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Hilfe für die Helfer in Corona-Zeiten | BR24

© picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Die Mitarbeiter in Krankenhäusern sind in der Coronakrise extremen Belastungen ausgesetzt.

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    Hilfe für die Helfer in Corona-Zeiten

    Nicht nur schwere Unfälle können für Mediziner und Pfleger eine extreme Belastung sein, auch Pandemien können traumatisieren. Um den unersetzbaren Helfern in der Coronakrise zu helfen, gibt es nun eine Beratungsstelle speziell für Mediziner.

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    Mediziner und Pfleger in Italien arbeiten seit Wochen bis zur Erschöpfung. Viele schildern das Erlebte als die schlimmste Zeit in ihrem Berufsleben. Deutschen Ärzten, Schwestern und Pflegern könnte das in nächster Zeit noch bevorstehen, so zumindest die Prognosen. Extreme körperliche und psychische Belastungen, die Mitarbeiter im Gesundheitswesen an ihre Grenzen bringt. Eine Beratungsstelle, die den Helfern hilft, hat deswegen jetzt die Arbeit aufgenommen.

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    Belastung in der Coronakrise steigt von Tag zu Tag

    Dominik Hinzmann ist Anästhesist und Notfallmediziner am Klinikum Rechts der Isar in München. Schon jetzt erlebt er schwere Coronafälle auf der Intensivstation. Die Belastungen für Medizinerinnen, Pfleger und Praxismitarbeiter steigt mit der Coronakrise von Tag zu Tag. Die Sorge um die Patienten beschäftigt auch über den Dienstschluss hinaus. Dominik Hinzmann hat das in den letzten Tagen erlebt. "Dass es auch junge Patienten ganz viel triff, dass Patienten, die ohne Vorerkrankungen in die Klinik kommen, deren Zustand sich innerhalb ein, zwei, drei spätestens vier Tagen verschlechtert, die intensivmedizinisch beatmet und behandelt werden müssen - das stellt natürlich für das Team eine hohe Belastung dar", berichtet er.

    Ein Ende ist nicht in Sicht

    Die große Welle der Krankheitsfälle soll allerdings jetzt erst kommen. Krankenhaus- und Arztpraxenmitarbeiter sind bereit, bis an ihre Grenzen zu gehen. Aber sehr verständlich bleiben auch ganz persönliche Sorgen im Hinterkopf. Dominik Hinzmann spricht offen darüber: "Man sieht Verläufe von Menschen, die jünger sind als man selbst. Man selbst hat keine Vorerkrankungen, man weiß, ok, wenn ich mich jetzt bei meinem Patienten anstecke, dann kann mir das Gleiche blühen. Das ist eine große Sorge und dann natürlich auch, diese Infektion nach Hause in die Familie zu tragen."

    Auch Helfer brauchen Hilfe

    Auch die Helfer brauchen also Hilfe. Erkannt hat das die Bayerische Ärztekammer schon vor Jahren und hat den Verein für Psychosoziale Kompetenz und Unterstützung in der Akutmedizin, kurz: PSU-Akut, ins Leben gerufen. Er bietet medizinischem Personal aus allen Bereichen Beratung und Unterstützung an, gerade in Ausnahmesituationen wie jetzt. Andreas Igl leitet die sogenannte "Helpline" und berichtet: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass jetzt Kollegen anrufen, die einfach am Rande ihre Kräfte- und Energiereserven sind, die einfach einen Impuls brauchen: Was kann ich tun, um wieder runterzukommen? Wie kann ich mich besser sortieren? Ich muss ja funktionieren!"

    Helpline für medizinisches Personal

    Die Helpline hat der Verein ganz akut in den letzten Tagen ins Leben gerufen. Die Berater am Telefon sind selbst Ärzte, Pfleger, medizinische Fachangestellte mit Zusatzausbildung. Auch Psychologen und Therapeuten stehen bereit. Sie wollen den Kollegen Sicherheit geben, dass Rat und Hilfe jederzeit abrufbar sind. Schon allein, dass es die Helpline gibt, beruhige viele Kollegen, sagt Andras Igl: "Wir hatten zum Beispiel den Anruf von einer Intensivschwester, die jetzt längere Zeit auf Intensiv ein Kind und eine Familie betreut hat. Und für die ist jetzt die Situation: Habe ich mich infiziert? Habe ich vielleicht jemand anderen angesteckt? Ich glaube, da kann man sich vorstellen, was das mit einem macht."

    Die Vergangenheit zeigt: Große Unglücke oder Katastrophen traumatisieren auch Ärzte und Rettungsmitarbeiter. Dass auch eine weltweite Pandemie mit vielen tausend Toten die Mediziner und Pfleger extrem belasten wird, liegt auf der Hand.

    Wer die Beratung in Anspruch nehmen will findet alle Informationen auf der Webseite des Vereins: www.PSU-Akut.de. Die Telefonnummer der Helpline: 089 – 54 55 84 40.