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Historische Münchner Trambahnen in Gefahr | BR24

© BR / Erich Wartusch
Bildrechte: privat / Reinhold Kocaurek

Historischen Museums-Trambahnen droht Verschrottung

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Historische Münchner Trambahnen in Gefahr

Weil für einen Betriebshof und eine Werkstatt Platz zum Umbau gebraucht wird, sind in München alte Museumsfahrzeuge im Weg. Können sie andernorts gelagert werden oder müssen sie teilweise verschrottet werden? Die Trambahnfans sind in großer Sorge.

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Von
  • Erich Wartusch

Nach den aktuellen Plänen können die insgesamt mehr als 30 historischen Trambahnen während der Umbauzeit, die auf etwa vier Jahre veranschlagt ist, nicht alle an ihrem Platz bleiben. Derzeit befindet sich etwa die Hälfte der Fahrzeuge im MVG-Museum, die andere Hälfte lagert in der einsturzgefährdeten Gleisbauhalle auf dem Gelände an der Ständlerstraße, weil nicht für alle Bahnen im Museum gleichzeitig Platz ist.

Fahrzeuge sollen bewahrt werden, aber nicht alle

Die Pläne der Münchner Verkehrsgesellschaft sehen vor, die derzeit im Museum ausgestellten Fahrzeuge und weitere Wagen an einem neuen Standort innerhalb des Geländes unterzubringen, wie der Bayerische Rundfunk in einer Stellungnahme erfuhr. "Dies sind nach derzeitigem Stand zehn Züge, die entweder bereits stillgelegt sind oder über die nächsten Jahre ausgemustert werden. Die anderen Fahrzeuge müssen veräußert werden."

Angst vor der Schrottpresse

Dieser letzte Satz lässt bei den Freunden des Münchner Trambahnmuseums e.V. die Alarmglocken schrillen. Sie befürchten, dass die über Jahre mühsam zusammengestellte Sammlung an Fahrzeugen zerrissen wird, möglicherweise sogar Wagen verschrottet werden müssen, weil ein Käufer dafür nur schwer zu finden sein dürfte. Reinhold Kocaurek, Leiter der Werkstattgruppe des Vereins, kann die Haltung der MVG nicht verstehen, zumal die meisten Fahrzeuge Eigentum der Stadt sind.

"Wenn die Pinakothek vier Chagalls hat und einen davon stellt sie aus, wirft sie doch auch nicht die anderen drei weg, weil sie keinen Platz hat." Reinhold Kocaurek, Freunde des Münchner Trambahnmuseums e.V.

Stattdessen würde der Verein gerne zukünftig Wechselausstellungen durchführen und dabei die gesamte 135 Jahre lange Münchner Trambahngeschichte von der Pferdebahn bis zum aktuellen Modell Avenio darstellen. Dafür hat man seit drei Jahren ein genaues Konzept parat.

Alte Wagen lassen sich nur mit ausreichend Ersatzteilen restaurieren

Neben den historischen Fahrzeugen sind auch das Ersatzteillager der insgesamt 32 Trieb-, Bei- und Arbeitswagen bedroht, das sich ebenfalls auf dem Gelände in der Ständlerstraße befindet und von den Freunden des Münchner Trambahnmuseums regelmäßig sortiert, gelistet und gepflegt wird. Für die Wiederherstellung alter und reparaturbedürftiger Fahrzeuge ist dieses Lager mit seinen Groß- und Kleinteilen extrem wichtig. Das geht vom Fahrschalter, ganzen Achsen und Motoren, Stromabnehmern bis hin zu noch originalverpackten Blinkerlämpchen der Vorkriegs-Triebwagen.

Zukunft für die Sammlung ungewiss

Wie könnte eine Lösung aussehen? Die Trambahnenthusiasten hoffen, dass sich für die Zeit des Umbaus auf dem 170.000 Quadratmeter großen Gelände doch noch eine Fläche findet. Etwa 1.000 Quadratmeter würden reichen, um alle Fahrzeuge, die sich nicht im Museum befinden, unterzustellen. Alternativ bleibt ein aufwändiger und sehr kostspieliger Transport zu einer anderen Unterbringung. Dafür fehlen dem Verein aber derzeit die Mittel. Vom Umbau ist auch der Omnibus Club München mit seiner Flotte an historischen Bussen betroffen.

Müssten historische Sammlerstücke wirklich verschrottet werden, würde das jeden Trambahnfreund im Herzen schmerzen.

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