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Hintergrund: Kriminelle "Rockergruppen" in Bayern | BR24

© dpa

Polizisten kontrollieren Mitglieder eines Motorrad-Klubs. (Symbolbild)

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    Hintergrund: Kriminelle "Rockergruppen" in Bayern

    Der Überfall in München, bei dem ein Transporter in eine Personengruppe fuhr, sorgte für Entsetzen. Laut den Behörden handelte es sich dabei wohl um einen Streit zwischen Rockergruppen. Wie gefährlich sind sind die "Motorrad-Gangs" in Bayern?

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    "Als Romantik von alten Männern" hat unlängst ein Ermittler die Erzählungen in die Jahre gekommener Hells Angels und Bandidos bezeichnet. Da geht es um Ausfahrten mit 50 Harleys, Massenschlägereien auf niederbayerischen Volksfesten, Überfälle auf gegnerische Clubheime und Parties in rockereigenen Puffs. Zu Bandenkriegen wie in Hamburg, Berlin, im Ruhrgebiet oder rund um Frankfurt hat es in Bayern ohnehin nie gereicht.

    Behörden hatten bayerische Rocker lange im Griff

    Im Freistaat, wo die Rockerszene selten über zwei- oder dreitausend Mitglieder hinauskam, war die Polizei schnell zur Stelle, bevor sich die Gangs im kriminellen Milieu richtig festsetzen konnten. Während in Nord-und Westdeutschland immer wieder Morde unter rivalisierenden Banden für Schlagzeilen sorgten, überzogen die Behörden hierzulande die Clubheime mit immer neuen Razzien und schalteten den Verfassungsschutz zur Beobachtung ein.

    Bei Ausfahrten ins Oberland scheute die Verkehrspolizei nicht davor zurück, auf einer Landstraße eine ganze Harley-Kolonne zu stoppen und eine Stunde festzusetzen, bis auch der letzte Auspuff lärmgeprüft war. Dass sich die Szene nicht wirklich festsetzen konnte, lag an dem häufig rasch eingebremsten Spaß und daran, dass es bei den Hells Angels, den Bandidos, beim MC Gremium und bei Trust am Nachwuchs fehlte. Heute zählen die Behörden bayernweit rund 1.500 Männer – und immer noch keine Frauen – zur Szene. Etwa 300 leben im Raum München.

    Neue Generation von Rocker-Gruppen

    Verfassungsschutz und Polizei sprechen inzwischen von "rockerähnlichen Gruppierungen", die sich wie die Hells Angels oder die Bandidos geben, sogenannte "Kutten" mit den Emblemen der Bande tragen und zum großen Teil tief im Milieu der organisieren Kriminalität stecken – Drogenhandel, Rotlicht oder Schutzgelderpressungen. Und genau hier kamen und kommen diese Banden – wie die "Black Jackets", die "United Tribunes" oder die "Osmanen Germania" den Vätern der deutschen Rockerbewegung und deren Nachfahren in die Quere.

    Die neuen Rocker, von denen die meisten nicht einmal einen Motorradführerschein haben, stammen häufig aus Familien mit Migrationshintergrund. Viele haben bereits vor ihrem Eintritt Gefängniserfahrung und wenig Probleme die Gang zu wechseln, wenn die Konkurrenz attraktiver erscheint. An der Disziplinlosigkeit ihrer Mitglieder sind viele Gruppierungen gescheitert.

    Rocker-Gangs: Drogen, Prostitution, Gewalt

    Immer wieder sind Verbindungen in die Türsteherszene erkennbar, zu dubiosen Bewachungsfirmen oder zu Boxcamps und Kampfsportschulen. Wie schon bei den Hells Angels und bei den Bandidos gilt: wer "die Tür beherrscht", der bestimmt, wer in welcher Disco mit Drogen handeln darf. Die inzwischen zerschlagenen "Black Jackets" steckten in München tief drin im Rauschgifthandel – genauso wie mehrere Hells Angels, die in den vergangenen Jahren in Bayern vor Gericht standen. Andere Rocker und Ex-Rocker wurden erst jüngst wegen Beteiligung an der Zwangsprostitution verurteilt oder mussten sich sogar als militante Islamisten vor Gericht verantworten. In etlichen Verfahren ging es um Schlägereien in Lokalen oder Waffendelikte.

    Schon aus diesem Grund bemühen sich die Behörden, dort wo erkannte Rocker in Sicherheitsunternehmen aktiv sind, ihnen den legalen Zugang zu Schusswaffen zu untersagen. Und die meisten Versuche von Gangmitgliedern als Bordellbetreiber in Bayern Geld zu verdienen, sind kläglich gescheitert. Auch im legalen Nachtleben konnten sich die Rocker aus Bayern als Betreiber nicht etablieren – ganz anders als etwa im Raum Hannover, wo einige Hells Angels den Sprung in die Schickimicki-Gesellschaft schafften. Zu solcher Anerkennung sind die Gangs hierzulande nie gekommen.

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