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Heuschnupfensaison: Winterpause für Allergiker vorbei | BR24

© BR/Monika Haas

Die Erderwärmung hat die Heuschnupfensaison um fast acht Wochen verlängert. Eine Langzeit-Therapie können Betroffene erst wieder in der pollenfreien Saison starten. Doch immer genauer werdende Messungen erleichtern Allergikern den Alltag.

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Heuschnupfensaison: Winterpause für Allergiker vorbei

Das milde Winterwetter verkürzt für Allergiker die beschwerdefreie Zeit. Mit dem frühen Pollenflug beginnt für Betroffene schon jetzt die Heuschnupfensaison. Ärzte warnen davor, die Symptome zu verharmlosen. Es gibt aber auch Hoffnung.

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In Bayern leiden rund 40 Prozent der Bevölkerung unter einer Allergie, etwa jeder Dritte hat Heuschnupfen. In diesem Winter hat die Heuschnupfenzeit für manche mit der Haselblüte bereits im Januar begonnen - vier bis acht Wochen früher als vor 20 Jahren. Dazu steigt die Pollenbelastung mit Schadstoffen und ihr Allergengehalt an. Die Folge: die Pollen sind aggressiver und führen zu heftigeren Reaktionen bei Allergikern.

Infekt oder Heuschnupfen?

"Neu ist, dass unsere Patienten jetzt, also mitten in der Infektsaison zusätzlich zu Grippe und Erkältungen zusätzlich an Heuschnupfen leiden", so Dr. Stephan Böse-O´Reilly von der AG Umwelt-Gesundheitsmedizin der Universität München. Bislang kommen erst wenige Betroffene mit ihren Beschwerden in die Allergie-Ambulanzen, Ärzte vermuten, dass sie mögliche Beschwerden mit einer Virusinfektion verwechseln. Die Allergie-Ambulanz an der Klinik der Dermatologie Biederstein in München versorgt erste Patienten. "Wir können aus den Symptomen, aus den Pollenfluganalysen und unseren Allergietests direkt die Diagnose stellen", erklärt Allergologe Prof. Dr. med. Knut Brockow.

Pollensaison wird sich dauerhaft verlängern

Die frühe Blüte hängt eindeutig mit dem feuchten und milden Winter zusammen, aber nach einer aktuellen Studie der Umweltmediziner wird sich die Pollensaison dauerhaft verlängern - und für Betroffene so die Zeit, in der ihr Immunsystem sich erholt, verkürzen. Zugewanderte Pflanzenarten sorgen zudem für eine längere Pollenflugsaison.

Steigende CO2-Konzentration als Ursache

Wahrscheinlichste Ursache sei die steigende CO2-Konzentration, so ein Forscherteam der TU München. In Labor- und Freilandversuchen konnten sie zeigen, dass eine höhere Kohlendioxid-Konzentration das Pflanzenwachstum und damit die Pollenproduktion beschleunigt. Die Belastung ist in den Städten entsprechend stärker als auf dem Land.

Nicht Anzahl der Pollen, sondern Anzahl der Allergene entscheidend

Eine Studie am Münchner Zentrum für Allergie und Umwelt ergab, dass nicht die Anzahl der umherfliegenden Pollen entscheidend für das Ausmaß der Beschwerden eines Allergikers ist, sondern die Anzahl der Allergene, die sie bilden. Das sind die Stoffe, die die Allergie auslösen. Die Menge, die die Pollen davon abgeben, ist unterschiedlich.

Die Allergiebelastung kann von Tag zu Tag bis zum Zehnfachen variieren - bei gleichem Pollenflug. Der Allergengehalt hängt vom Reifegrad der Pollen ab und von Faktoren wie beispielsweise der Herkunft der Pollen, dem Wetter oder der Bodenbeschaffenheit. Ärzte raten inzwischen dazu, bei der Begrünung von Städten auf Birken, Erlen, Pappeln und Weiden zu verzichten, da sie teils als hochallergen gelten.

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Warum kämpft mein Körper gegen Pollen?

Zuverlässige Vorhersagen für Allergiker schaffen

Um eine zuverlässige Vorhersage für Allergiker zu schaffen, reicht es also nicht aus, nur die Pollenmenge zu messen, auch der Allergengehalt der Pollen muss untersucht werden. Das Wissen, welche Allergene in welcher Menge in der Luft sind, könnte eine echte Hilfe für Allergiker sein. Denn viele meiden bei starker Belastung einen Aufenthalt im Freien. So können sie die Anzahl der Medikamente, die sie einnehmen, reduzieren.

Um exakt zu ermitteln, welche Pollen wann herumfliegen, greifen die Experten vom Zentrum für Allergie und Umwelt in München (ZAUM) auf Messstationen zurück, die Luft einsaugen. "Auf einem Klebestreifen werden die Pollen gefangen und unter das Mikroskop gelegt. Der Roboter erkennt vollautomatisch, welche Pollen jetzt fliegen", so der Pollenforscher Prof. Dr. rer. Jerome Buters.

ePIN: Kostenlose Informationen für Allergiker

Die Messwerte sind im Internet frei verfügbar, auf der Website ePIN – dem Elektronischen Polleninformationsnetzwerk, das vom bayerischen Gesundheitsamt gefördert wird. Eine Hilfe für Patienten und Allergologen, gerade in der aktuellen Grippe- und Erkältungssaison. "Der Pollenflug ist ja nicht konstant. Mitten in der Nacht, zwischen 12.00 und 03.00 Uhr ist in München der Pollenflug am höchsten", so Buters weiter. Deshalb sollten Allergiker nur früh morgens ihre Wohnung durchlüften. Und tagsüber und nachts die Fenster schließen.

Pollenflug macht anfällig für Atemwegs-Infektionen

In Bayern leidet inzwischen fast jeder Dritte unter einer Pollenallergie. Also einer Überreaktion des Immunsystems auf den Blütenstaub. Aber auch Nichtallergiker können durch das Einatmen von oft schadstoffbelasteten Blütenstaub krank werden: Die Pollen verändern die Reaktion der Schleimhäute und macht sie anfälliger für Infektionen. Sie können sogar Asthmaanfälle auslösen. Das haben Umweltmediziner vom Universitären Zentrum für Gesundheitswissenschaften (UNIKA-T) am Klinikum Augsburg nachgewiesen.

Sie warnen deshalb davor, Symptome zu verharmlosen und raten zur gezielten ärztlichen Therapie. "Es gibt Antihistaminika, die nicht müde machen, Augentropfen, Nasensprays, die man verwenden kann, um den Symptomen entgegenzuwirken", erklärt die Umweltmedizinerin Prof. Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann. Die wichtige Langzeittherapie gegen Heuschnupfen, die Hyposensibilisierung, können Pollenallergiker aber erst wieder im nächsten Herbst, in der pollenfreien Saison beginnen.

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Für viele Bäume und Sträucher geht es schon auf den Frühling zu. Wegen des milden Winters treiben bereits die Knospen aus. Damit geht auch der Pollenflug schon in die Vollen - zum Leidwesen vieler Allergiker.

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