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Es war ein beliebter Treff für Ansbachs Musik-Fans. Schallplatten nahezu aller Genres gingen jahrelang über die Ladentheke von Wolfgang Herbig. Der Plattenladen in der Ansbacher Pfarrstraße war Kult. Nach über zehn Jahren ist Mitte Juni Schluss.

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Hier spielte die Musik: Ansbacher Plattenladen macht dicht

Es war ein beliebter Treff für Ansbachs Musik-Fans. Schallplatten nahezu aller Genres gingen jahrelang über die Ladentheke von Wolfgang Herbig. Der Plattenladen in der Ansbacher Pfarrstraße war Kult. Nach über zehn Jahren ist Mitte Juni Schluss.

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Von
  • Markus Balek

Ob Jazz, Hardrock oder POP, Ladenbetreiber Wolfgang Herbig hatte in seinem Laden in der Pfarrstraße in Ansbach eine große Auswahl für die Fans von Second Hand Schallplatten. Unter anderem wegen der Corona-Pandemie ist Mitte Juni Schluss. Wolfgang Herbig verabschiedet sich vorzeitig in den Ruhestand.

Start 2008 mit Internetverkäufen

Bereits als 14-Jähriger begann Wolfgang Herbig mit dem privaten Sammeln von Schallplatten. Als der Unternehmer 2008 von der Schließung eines Schallplattenladens in Schwabach erfuhr, kaufte er kurzerhand den Restbestand auf und begann mit dem Verkauf über das Internet. Das Zu- und Verkaufen entwickelte sich schließlich zu einer Leidenschaft. Nachdem sein privater Verkaufsraum zu Hause in Brodswinden allmählich zu klein wurde, zog er 2010 in das Ladengeschäft in der Pfarrstraße 35 in Ansbach um.

"Nach 20 Jahren Selbstständigkeit habe ich mein Unternehmen aufgegeben und mein Hobby zum Beruf gemacht." Wolfgang Herbig, Besitzer des Plattenladens "vinyl & more" in Ansbach
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Ansbach Plattenladen "vinyl & more" schließt Mitte Juni

Schallplatten mühsam selbst zusammengesucht

Seine Anfangsbestände suchte sich der Musikliebhaber noch selbst über die Zeitung oder Inseraten in Kostenloszeitungen zusammen. Der leidenschaftliche Motorradfahrer war aber auch persönlich im süddeutschen Raum bis nach Frankfurt unterwegs. Auch diverse Flohmärkte und Plattenbörsen hat er immer wieder besucht.

"Mit der Zeit sprach sich mein Geschäft herum. Angebote kamen sogar aus Hamburg und Hannover. So kam ich an tolle Sammlungen mit Erstauflagen der Stones und Beatles." Wolfgang Herbig, Besitzer des Plattenladens "Vinyl & more" in Ansbach

In den vergangenen fünf bis sechs Jahren sei dann keine aktive Suche mehr nötig gewesen, sagt Wolfgang Herbig. Die Leute seien von selbst mit der Auflösung ihrer Sammlungen, Dachbodenfunden oder Erbstücken zu ihm gekommen. Die Platten seien ihm quasi in den Laden getragen worden, so Herbig

Teuerste Platten lagen zwischen 100 und 300 Euro pro Stück

Gut erinnert sich der gebürtige Ansbacher noch an eine Plattensammlung aus Mannheim. Beim Durchsehen der Sammlung mit 2.000 Exemplaren, hätte er über die Hälfte aussortieren und entsorgen müssen. Allerdings seien darunter auch Bands aus den 60er Jahren mit zwei bis drei seltenen Alben sowie Erstauflagen der Beat-Musik gewesen. "Vielleicht 20 Scheiben davon lagen im Bereich zwischen 100 und 300 Euro und so hatte es sich gelohnt die Sammlung zu kaufen", erzählt Herbig.

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Ansbach Plattenladen "vinyl & more" schließt Mitte Juni

Stammpublikum in Ansbach - über die Hälfte junge Leute

Nachdem sich der Plattenladen von Wolfgang Herbig über die Jahre etablierte hatte, seien irgendwann keine Internetverkäufe mehr nötig gewesen, erzählt Herbig. Der Trend zur Schallplatte steige seit 2006 wieder kontinuierlich an, sagt Wolfgang Herbig. Neuware sei für ihn jedoch nie ein Thema gewesen. Zu groß hätten die Bestellmengen sein müssen, um wirtschaftlich zu bleiben.

Überraschend sei für Herbig gewesen, dass über 50 Prozent seines Publikums eher junge Leute waren. Dafür sei nicht nur der Retro-Trend verantwortlich, sondern auch die Rückkehr zu bewussterem Musikhören, erklärt er.

"Viele junge Leute denken nicht mehr in Alben, sondern in einzelnen Titeln. Im jedem Album steckt aber immer eine Idee und ein Gedanke. Das Wort Konzeptalbum kennt fast keiner mehr. Aber die Jugend beginnt wieder sich wirklich mit Musik zu beschäftigten und diese zu zelebrieren, vom Auflegen der Platte, dem Begutachten des Covers und dem Auseinandersetzen mit Bands, Künstlern und den Produzenten." Wolfgang Herbig, Besitzer des Plattenladens "Vinyl & more" in Ansbach

Zu Bestzeiten 4.000 Platten im Laden

Zu Bestzeiten hatte Wolfgang Herbig um die 4.000 Schallplatten in seinen Verkaufsräumen. Die Fans fanden Rock, PoP, Jazz und Blues, Soul, Funk, Reggae und Weltmusik. Aber auch Deutschrock, Hardrock, NDW und ein kleines Sortiment Klassik gehörten einst zu seinem Verkaufsrepertoire, das von den 50er Jahren bis Anfang der 90er reichte.

"Mitte der 90er Jahre wurden kaum noch Schallplatten produziert. Die CD löste die Platte ab. Der Tiefpunkt an neu verkaufen Platten war 2006 mit nur 300.000 verkaufen Platten in Deutschland. Dann erlebte die Platte eine Renaissance, so dass im Jahr 2019 wieder 3,5 Millionen Platten in Deutschland neu verkauf wurden." Wolfgang Herbig, Besitzer des Plattenladens "Vinyl & more" in Ansbach

Die Verkaufszahlen aus dem 70er und 80er Jahren werden wohl trotzdem immer unerreichbar bleiben, so Herbig weiter.

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Ansbach Plattenladen schließt

Gedanken zur Geschäftsaufgabe in der Pandemie

Die Gedanken zur Geschäftsaufgabe seien Wolfgang Herbig bereits im Dezember des vergangenen Jahres im Lockdown der Corona-Pandemie gekommen. Als Kaufmann habe er sich dann im März diesen Jahres dazu entschieden im Sommer Schluss zu machen. Schließen hätte er nicht zwingend müssen, doch die Verluste in diesem Jahr wären nicht mehr aufzuholen gewesen, so der Musikliebhaber. Ursprünglich wollte der jetzt 64-Jährige Ende 2022 aufhören.

Von seiner Privatsammlung trennt sich Wolfgang Herbig auf jeden Fall nicht. Er sei leidenschaftlicher Sammler und werde seine Platten niemals durch CDs oder das Streaming ersetzen.

Das Schließen seines Geschäfts betrachtet der Musikliebhaber mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

"Aus der Kundschaft heraus haben sich Bekanntschaften und Freundschafen entwickelt. Das wird fehlen, viele Kontakte werden aber auch bleiben." Wolfgang Herbig, Besitzer des Plattenladens "vinyl & more" in Ansbach

Auf der anderen Seite freue sich der Ansbacher nun auf viel Freizeit und seinen Ruhestand. Nach über zehn Jahren wird der Plattenladen "vinyl & more" am 18. Juni dann ein letztes Mal geöffnet haben. Bis dahin können Musikfreunde noch den ein oder anderen Schallplattenschatz aus den Restbeständen erwerben.

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