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Hilfe im Unglück - Kriseninterventionsteam sucht Ehrenamtliche | BR24

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Bildrechte: BR / Julia Binder

Krisenintervention ist Erste Hilfe für die Seele. Im Landkreis Rosenheim werden nun Ehrenamtliche gesucht, die das Team unterstützen.

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Hilfe im Unglück - Kriseninterventionsteam sucht Ehrenamtliche

Verkehrsunfall, plötzlicher Kindstod oder auch das Zugunglück in Bad Aibling – die ersten Stunden nach einem Unglücksfall können enorm belastend sein. Wer hilft? Das Kriseninterventionsteam. Die Johanniter suchen Ehrenamtliche im Landkreis Rosenheim.

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Von
  • Julia Binder

Die Mitarbeiter von Kriseninterventionsteams müssen einiges aushalten. Bei Unfällen, Notfällen oder Katastrophen werden sie gerufen und betreuen die Beteiligten, aber auch die Angehörigen. Die Johanniter im Landkreis Rosenheim suchen jetzt ehrenamtliche Mitarbeiter.

Ralph Bernatzky hat schon viel erlebt, was Krisenintervention angeht. Gut erinnern kann er sich zum Beispiel noch an seinen Einsatz nach einem Flugzeugabsturz mit fünf Betroffenen. Oder an den Tag, als er drei Kinder betreuen musste, deren Eltern bei einem Verkehrsunfall getötet oder schwer verletzt worden waren. Dies seien Einsätze, die auch ihm so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen würden.

Viele Jahre Erfahrung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Vor rund 20 Jahren war der Kinderkrankenpfleger in Augsburg bereits beim Aufbau eines Kriseninterventionsteams (KIT) dabei. Jetzt ist er bei den Johannitern in Wasserburg tätig und wird auch dort ein neues Team aufbauen. Im Landkreis Rosenheim gibt es zwar schon das BRK und die Ökumenische Notfallseelsorge, die jeweils einen Kriseninterventionsdienst haben. Sie sollen jetzt noch Unterstützung erhalten von den Johannitern.

Einsätze nehmen zu

Die Verantwortlichen rechnen damit, dass die Einsätze zur Krisenintervention in der kommenden Zeit noch zunehmen werden. Aus diesem Grund suchen sie nach Ehrenamtlichen. Ein paar Voraussetzungen gilt es zu erfüllen: Mindestalter 23 Jahre, Deutsch in Wort und Schrift und Fremdsprachenkenntnisse sind gewünscht.

Umfassende Ausbildung in Theorie und Praxis

Cora Gierse war die Erste, die sich für das neue KIT gemeldet hat. Die Lehrerin war bereits rund zehn Jahre ehrenamtlich im Rettungsdienst unterwegs. Auch in ihrer Schule ist sie im Krisenteam. Vor allem die professionelle Ausbildung, die sie bei den Johannitern erhalten wird, reizt sie.

80 Unterrichtseinheiten umfasst die Ausbildung in Theorie und Praxis. Unter anderem mit den Themenfeldern Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Kultur und Religionen, Kommunikation, Struktur einer Intervention und Psychohygiene.

"Dafür hat das medizinische Personal einfach keine Zeit!"

Cora Gierse kann durch ihre Tätigkeit beim Rettungsdienst in etwa einschätzen, was auf sie zukommen wird. Die medizinische Versorgung sei das eine, erzählt sie - die emotionale aber das andere. Als Rettungssanitäterin konzentriere man sich natürlich nur auf die medizinische Versorgung. Es bleibe dabei kaum oder sogar gar keine Zeit, sich um Angehörige, Zeugen oder andere Opfer zu kümmern. Und dann fahre der Rettungswagen mit dem Verletzten weg - die Angehörigen bleiben aber zurück.

Akute Hilfe, so schnell wie möglich

Die Ehrenamtlichen des Kriseninterventionsteams sind es, die dann die Zeit haben, sich ausführlich um die Hinterbliebenen zu kümmern. Ihnen erstmal ihre Fragen zu beantworten, das soziale Netz zu aktivieren, zuzuhören, professionell da zu sein und auch mittel- und langfristige Hilfsmöglichkeiten aufzuzeigen. Das KIT wird über die Rettungsleitstelle alarmiert. Je früher die professionell ausgebildeten Ehrenamtlichen nach einem Unglücksfall eingreifen, beraten und betreuen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene mittel- oder langfristig Beeinträchtigungen bis hin zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung entwickeln. Das zeigen laut Ralph Bernatzky auch diverse Studien.

Auch die Helfer schützen

Cora Gierse weiß, dass durchaus belastende Momente auf sie zukommen werden, bei ihren Einsätzen im Team der Krisenintervention. Sie ist aber überzeugt davon, dass sie durch die umfassende Ausbildung lernt, damit verantwortungsvoll umzugehen. Und sich auch selbst zu schützen. Denn sie will einfach helfen und Menschen in einer akuten Extremsituation den Rücken stärken. So dass sie ihren Weg trotz allem ohne große Beeinträchtigungen weitergehen können.

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