Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne.
Bildrechte: Historisches Festspiel "Der Meistertrunk“ e.V.

Lena Klausecker (r.) spielt in diesem Jahr Kellermeisters Töchterchen, Laura Röder-Gonzales (Mitte) übernimmt die Rolle der Magdalena Hirsching.

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Historisches Spektakel "Meistertrunk" startet in Rothenburg

Am Pfingstwochenende verwandelt sich Rothenburg ob der Tauber in eine Stadt zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges: Nicht nur das Meistertrunk-Festspiel zieht Tausende Menschen an, auch fernab der Bühne ist in der Stadt viel geboten.

Über dieses Thema berichtet: regionalZeit - Franken am .

Während eine Gruppe Musikanten durch die Altstadt zum Rathaus marschiert, spielen Kinder in Kostümen mit kleinen Schürzen kreischend vor dem historischen Gebäude Fangen. An diesem Pfingstwochenende begibt sich Rothenburg mitsamt seinen Bewohnerinnen und Bewohnern wieder mal auf Zeitreise: Sechs Mal wird das historische Festspiel "Der Meistertrunk" bis Pfingstmontag aufgeführt. Und auch rund um das Rathaus wirkt alles wie aus der Zeit gefallen: Vor dem Rödertor wird ein großes Feldlager aufgebaut, rund um die Stadtkirche lockt ein historischer Handwerkermarkt mit Schmied, Falkner und Scherenschleifer.

Rund 30.000 Touristen erwartet

Das historische Spektakel zieht jährlich rund 30.000 Menschen in die Altstadt, schätzt Robert Nehr vom Tourismusservice Rothenburg. Er ist sich sicher, dass das Festspiel, das seit 1881 im Kaisersaal des Rathauses aufgeführt wird, einen entscheidenden Anteil daran hat, dass Rothenburg seit jeher bei Touristinnen und Touristen so beliebt ist.

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An der Kasse vor dem Rathaus können Besucherinnen und Besucher für die sechs Aufführungen Karten bekommen.

"Volksfest für die Rothenburger"

Doch auch für viele Einheimischen ist das Pfingstwochenende etwas ganz Besonderes. "Es ist auch eine Art Volksfest von den Rothenburgern für die Rothenburger – und das ist das, was den Meistertrunk so authentisch macht", sagt Nehr, der seit zwei Jahren beim "Meistertrunk" den protestantischen Pfarrer spielt. Das Stück erzählt die Geschichte der ungewöhnlichen Rettung der Stadt. Der Sage nach wird Rothenburg 1631 vom Feldherrn Tilly und dessen Truppen eingenommen: Um die Stadt zu befreien, geht der Bürgermeister eine Wette ein: Er trinkt mehr als drei Liter Wein – in einem Zug – ein wahrer Meistertrunk.

Weibliche Hauptrollen neu besetzt

Bis zu 150 Schauspielerinnen und Schauspieler stehen während der insgesamt sechs Vorführungen am Wochenende auf der Bühne im Kaisersaal. Sie alle sind Laiendarsteller, viele von ihnen kommen aus Rothenburg oder aus der direkten Umgebung. Ihre Rollen haben sie oft für viele Jahre inne. Die zwei weiblichen Hauptrollen sind in diesem Jahr allerdings neu besetzt worden: "Also ich bin ehrlich, ich bin heute auch schon sehr, sehr aufgeregt", sagt Lena Klausecker. Sie wird das erste mal als Kellermeisters Töchterchen Anna auf der Bühne stehen. "Ich freue mich auf jeden Fall aufs Zusammensein von so vielen Leuten und auch die Kostüme sind echt super".

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Eine Zeitreise: Vor dem Rothenburger Rathaus versammeln sich die Darsteller.

"Fünfte Jahreszeit" für Rothenburg

Ebenfalls neu besetzt ist die Rolle der schicken Nichte des Bürgermeisters, Magdalena Hirsching. Ab diesem Jahr übernimmt sie die 37-jährige Laura Roeder-Gonzalez. Die Bühne ist für die gebürtige Rothenburgerin allerdings nicht neu – als Mädchen spielte sie bereits Kellermeisters Töchterchen. Ähnlich wie ihre Bühnenkollegin Lena Klausecker ist auch sie mit dem Meistertrunk aufgewachsen: "Es gehört einfach irgendwie dazu – es ist die fünfte Jahreszeit. In München ist es die Wiesn und hier ist es der Meistertrunk", lacht Laura Roeder-Gonzalez.

Heereszug am Sonntag als Besuchermagnet

Besucherinnen und Besucher, die im Vorfeld keine Karten für das Stück gekauft haben, können das jederzeit am Kassenhäuschen vor dem Rathaus nachholen. Doch sie sollten schnell sein, gibt Robert Nehr vom Tourismusservice Rothenburg zu bedenken. "Eigentlich sind alle Vorstellungen jedes Jahr ausverkauft." 271 Plätze bietet der Kaisersaal im Rathaus. Das Festspiel selbst wurde 2016 ins Verzeichnis des imateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Als Höhepunkt des Wochenendes gilt der historische Heereszug am Pfingstsonntag. Dabei marschieren die Darsteller zusammen mit Musikanten und einem großen Aufgebot an Geschützen, Pulverwagen und rollendem Proviant hinaus aus der Stadt ins Feldlager.

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