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Hilfe für Frauen in Not: Abschied von Augsburgs Solwodi-Leiterin | BR24

© BR/Johannes Hofelich, Angelika Schneiderath

20 Jahre lang hat sie Frauen geholfen, die schwer traumatisiert sind: Opfer von Frauenhandel, Prostitutierte oder geflüchtete Frauen. Heute verabschiedet sich die Leiterin von Solwodi Augsburg, Soni Unterreithmeier.

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Hilfe für Frauen in Not: Abschied von Augsburgs Solwodi-Leiterin

20 Jahre lang hat sie Frauen geholfen, die schwer traumatisiert sind: Opfern von Frauenhandel, Prostituierten oder geflüchteten Frauen. Heute verabschiedet sich die Leiterin von Solwodi Augsburg, Soni Unterreithmeier.

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Soni Unterreithmeier hat in Augsburg die Solwodi-Hilfe auf- und ausgebaut. Prostitution war von Anfang an ein wichtiges Thema für sie, Schönfärberei lässt sie nicht gelten: "Das ist zerstörerisch für Körper und Psyche. Das war von Anfang an so, dass wir gesagt haben, Prostitution ist keine Option für Frauen."

Prostituierte in Deutschland leben wie Gefangene

Prostituierte in Deutschland kommen heute zu einem sehr großen Teil aus dem Ausland - und zwar aus Elendsvierteln, sagt Soni Unterreithmeier. Die Frauen werden nach Deutschland gebracht "und sind immer in einer Situation des Eingegrenztseins oder Ausgegrenztseins. Keine kann jemals öffentliche Verkehrsmittel nutzen, weil sie überhaupt nicht so weit orientiert ist." Prostitutierte sind laut Soni Unterreithmeier immer in einer Situation, "wo auch Ausbeutung stattfindet, wo Gewalt stattfindet und in einer sehr gefangenen Situation."

Kripo und Behörden arbeiten mit Solwodi zusammen

Manche Dinge sind mittlerweile leichter geworden, erzählt Soni Unterreithmeier: "Im Lauf der Jahre haben sich Behördenwege etwas abgeflacht. Wir erleben da auch ein Entgegenkommen, damit wir auch mit unserer knappen Zeit in einem vertretbarem Maß zu einem Ergebnis kommen. " Besonders gut ist das Verhältnis zwischen der Kripo und Solwodi, sagt Unterreithmeier: "Die Augsburger Kriminalpolizei ist beispielhaft. Das ist wirklich wunderbar, dass da so ein Vertrauen da ist und dass man so gut miteinander fallorientiert oder auch themaorientiert miteinander arbeiten kann."

Traumatisierte Mütter - und das Leid der Kinder

Besonders wichtig waren Soni Unterreithmeier immer die Kinder, die indirekt auch unter den Folgen der Gewalt leiden. Denn traumatisierte Mütter verhalten sich manchmal unberechenbar: "Wenn sie überrollt wird von den Erinnerungen - das können manchmal ganz einfache Auslöser sein - kann es sein, dass die Frau in eine psychische Ausnahmesituationen kommt, dass sie wegläuft und überhaupt nicht mehr weiß, wo sie ist, also völlig desorientiert ist." Deshalb ist es nach Ansicht von Soni Unterreithmeier so wichtig Mütter in Einrichtungen zu bringen, wo sie sicher sind, aber auch für die Kinder gesorgt werden kann.

Festakt für 20 Jahre Engagement bei Solwodi

In ihrem Kampf gegen Ausbeutung, Zuhälterei und Prostitution zog die 69-jährige Unterreithmeier oft bis vor Gericht und erhielt deshalb sogar Morddrohungen. Ihrer Nachfolgerin an der Spitze von Solwodi übergibt sie nun eine Beratungsstelle, in der fünf Mitarbeiterinnen Frauen in Not psychosoziale Begleitung anbieten und eine Traumatherapeutin als Streetworkerin jede Woche Frauen in Augsburger Bordellen und Laufhäusern aufsucht.