rund 900 Hilfskräfte waren in Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im Einsatz. Hunderte Male mussten sie bisher ausrücken.

Mehrere Bahnstrecken wurden auch in anderen Teilen von Oberbayern gesperrt, Straßen sind blockiert. Der Schaden lässt sich nach Angaben von Kern noch nicht abschätzen. Dieser gehe aber in die Millionen, sagte er. Viele Schulen und Kindertageseinrichtungen in den Gemeinden des südlichen Landkreises Berchtesgadener Land bleiben am Montag geschlossen.

Überflutungen in Passau

In Niederbayern stiegen derweil in Passau die Pegelstände von Donau und Inn. Hier wurde mit der höchsten Hochwasserwarnstufe gerechnet. Uferpromenade und Parkplätze wurden überflutet. Die Polizei schleppte Autos ab, die die Besitzer trotz Hochwasserwarnungen nicht umgeparkt hatten. Anwohner brachten Hochwassersperren an ihren Grundstücken an. Straßen wurden gesperrt. Die Donau überstieg inzwischen die Marke von acht Metern.

Weitere extreme Sturzfluten drohen noch bis Montagabend

Die Hochwasserlage im Süden und Osten Bayerns bleibt bis in den Montag hinein angespannt. Zwar sollten sich die Niederschläge vielerorts bis in die frühen Abendstunden abschwächen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonntagnachmittag mitteilte. In den betroffenen Regionen sei aber lokal noch mit weiterem Starkregen zu rechnen. Extreme Sturzfluten seien nicht ausgeschlossen.

Besonders in Passau sollten die Wasserstände dem DWD zufolge weiter steigen. Die maximalen Werte würden für die Nacht erwartet. Es könne knapp die höchste Meldestufe vier erreicht werden, derzeit bestehe Stufe drei. Es könnte damit größere Überschwemmungen in bebauten Gebieten geben.

Diesen Wert erreichten auch Flüsse in anderen Regionen wie in Oberbayern die Salzach im Raum Burghausen (Landkreis Altötting) und die Loisach bei Eschenlohe im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Es drohten auch in München an der Isar und im Landkreis Altötting Überschwemmungen.

Söder verspricht schnelle Hilfen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sicherte den vom Hochwasser betroffenen Menschen Hilfe und Unterstützung zu. "Wir lassen da niemanden allein, ganz sicher nicht", sagte er bei einem Besuch mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) in Schönau am Königssee. Unabhängig von in Aussicht gestellten Hilfen des Bundes werde man auch in Bayern überlegen, wie man helfen könne.

Mehr als 150 Todesopfer bundesweit

Bisher sind bei einer der schwersten Hochwasserkatastrophen der deutschen Nachkriegsgeschichte bundesweit deutlich mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen. Vier Tage nach dem Unwetter dauerten die Bergungsarbeiten in den überschwemmten Ortschaften in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen am Sonntag an. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich bei einem Besuch im rheinland-pfälzischen Katastrophengebiet erschüttert. "Es ist erschreckend. Ich will fast sagen, die deutsche Sprache kennt kaum Worte für die Verwüstung, die angerichtet ist", sagte Merkel nach einem Rundgang durch das weitgehend zerstörte Dorf Schuld im Ahrtal. Es herrsche eine "surreale, gespenstische Situation".

Die Kanzlerin versprach den Betroffenen sowohl rasche als auch langfristige Hilfen. Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz sprach von Milliardensummen. Von Hochwassern sind auch Regionen in Bayern und Sachsen betroffen.

Allein in Rheinland-Pfalz zählten die Behörden bis Sonntag mindestens 112 Menschen, die bei den Überschwemmungen ums Leben kamen. Hubschrauber flogen unverändert Dauereinsätze, um in Ahrweiler Menschen von Dächern zu retten. In Nordrhein-Westfalen starben mindestens 46 Menschen, in Bayern sprachen die Behörden am Sonntag von mindestens einem Todesopfer. Weil viele Menschen auch am Sonntag noch vermisst wurden, wurden jedoch weitere Opfer befürchtet.

Auch Österreich und Belgien betroffen

Das Unwetter mit Starkregen hatte ab Mittwochabend zunächst Westdeutschland sowie Teile der Niederlande und Belgiens getroffen. In Belgien starben 27 Menschen. Am Wochenende traf es auch Sachsen, Oberbayern sowie Österreich. Dort durchströmte den Ort Hallein eine Sturzflut. An Flüssen in der Region um Salzburg sowie in Westtirol verzeichneten die Behörden Pegelstände wie zuletzt vor 30 Jahren. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz kündigte Hilfe an: "Wir werden die Betroffenen nicht alleine lassen und sie beim Wiederaufbau unterstützen", twitterte er.

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