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Der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose hatte jüngst eine Unterschriftenaktion unter Geistlichen gegen das Segnungsverbot homosexueller Paare gestartet. Er sieht im bisherigen Erfolg dieser Aktion eine neue Qualität des Widerstands gegen Rom.

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Hochschulpfarrer: "Dammbruch in der Kirche" nach Segnungsverbot

Der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose hatte jüngst eine Unterschriftenaktion unter Geistlichen gegen das Segnungsverbot homosexueller Paare gestartet. Er sieht im bisherigen Erfolg dieser Aktion eine neue Qualität des Widerstands gegen Rom.

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Von
  • BR24 Redaktion

Zusammen mit Pfarrer Bernd Mönkebüscher aus Hamm, der sich vor zwei Jahren öffentlich als homosexuell outete, hatte Hose vergangenen Montag eine Unterschriften-Aktion gegen das Segnungsverbot gestartet. Knapp 2.000 Menschen haben seinen Angaben zufolge bis zum Wochenende unterschrieben - die meisten von ihnen katholische Theologen, Priester, Ordensleute, Seelsorger, Pfarr- oder Gemeindereferenten.

Schutz vor dienstrechtlichen Konsequenzen

Im Interview im Rundschau Magazin des Bayerischen Rundfunks erklärte der Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose, man habe sich mit der Aktion bewusst an Seelsorgerinnen und Seelsorger gerichtet. Sie wollten mit der Menge an Unterschriften einen Schutz für diejenigen, die Segnungen vornehmen, herstellen: "Wir denken, es gibt immer noch die Gefahr, dass dienstrechtliche Konsequenzen drohen für diejenigen, die segnen. Je mehr Menschen sich zusammenschließen und sagen wir segnen trotzdem, desto mehr sind die Einzelnen auch geschützt", so Hose.

"Innerkirchlicher Dammbruch"

Der Widerstand gegen die Weisung aus Rom habe "eine neue Qualität", weil rund 2.000 Menschen im kirchlichen Dienst bereit seien, Segnungen vorzunehmen, obwohl das gegen die Anordnungen verstoße. "Es ist (…) innerkirchlich betrachtet ein Dammbruch, in dieser Art und Weise einen Widerstand zu organisieren", betonte Würzburgs Hochschulpfarrer. Mit einem Einlenken der Kurie rechnet er nicht.

"Ich glaube im Moment weniger an Reformen von oben. Wir haben es mit Äußerungen aus Rom zu tun, die einem immer bizarrer vorkommen. Da wird über Menschen gesprochen und ihre Sexualität, ihre Art zu lieben, Beziehungen zu leben. Sie werden abgewertet in einer Art und Weise, die weder humanwissenschaftlichen Erkenntnissen noch der neueren Theologie entspricht." Würzburgs Hochschulpfarrer Burkhard Hose

Veränderungen "selber in die Hand nehmen"

Hose sieht in der "abgehobene und in sich verschlossene" Haltung des Vatikans ein Problem für die katholische Kirche. Es entstehe ein immer größerer Spalt zwischen den Menschen, die vor Ort in den Gemeinden arbeiten und der römischen Kurie. "Ich glaube, das lässt sich nicht länger ertragen." Es gebe Theologinnen und Theologen, die meinen, es sei "an der Zeit, die Dinge selber in die Hand zu nehmen", weil die Kirche immer mehr die Botschaft Jesu und den Blick auf die Botschaft Jesu verstellte. Auch in anderen Fragen, wie der Gerechtigkeit für Frauen und der Aufklärung von Verbrechen in der Kirche sei eine Kontrolle der Macht nötig. Dies sei aber nur durch ein Umdenken zu erreichen, so der Würzburger Hochschulpfarrer.

Unterschriften sollen vor Ostern übergeben werden

Bis Palmsonntag werden die Unterschriften der Seelsorgerinnen und Seelsorger gesammelt, dann soll die Liste dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und der Vorsitzenden des Forums "Sexualität und Partnerschaft", Birgit Mock, übergeben werden. Ein genauer Termin für die Übergabe stehe noch nicht fest - am liebsten noch vor Ostern, so Hose.

Seit Jahren sorgt das Thema Homosexualität in der katholischen Kirche für rege Diskussionen. Am 15. März gab die vatikanische Glaubenskongregation in einer Stellungnahme bekannt: Jede Segnungsform, die eine gleichgeschlechtliche Partnerschaften anerkenne, sei unzulässig.

Auch Laien für die Segnung

Das Nein aus dem Vatikan zur Segnung homosexueller Paare stößt auch bei katholischen Laien im Bistum Würzburg auf Kritik. Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Würzburg stellte bei seiner digitalen Frühjahrsversammlung am Wochenende in einem mehrheitlich angenommenen Antrag fest: 

"Wir betonen: Liebe ist keine Sünde. Wo jemand um den Segen Gottes für seine*ihre Liebesbeziehung bittet, hat die Kirche nicht die Vollmacht, diesen Segen zu verweigern." Aus dem Antrag des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg

Zugleich riefen die Delegierten alle Bischöfe auf, sich für eine "längst überfällige Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre einzusetzen, um wissenschaftliche Erkenntnisse endlich wahr- und anzunehmen". Anstatt Leid zu verursachen, müsse die kirchliche Lehre Orientierung und Hilfe für ein gelingendes Leben bieten. "Als pilgerndes Volk Gottes sind wir gemeinsam unterwegs und es ist unsere Aufgabe, uns dabei gegenseitig zu stützen. Wo Paare um den Segen für ihre Liebe bitten, ist es unsere Aufgabe, ihnen diesen zuzusprechen", heißt es in dem Antrag.

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