Niedrigwasser im Fluss

Bildrechte: BR
  • Artikel mit Video-Inhalten
>

Hitze und Niedrigwasser: Bayerns Fische im Stress

Hitze und Niedrigwasser: Bayerns Fische im Stress

Hitze und Trockenheit setzen den Fischen in Bayern immer mehr zu. Gewässer werden zu warm, die Tiere stehen unter Stress. Die Folge: Fischsterben. Das Landesamt für Umwelt hat Alarmpläne eingerichtet. Der Landesfischereiverband warnt.

Große Hitze und Trockenheit verursachen bei Fischen Stress. Vor allem lachsartige Fische wie Saibling, Huchen oder Forellen sind davon betroffen. Besonders zugespitzt ist die Situation an Main und Donau. Für diese Flüsse hat das Landesamt für Umwelt bereits Alarmpläne aufgestellt und sie werden intensiv überwacht.

Überall in Bayern leiden Gewässer unter Hitze und Trockenheit

Das Problem: Der Fisch ist ein wechselwarmes Tier. Er fährt seinen Stoffwechsel hoch, wenn es warm wird und braucht dann noch mehr Sauerstoff. Doch der wird auch knapper, je wärmer das Wasser ist. Für einige Fischarten wird es schon ab 21 Grad gefährlich. Ab 25 Grad sterben viele Huchen, Äschen oder Forellen sogar, sie kriegen dann zu wenig Sauerstoff. Deswegen suchen die Fische kühlere Orte, berichtet Johannes Schnell vom Bayerischen Landesfischereiverband.

Die Fische versuchten genau an die Stellen auszuweichen, wo noch genügend Sauerstoff da ist, damit sie sich auch in Ruhe und ungestört aufhalten können, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Ein Beispiel: die tiefen Gumpen in der Isar. So sollen Isarfischer derzeit nicht fischen, um die ohnehin unter Stress stehenden Fische nicht zusätzlich zu belasten.

Fische drohen in manchen Flüssen zu ersticken

Am Lech retten sich die seltenen Huchen in kühlere Seitengewässer und liegen dann apathisch im Wasser. An der Goldach in Schwindegg im Landkreis Mühldorf am Inn spitze sich die Situation aktuell zu, sagt Johannes Schnell. Hier ersticken die Fische fast, weil an einer Wasserkraftanlage so wenig Restwasser abgegeben wird. Es ist kein Abfluss mehr vorhanden. Es sei höchste Eisenbahn, warnt der zuständige Fischereiverein dort; das Kraftwerk dort müsse mehr Wasser einleiten.

Landesamt für Umwelt: Die Lage sei ernst, aber nicht dramatisch

Niedrige Pegelstände, warme Flüsse und Gewässer: Das ist mittlerweile ein bayernweiter Trend. Früher waren nur einzelne Regionen betroffen. Die gewässerökologische Lage sei ernst, aber nicht dramatisch, bestätigt Folker Fischer, Leiter des Gewässerkundlichen Dienstes des Bayerischen Landesamt für Umwelt. Die Gefahr sei erkannt. Für die Donau wurde im Bereich Regensburg bis Passau die Meldestufe "Warnung" ausgerufen. Eine weitere Warnung besteht für den Main im Bereich Würzburg bis Kahl.

Sauerstoff hineinpumpen, Beschattung an Gewässern

Um den Seen, Flüssen und Fischen zu helfen, sind folgende Maßnahmen möglich, so das Landesamt für Umwelt: Sauerstoff hineinpumpen durch Turbinenbelüftung an Wasserkraftwerken, auf Schlammräumung und sauerstoffzehrende Baggerarbeiten verzichten sowie die Beschattung von Gewässern fördern. In Oberfranken, Mittelfranken, der Oberpfalz und Oberbayern wurden Fische, Krebse und Muscheln in Gewässer mit günstigeren Wasserständen umgesetzt. Umsetzen ist für Fischer wie Johannes Schnell immer die letzte Möglichkeit. Es gelte jetzt auch, die Fische nicht zusätzlich zu stressen. Denn dann könnten sie sterben.

Appell an Fischer und Badegäste: Rücksicht nehmen auf Fische

Der Bayerische Fischereiverband hat deswegen seine Mitglieder gebeten, vorerst auf das Fischen zu verzichten. Auch Boot, und SUP-Fahren solle man freiwillig einschränken. Auf dem Fluss Regen im Landkreis Cham ist das Kanufahren schon auf einzelnen Abschnitten verboten. Auch Badegäste könnten ihren Beitrag leisten. "Wenn der einzelne Badegast nur einmal kurz hineinspringen und nicht fünfmal hintereinander hüpfen würde, wäre den Fischen vielleicht schon ein klein wenig geholfen", sagt Johannes Schnell vom Bayerischen Landesfischereiverband.

Die Rettung für alle Seen und Flüsse: viel Regen

Entspannung könnte nur ein lang anhaltender Regen bringen, dann steigen die Pegel in Flüssen und Seen und es wird auch kühler. Doch laut Deutschen Wetterdienst ist damit in den kommenden Wochen nicht zu rechnen. Es soll bis Mitte August trocken und warm bleiben. Dadurch wird sich die Niedrigwasserlage weiter verschärfen, so das Bayerische Landesamt für Umwelt.

Extrem hohe Temperaturen sind vor allem für alte und schwache Menschen ein Problem und können lebensbedrohlich werden.

Bildrechte: BR24

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!