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Bildrechte: Marius Becker/dpa

In NRW und Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Todesopfer in den Hochwasser-Regionen auf mindestens 135 gestiegen. In Nordrhein-Westfalen mussten Rettungskräfte hunderte Menschen in Sicherheit bringen, weil ein Damm gebrochen war.

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Hochwasser im Westen Deutschlands – Fränkische Retter im Einsatz

Erst standen Teile Ober- und Mittelfrankens unter Wasser, jetzt hat das Hochwasser den Westen Deutschlands erreicht - mit katastrophalen Folgen. Helfer aus der Region sind vor Ort, um zu helfen. Viele weitere sind in Alarmbereitschaft.

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Von
  • Annerose Zuber
  • Birgitt Rosshirt
  • Oliver Tubenauer
  • BR24 Redaktion

Die Bilder aus den Hochwasser-Gebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind erschreckend. Sie zeigen eingestürzte Häuser und Menschen, die sich auf Bäume und Dächer retten, um den Wassermassen zu entkommen. Von einem Jahrhunderthochwasser ist die Rede. Um die regionalen Einsatzkräfte bei der Bewältigung der Naturkatastrophe zu unterstützen, sind auch zahlreiche Helfer aus Franken und Nordbayern gekommen.

Verschiedene THW-Truppen im Einsatz in NRW

Denn sollte es in den kommenden Tagen im Alpenraum zu Unwettern und Starkregen kommen, müsse das THW im Süden gewappnet sein und genügend Kräfte vor Ort haben. Klar sei, dass das THW Bayern so viele Einsatzkräfte wie möglich nach NRW schickt. Auch Material, etwa Pumpen zur Bewältigung der Wassermassen und Aggregate für die Stromversorgung sind im Moment auf dem Weg in die Katastrophengebiete. Vor allem für die Wiederherstellung der Stromversorgung war aus NRW Hilfe angefordert worden.

Die THW-Mitglieder der Kreisverbände Baiersdorf und Schwabach haben sich am Freitagabend auf den Weg zur Steinbachtalsperre in der Nähe von Euskirchen gemacht. Die Fachgruppe Elektroversorgung wird sich unter anderem darum kümmern, dass die Hilfseinsätze gesichert sind und die Stromversorgung hergestellt wird. Dies sei unter anderem auch wichtig, denn nur mit Strom können auch die Pumpen laufen.

In den Überschwemmungsgebieten in Nordrhein-Westfalen sind zuvor bereits seit Freitagvormittag die ersten Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) aus Ober- und Mittelfranken im Einsatz gewesen. 13 ehrenamtliche Männer und Frauen aus Kronach, zwölf aus Erlangen und acht aus Naila im Landkreis Hof sollen dabei helfen, die Steinbachtalsperre bei Euskirchen abzusichern und das Wasser dort abzupumpen. Sie gehören der Fachgruppe "Wasserschaden/Pumpen" an.

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Bildrechte: Uschi Schmidt

BR24-Reporterin Uschi Schmidt berichtet aus Leverkusen von der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands

700 Menschen in der Nacht evakuiert

Im Landkreis Heinsberg in Nordrein-Westfalen, mussten in der Nacht auf Samstag 700 Menschen evakuiert werden, da ein Damm des Eifelflusses Ruhr gebrochen war. In Erftstadt-Blessem ist unterdessen die Bundeswehr eingetroffen und versucht mit Räumpanzern die Trümmer von einer Bundesstraße zu bekommen. Zwölf Meter hoch stand hier das Wasser.

Für Michael Neubauer, vom THW Lohr am Main ist Anspannung bei den Einsätzen immer dabei, das gehöre für ihn zum Job.

"Wenn die Pumpen laufen und wenn die Leute kommen und sich bei uns bedanken, das hilft uns unheimlich und das zaubert uns ein Strahlen ins Gesicht, wenn die Leute kommen und sagen super das ihr da seid, dass ihr helfen konntet und wir tun wirklich alles was wir können." Michael Neubauer, THW Lohr am Main

Bundespräsident Steinmeier vor Ort

Am Mittag machten sich NRW Ministerpräsident Laschet und Bundespräsident Steinmeier ein Bild der Lage.

"Die Unterstützungsbereitschaft, sie muss anhalten, im Großen wie im Kleinen. Und jeder kann etwas tun, Sie alle wissen: Spendenkonnten sind eingerichtet worden. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, dass ein wenig die Not der Menschen hier in den betroffenen Gebieten gelindert wird." Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundespräsident.

THW im Einsatz: Staudamm droht einzustürzen

Auch wenn der Pegel an der Steinbachtalsperre inzwischen gesunken sei, gelte die Lage dort weiter als kritisch. Der Staudamm der Talsperre sei durch tiefe Furchen gezeichnet und drohe einzustürzen, heißt es. Mehrere tausend Anwohner seien bereits evakuiert worden. Die ober- und mittelfränkischen THW-Kräfte hätten sich noch in der vergangenen Nacht auf den Weg gemacht. Sie seien mit Großfahrzeugen aufgebrochen und unter anderem mit der sogenannten "Hannibal-Pumpe" ausgestattet, die pro Minute 5.000 Liter Wasser fördern kann.

Noch kurz vor dem Ausrücken hatten die Hilfskräfte zuhause gegen das Hochwasser gekämpft. Der Einsatz in Nordrhein-Westfalen sei zunächst bis zum kommenden Sonntag befristet.

Auch aus Unterfranken heißt es, das Bayerische Innenministerium habe mehr als 30 Einsatzkräfte angefordert, nachdem Nordrhein-Westfalen um Hilfe gebeten hatte. Mit dabei seien unter anderem Tauchtrupps und Bootstrupps mit Rettungsbooten.

Weitere Spezialisten von BRK und THW stehen bereit

Zusätzlich stünden Spezialisten für die Elektroversorgung und Baufachberatung bereit. Sie können zum Beispiel die Standfestigkeit von Häusern abklären, so Evelyn Moise, Einsatzleiterin der THW-Regionalstelle Hof, auf Anfrage von BR24.

Zudem sei die Fachgruppe "Räumen" in Voralarm versetzt worden. Die endgültige Entscheidung über den Einsatz weiterer Helfer aus Oberfranken laufe in Absprache zwischen den THW-Landeszentralen Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Wasserretter aus Nürnberg in erhöhter Alarmbereitschaft

In erhöhte Alarmbereitschaft seien auch Einsatzkräfte des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) gesetzt worden. Konkret: drei Wasserrettungszüge mit je 35 Einsatzkräften, darunter auch ein Trupp aus Nürnberg. Wie Kreisgeschäftsführerin Brigitte Lischka auf Nachfrage von BR24 mitteilte, könnte ein Wasserrettungszug mit verschiedenen Spezial-Einsatzkräften bei Bedarf in den Hochwassergebieten unterstützen. Die Koordination obliege dem BRK in München. Dort sei ein Krisenstab eingerichtet worden.

Luftrettungs-Spezialisten ins Hochwassergebiet geflogen

Bereits am Donnerstag wurden zwei ehrenamtliche Luftrettungs-Spezialisten des BRK aus Nürnberg, sogenannte "Air Rescue Specialists" (ARS), in das Hochwassergebiet geflogen. Die Mitarbeiter hätten neben der Qualifikation als Wasserretter auch Flugerfahrung. Sie hingen an Hubschrauberseilen und retteten Menschen aus Hochwassergebieten zum Beispiel von Hausdächern. Die Polizei-Hubschrauberstaffel aus Roth habe die Spezialisten in das Hochwassergebiet geflogen. Sie seien inzwischen wieder zurück in Franken.

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Das Ausmaß der Unwetter-Katastrophe im Westen Deutschlands wird immer deutlicher.

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