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Hochschule Neu-Ulm: Klausuren trotz Corona-Lockdown | BR24

© dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Auch im Lockdown müssen Studenten zu Präsenzprüfungen an die Uni kommen.

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    Hochschule Neu-Ulm: Klausuren trotz Corona-Lockdown

    Auf Abstand gehen, um das Virus einzudämmen - den obersten Grundsatz der Pandemie scheinen gerade die Hochschulen nicht konsequent zu beherzigen. Viele Studierende sollen in den nächsten Tagen gemeinsam vor Ort Prüfungen schreiben.

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    Von
    • Peter Allgaier

    "Da kommen Leute aus verschiedensten Regionen zusammen, mit hohen Inzidenzwerten", sagt Sydney King. Die BWL-Studentin lernt seit Monaten weitgehend isoliert zuhause über das Internet und ärgert sich. Denn für die Prüfungen am Semesterende soll sie nun persönlich an der Hochschule erscheinen – trotz der Infektionsgefahr durch Corona.

    Hochschule setzt auf Hygiene-Konzept

    Die Hochschule Neu-Ulm hat eigentlich für die Prüfungen vorgesorgt. Alle Studierenden müssen eine Maske tragen, es gelten Abstandsregeln und eine App soll helfen, mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können, sagt Marcus Dingel, der Kanzler der Hochschule. Doch das Konzept überzeugt nur einen Teil der Lernenden. 60 Prozent lehnen laut einer Umfrage der Studierendenvertretung Präsenzprüfungen im Lockdown ab. Sie wünschen sich Online-Tests.

    Ansteckungsgefahr nicht nur in der Hochschule

    Die Ansteckungsgefahr bestehe nicht nur an der Hochschule, sagt Valentina Michels von der Studierendenvertretung: "Viele Studierende müssen mit der Bahn anreisen und wohnen dann während der Prüfungszeit wochenlang zusammen in Wohngemeinschaften. Auch da können sie sich natürlich anstecken."

    Was viele Studierende wundert - denn die Hochschule Neu-Ulm gilt eigentlich als Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Bayerns Wissenschaftsministerium hatte vergangenes Jahr außerdem eine eigene Rechtsverordnung vorgestellt, um Fernprüfungen juristisch sattelfest zu machen.

    Studierende haben Recht auf Präsenzprüfungen

    "Man hat bei Online-Prüfungen leider immer das Problem, dass Studierende über Soziale Netzwerke voneinander abschreiben können", sagt Kanzler Dingel. Vergangenes Jahr geriet die Hochschule in die Schlagzeilen, weil 35 Studierende bei einer Online-Prüfung bei einer Frage genau denselben Fehler gemacht hatten.

    Für Dozenten bedeuten zusätzliche Online-Prüfungen Mehrarbeit, weil sie die zusätzlich zum Präsenzexamen anbieten müssten, denn Studierende können nicht gezwungen werden, ihre Prüfungen online zu schreiben. Sie haben ein Recht auf Präsenzprüfungen.

    Hochschule Neu-Ulm ist kein Einzelfall

    Die Probleme mit den Prüfungen sind bayernweit ähnlich. In Augsburg setzt die Hochschule auf zwei Messezelte. Sie stehen im Innenhof des Campus, gut 90 Studierende finden im größeren Zelt mit etwa 700 Quadratmetern Platz. "Natürlich werden die Zelte im Winter beheizt", sagt Tobias Kolb von der Kommunikationsabteilung der Hochschule, die auch ein animiertes Video mit Verhaltensregeln erstellt hat. Studierende werden darin ermahnt, nach der Prüfung nicht zusammenzustehen, um sich nicht gegenseitig anzustecken.

    Schwachstellen: Technik und Datenschutz

    Ob die Präsenzvarianten schon bald durch Online-Prüfungen ersetzt werden können, ist fraglich. Denn was passiert, wenn die Technik streikt und das Internet nicht mehr funktioniert? Auch Fragen des Datenschutzes sind noch nicht restlos geklärt. Um Tricksereien zu verhindern, fordern Dozenten zunehmend den Einsatz einer Webcam, die dann natürlich den Studierenden, aber auch dessen Wohnung zeigt. Vier Jahre sollen Online-Prüfungen erprobt werden, danach will Bayerns Wissenschaftsministerium Resümee ziehen.

    Die Studierendenvertretung in Neu-Ulm blickt dagegen auf den kommenden Dienstag. Dann wird sich der Senat der Hochschule treffen, um über eine mögliche Ausweitung der Online-Prüfungen zu beraten. Eines steht dagegen schon vorab fest, versichert Julia Kormann, Vizepräsidentin der Hochschule: "Wer Angst wegen Corona hat, kann sich ohne Konsequenzen von einer Präsenzprüfung abmelden."

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