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Hersbrucker demonstrieren gegen Krankenhausschließung | BR24

© BR-Studio Franken/Karin Goeckel

Mit einem Lazarett unter freiem Himmel haben die Einwohner von Hersbruck gegen die Schließung ihres Krankenhauses protestiert.

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    Hersbrucker demonstrieren gegen Krankenhausschließung

    Mit einem Lazarett unter freiem Himmel haben die Bürger von Hersbruck gestern Abend gegen die bevorstehende Schließung ihres Krankenhauses protestiert. Die Klinik muss Ende Mai schließen, weil alle Belegärzte gekündigt haben.

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    Mit einem Lazarett unter freiem Himmel wollten rund 50 Bürger aus Hersbruck (Lkr. Nürnberger Land) zeigen, dass mit der Schließung ihres Krankenhauses die medizinische Versorgung nur noch provisorisch möglich sei. Viele lagen auf Feldbetten oder Isomatten und hatten Kopf, Arme oder Brust verbunden.

    Ärzte zogen weg

    "Das Krankenhaus ist systematisch ausgeblutet worden", sagte eine Hersbruckerin empört. Schon als die Zahl der Klinikbetten auf 30 halbiert worden sei, hätten Ärzte aufgegeben und seien abgewandert. "Vier Internisten sind weg, eine Gynäkologin ist weg binnen eines halben Jahres" sagte die Sprecherin der Bürgerinitiative, Angelika Pflaum. "Das ist ein massiver Verlust, wenn man das Krankenhaus und die Ärzte hergeben muss."

    Petition für Krankenhäuser im ländlichen Raum

    Unterstützung für ihre Anliegen bekam die Bürgerinitiative aus Rothenburg ob der Tauber (Lkr. Ansbach). Der Arzt Rainer Hoffmann, früher am Rothenburger Krankenhaus tätig, war extra nach Hersbruck gekommen, um die Anliegen der Menschen vor Ort zu unterstützen und um seine Petition vorzustellen, die er vergangene Woche gestartet hat. Unter dem Titel "Stopp dem Krankenhaussterben im ländlichen Raum" fordert die Online-Petition Politiker in Bund und Land auf, eine medizinische Versorgung auch auf dem Land sicherzustellen.

    © BR-Studio Franken/Karin Goeckel

    Die Einwohner von Hersbruck wollen weiter protestieren, auch wenn die Schließung ihres Krankenhauses beschlossen ist.

    Probleme, Personal zu finden

    Hoffmann wirft der Politik vor, kleine Krankenhäuser systematisch schlechtzumachen. Dies hätten er und seine Kollegen festgestellt, als vergangenes Jahr ein Chefarzt gekündigt habe und der Posten lange nicht besetzt werden konnte. "Ein Oberarzt, der jetzt an der Uni ist oder an einem akademischen Lehrkrankenhaus, geht natürlich nicht dahin, wenn die Krankenhäuser schlechtgeredet werden" sagte Hoffmann. Es käme niemand, wenn gesagt werde, die Krankenhäuser sind sowieso in fünf Jahren zu. "Früher hätten sich auf so eine Stelle 30 Leute beworben".

    Verbliebene Ärzte kündigten

    Vor knapp einer Woche war bekanntgeworden, dass die fünf verbliebenen Belegärzte im Krankenhaus Hersbruck zum 31. Mai 2019 gekündigt haben. Dadurch kommt das Ende der Klinik schneller als geplant. Eigentlich wollte die Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH das Krankenhaus Hersbruck erst im Jahr 2022 schließen. Nachdem vor drei Jahren die Schließung verkündet und die Bettenzahl auf 30 reduziert worden war, hatten jedoch drei Belegärzte gekündigt. Auch war es der Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH nicht gelungen, ausreichend Pflegekräfte zu finden. Dadurch war die Arbeitsbelastung für die verbliebenen fünf Belegärzte zu groß geworden.

    Viele Demonstranten betonten, dass sie trotz der bevorstehenden Schließung weiter protestieren wollen. "Ich finde, die Verantwortlichen sollen wenigstens Schuldgefühle haben", so ein Bürger.