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Historische Mitschrift: das Protokoll zu Röntgens Uni-Vortrag | BR24

© Marco Dittrich (UB Würzburg)

Der Vorstand der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft Würzburg übergibt die handschriftlichen Protokolle an die Universitätsbibliothek.

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    Historische Mitschrift: das Protokoll zu Röntgens Uni-Vortrag

    Vor 125 Jahren hat Wilhelm Conrad Röntgen die Erfindung seiner Strahlen vorgestellt. Kürzlich sind Protokolle aufgetaucht, die diesen Vortrag dokumentieren – handschriftlich. Was der Blick zurück für die Wissenschaft der Zukunft verrät.

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    Von
    • Carolin Hasenauer
    • Christina Haas

    Vor genau 125 Jahren hat Wilhelm Conrad Röntgen die Erfindung seiner X-Strahlen in einem öffentlichen Vortrag vorgestellt, die Röntgen Strahlen. Im November 2020 ist das Protokoll dieses Vortrags überraschend aufgetaucht: Jemand hat zwei Bücher mit handschriftlichen Originalen vom 23.1.1896 bei der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft (Physico Medica) Würzburg abgegeben.

    Zuhörer begrüßten Röntgen mit Applaus

    Analysiert hat sie dann Prof. Dr. Manfred Gessler, Vorsitzender der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft: "Dieser Vortrag begann schon mit großem Applaus, heißt es in dem Protokoll. Es war also jedem klar: Hier passiert etwas Historisches, hier wird wirklich Bahnbrechendes vorgetragen. Und es war ja auch der einzige öffentliche Vortrag, den Röntgen über seine Strahlen gehalten hat." Röntgen veröffentlichte nach seinen gewissenhaften Studien Ende 1895 seinen berühmten Artikel "Über eine neue Art von Strahlen".

    Für Transparenz und gegen Fake-News

    Die Autografen wurden jetzt an Dr. Hans-Günther Schmidt, den Direktor der Universitätsbibliothek Würzburg übergeben. Er nahm dies zum Anlass, den Fund der Protokolle und die damit verbundenen Ideale in die heutige Wissenschaft zu übertragen. Gerade werde über eine Novelle des bayerischen Hochschulgesetzes diskutiert. Ziel sei es unter anderem, wissenschaftliche Ergebnisse verstärkt in die Öffentlichkeit zu bringen, gegen Fake News anzukämpfen, Forschung transparent zu machen und Investitionen in die Forschung zu rechtfertigen. "Die Kollegen der Physico-Medica machten das schon - noch ganz naiv zunächst. Aber es ist, denke ich, eine Erinnerung an die Grundlagen von Forschung - und gleichzeitig ein Auftrag für die Unis, wieder stärker an die Öffentlichkeit zu gehen."

    Erstes Röntgenbild entstand durch Zufall

    Zweieinhalb Monate vor seinem Vortrag, am späten Freitagabend des 8. November 1895, machte Röntgen die bahnbrechende Entdeckung – durch Zufall wie er betonte. Die Strahlen einer Kathodenröhre bildeten mit einigen technischen Zwischenschritten erstmals die Knochen eines Menschen ab. Beim weiteren Experimentieren geriet seine Hand zwischen die Kathodenröhre und den Leuchtschirm - und Röntgen blickte direkt auf die Schatten seiner Handknochen. Entdeckt hat er die später nach ihm benannten Strahlen im ehemaligen Physikalischen Institut der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

    Seine Entdeckung brachte Röntgen den Nobelpreis für Physik

    Heute befindet sich hier die Röntgen-Gedächtnisstätte. In seinem ehemaligen Labor sind noch heute persönliche Gegenstände von Röntgen zu sehen, wie sein Schreibtisch und der rekonstruierte Versuchsaufbau aus der Entdeckungsnacht. Schnell verbreitete sich die sensationelle Entdeckung aus Würzburg weltweit. Röntgen erhielt 1901 den ersten Nobelpreis für Physik. Bescheiden wie er war, schenkte er das Preisgeld seiner Universität Würzburg und forschte bis ins hohe Alter. Heute wird laut Bundesamt für Strahlenschutz jeder Deutsche im Schnitt 1,7 Mal pro Jahr durchleuchtet. Das sind insgesamt rund 135 Millionen Röntgenuntersuchungen.

    Corona durchkreuzte Pläne für Jubiläum

    2020 sollte eigentlich das Röntgen-Jahr werden. Doch die Covid-19-Pandemie durchkreuzte die Pläne zum 175. Geburtstag Wilhelm Conrad Röntgens bereits im Frühjahr, und nun auch das 125. Jubiläum der Strahlen-Entdeckung.

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