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Im Vordergrund ein Hirschkäfermännchen – dahinter ein Weibchen

Bildrechte: BR/Ralph Wege
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Hirschkäfersuche in Franken mit großer Bürgerbeteiligung

Der Hirschkäfer ist in den vergangenen Jahrzehnten sehr selten geworden. Nun ist er stark gefährdet. Zurzeit läuft in Franken das Projekt "Hirschkäfer gesucht". Daran haben sich bereits viele Naturfreunde beteiligt. Noch kann jeder mitmachen.

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Ralph WegeRalph WegeBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Der Hirschkäfer ist eine stark gefährdete Tierart. Zurzeit gibt es in Franken ein Projekt, an dem sich Bürgerinnen und Bürger beteiligen können. Es heißt: "Hirschkäfer gesucht" und hat mit etwas Glück zu tun.

Familie aus Wollbach auf Hirschkäfer-Suche

Familie Fischer sucht in Wollbach im Landkreis Rhön-Grabfeld nach den großen, braunen Käfern. Langsam laufen Mutter Sandra, Vater Peter und Tochter Helen durch ihren Garten. Besonders abends fliegen die Hirschkäfer dort gerne herum.

Die drei suchen unter anderem am alten Kirschbaum und an Totholz, wie zum Beispiel an Baumstümpfen. "Wir würden uns total freuen, wenn wir in unserem Garten einen Hirschkäfer finden", sagt Sandra Fischer. "Das würde zeigen, dass der Hirschkäfer sich bei uns wohlfühlt und dass unser Garten ökologisch wertvoll ist." Die Familie beteiligt sich wie viele andere vor ihnen an dem Projekt "Hirschkäfer gesucht".

Foto und Fundort auf Homepage melden

Kurze Zeit später finden die Fischers dann tatsächlich einen Hirschkäfer – im Regenfass. Darin ist kaum Wasser – zum Glück, sonst wäre das Insekt ertrunken. Es hat sich auf einen großen Stein im Fass retten können.

Peter Fischer nimmt den großen Käfer auf seine Hand. Es ist ein Weibchen, dunkelbraun und so lang wie sein Daumen. Fundort und Datum gibt die Familie auf der Homepage hirschkaefer-suche.de ein. Außerdem laden sie ein Foto von dem Weibchen hoch.

Über 1.000 Mitteilungen bisher

Die Daten erhält Sebastian Vogel. Er leitet das Projekt "Hirschkäfer gesucht". Der Biologe arbeitet am Biodiversitätszentrum Rhön im Bayerischen Landesamt für Umwelt. Nach seinen Angaben ist der Hirschkäfer in den letzten Jahrzehnten immer seltener geworden. Nun ist er stark gefährdet.

Laut Sebastian Vogel gingen in den vergangenen sechs Wochen seitdem das Projekt läuft über 1.100 Meldungen ein. "Damit übersteigt es alle Erwartungen, die wir im Vorfeld hatten", betont der Biologe.

Melden – ob tot oder lebendig

Jeder, der einen lebendigen oder toten Hirschkäfer findet, kann dies auf der Homepage mitteilen. Aber auch nur Teile wie die mächtigen Kieferzangen kommen für eine Meldung infrage. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der Käfer von einem Vogel erbeutet wurde. Die meisten Hirschkäfer wurden in Gärten gefunden. Er lebt aber auch in Wäldern, auf Streuobstwiesen oder in Parkanlagen.

Hirschkäfer-Fund "mit viel Glück verbunden"

Sebastian Vogel ist auf die Bürgerbeteiligung angewiesen. "Einen Hirschkäfer zu finden, ist schon mit viel Glück verbunden", erklärt der Biologe. Der Hirschkäfer lebe sehr versteckt. Außerdem könne man ihn nur schlecht mit Fallen fangen oder durch Köder anlocken. Deshalb sei Vogel darauf angewiesen, dass die Bevölkerung jeden Fund von Hirschkäfern in Franken meldet. Denn das Biodiversitätszentrum Rhön könne es nicht alleine stemmen, Hirschkäfer in Franken flächendeckend zu erfassen.

Suche nach Hirschkäfern bis Ende August

Mit den gewonnenen Daten will Vogel Maßnahmen ergreifen, die den Schutz des Hirschkäfers verbessern. Dazu zählt zum Beispiel die Anreicherung von Totholz in Wäldern und Gärten. Das bürgerwissenschaftliche Projekt läuft noch bis Ende August. "Wir sind schon sehr gespannt, wie viele Meldungen bis dahin zusammenkommen", ergänzte der Projektleiter. Aus den Daten habe Vogel bereits gelernt, dass die fränkischen Laubwälder ein bedeutender Lebensraum für die seltene Insektenart sind.

💡 Hirschkäfer - eine bedrohte Art

Hirschkäfer sind dunkelbraun. Die Männchen werden maximal neun Zentimeter lang. Deren Mundwerkzeuge erinnern an ein Hirschgeweih. Bei den Weibchen sind die Mundwerkzeuge wesentlich kürzer. Die Hirschkäferlarven leben bis zu sieben Jahre in der Erde. Sie ernähren sich von Totholz. Als erwachsenen Käfer leben sie zwei bis drei Monate. In dieser Zeit paaren sie sich. Die Weibchen legen die Eier in die Erde an Totholz ab. Die Männchen sterben in der Regel Mitte Juli, die Weibchen Ende August.

Das Biodiversitätszentrum Rhön im Bayerischen Landesamt für Umwelt koordiniert das Projekt. Auch die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) sowie der Verein Hirschkäferfreunde Nature Two e.V. sind daran beteiligt.

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