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Hirnhautentzündung: Forscher warnt vor "Zeckenjahr" | BR24

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Zecke auf einer Ein-Cent-Münze - das zeigt die Größenverhältnisse

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    Hirnhautentzündung: Forscher warnt vor "Zeckenjahr"

    Es wird immer früher: Die Zeckensaison geht bald los. Dann wird es im Wald und auf Wiesen wieder gefährlich. Zecken können Borreliose und FSME übertragen. 2020 war deutschland- und bayernweit ein FSME-Rekordjahr. 2021 könnte noch schlimmer werden.

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    Von
    • Katrin Bohlmann

    Zecken sind winzige blutsaugende Parasiten. Oft bleiben sie unentdeckt, wenn sie über die Haut krabbeln. Erst wenn sie einen gestochen haben, können die Folgen schmerzhaft zu spüren sein. Denn Zecken können gefährliche Krankheitserreger übertragen. Borreliose verursacht Fieber, Kopfschmerzen, Gelenkentzündungen. Die Hirnhautentzündung FSME löst auch grippeartige Symptome aus, aber der Verlauf kann noch schlimmer sein: mit bleibenden Behinderungen und sogar tödlich enden.

    Zeckenforscher Gerhard Dobler warnt: "Es wird ein interessantes Zeckenjahr."

    Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München ist der Zeckenpapst Deutschlands. Bei ihm laufen alle gemeldeten FSME-Fälle zusammen. Durch seine einschlägigen Forschungsergebnisse gilt er auch international als Experte für Zecken und Zecken-übertragbare Krankheitserreger. Wir sind mit ihm unterwegs im Norden Münchens auf einer großen Wiese. Mit einem weißen Laken streift der Virologe über das Gras und sucht nach den kleinen Blutsaugern. Nach kurzer Zeit wird er fündig und ist selbst überrascht. "Das ist wirklich unglaublich, dass die jetzt schon so aktiv sind. Das ist sehr früh im Jahr. Das kann durchaus darauf hindeuten, dass die Zeckensaison jetzt bald richtig in vollen Gang kommt. Das wird ein interessantes Zeckenjahr werden!", sagt Gerhard Dobler.

    Zecken werden immer früher und länger aktiv im Jahr

    Der Wissenschaftler Gerhard Dobler sammelt die Zecken – ein Weibchen und eine Nymphe, so heißen die Teenager-Zecken – vorsichtig mit einer Pinzette in ein Röhrchen und verschließt es. Auffallend: Die Zecken werden seit Jahren immer früher aktiv. Das liege auch am Klimawandel, die Winter seien zu warm, sagt Gerhard Dobler. Entsprechend steigt die Zecken-Population und damit auch das Risiko, an FSME oder Borreliose zu erkranken. Nymphen übertragen die Erreger noch nicht. Erst wenn sie erwachsen sind, werden sie für Mensch und Tier gefährlich. "Gegen die Borrelien kann man therapieren mit Antibiotika. Gegen die FSME nicht. Wenn sie einmal ausgebrochen ist, nimmt sie einen schicksalhaften Verlauf. Aber hier gibt es eben eine Impfung.“ Dobler appelliert: Personen, die sich in entsprechenden Risiko-Regionen aufhalten, sollten sich gegen FSME impfen lassen.

    Fast ganz Bayern ist inzwischen FSME-Risikogebiet

    Das Robert-Koch-Institut hat gerade eine aktuelle Deutschlandkarte mit FSME-Risikogebieten veröffentlicht. Danach gilt Bayern fast überall als FSME-Risikogebiet. Die Ausnahmen sind: die Städte München, Augsburg, Schweinfurt, sowie der Landkreis Fürstenfeldbruck. Die FSME-Impfung zahlen die Krankenkassen im Freistaat. Trotzdem stellt Gerhard Dobler fest, dass die Impfbereitschaft gesunken ist. Möglicherweise auch wegen Corona. Dabei wäre es seiner Meinung nach gerade jetzt im Lockdown so wichtig, sich gegen FSME impfen zu lassen.

    "Es ist schwierig, einen deutlichen Zusammenhang zu sehen, aber wir glauben, dadurch, dass viele Menschen in Deutschland keinen Urlaub im Ausland machen konnten, ist es zu einem vermehrten Aufenthalt in der Natur gekommen und damit zu einem erhöhten Risiko der Infektion, zusammen mit diesen sehr hohen Zeckenzahlen, die wir seit mehreren Jahren beobachten." Der Zeckenpapst ist überzeugt: Wäre die Pandemie nicht, hätte es einen Aufschrei wegen der Zeckeninvasion gegeben.

    Spaziergänger im Englischen Garten sehen Zeckensaison entspannt entgegen

    Ortswechsel: Englischer Garten. Hier herrscht bei Sonnenschein buntes Treiben. Kinder spielen im Gras und auf Bäumen, Hunde schnüffeln unter den Büschen. Radler, Spaziergänger und Jogger sind auf den Wegen unterwegs. Die meisten von ihnen reagieren ziemlich entspannt auf die anstehende Zeckensaison. "Ich habe überhaupt keine Ahnung und habe mir auch keine Gedanken darüber gemacht, weil bisher war ja noch Winter“, sagt eine Frau. "Ich habe vor Zecken keine Angst, ich habe die letzten Jahre nie eine Zeckenimpfung gehabt.", berichtet ein Mann. Dagegen erzählt eine junge Mutter, dass sie und ihre kleine Tochter sehr wohl gegen FSME geimpft seien.

    "Keine Panik, ganz entspannt!", ist das Motto eines Mannes mittleren Alters, wenn man ihn fragt, wie er sich auf die kommende Zeckensaison vorbereitet. Ähnlich geht es dieser Münchnerin: "Ich bin noch nicht gewappnet. Zecken fangen bei mir im Juni, Juli an.“ Hauptsache, der Hund ist geschützt, sagt ein älterer Herr. "Mein Hund wird mit so einem Mittel eingeschmiert und dann hält das meistens die ganze Saison. Ich selbst habe da noch nie ein Problem gehabt. Ich treibe mich zwar schon in Wäldern herum. Aber jetzt habe ich es 75 Jahre lang überstanden, ich werde also auch die nächsten 25 Jahre gut überstehen", erzählt der Hundebesitzer und lacht.

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    Die Entwicklung der FSME-Zahlen in Bayern in den letzten Jahren

    Lange Hosen und helle Kleidung können helfen

    Dabei ist es so einfach, das Risiko, sich mit Borreliose oder FSME zu infizieren, zu minimieren. Mit leichten Mitteln wie lange Hose tragen, Strümpfe über die Hose ziehen und helle Kleidung in die Natur gehen, um die Zecken besser zu entdecken und zu entfernen.

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