Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Herrmann weist Kritik an Zuständen in Ankerzentren zurück | BR24

© Bayerischer Rundfunk 2019

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann hat die Kritik an den Zuständen in bayerischen Ankerzentren zurückgewiesen. Im Interview sprach er von einer insgesamt sehr guten Unterbringungssituation.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Herrmann weist Kritik an Zuständen in Ankerzentren zurück

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat die Kritik an den Zuständen in bayerischen Ankerzentren zurückgewiesen. Im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2 sprach er von einer insgesamt sehr guten Unterbringungssituation.

Per Mail sharen
Teilen

Angesprochen auf die teils massive Kritik von Flüchtlingsrat und Bewohnern der Ankerzentren an den privaten Sicherheitskräften entgegnete der bayerische Innenminister Joachim Herrmann im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2 : "Es sind insgesamt Einzelfälle." Man gehe jedem Vorwurf gegenüber Mitarbeitern dieser Firmen nach.

"Es hat einzelne Fälle gegeben, wo in der Tat von solchen Mitarbeitern indiskutables Verhalten da war. Solche Leute sind dann entlassen worden oder auch der Vertrag mit der entsprechenden Firma ist gekündigt worden. Die ganz große Mehrheit dieser Mitarbeiter macht gute Arbeit." Joachim Herrmann, bayerischer Innenminister

Sicherheit gegen Gewalt

Herrmann verwies mehrfach darauf, dass Sicherheitskräfte in den Ankerzentren nur deshalb notwendig seien, weil von den Flüchtlingen selbst Gewalt ausgehe:

"Dass wir überhaupt Sicherheitsdienste benötigen, hängt schon damit zusammen, dass leider jeden Monat eine Vielzahl von Flüchtlingen selbst gewalttätig wird. Wohlgemerkt zunächst einmal untereinander." Joachim Herrmann

Asylbewerber stammten oft aus Ländern, in denen Gewalt Alltag sei, so Herrmann. Gäbe es dieses Gewaltproblem nicht, dann bräuchte es nicht so viele Sicherheitskräfte. Insgesamt habe man aber eine "sehr gute Unterbringungssituation".

"Es gibt natürlich da oder dort Konflikte. Die gibt es aber auch in kleinen Einrichtungen mit nur hundert oder hundertfünfzig Flüchtlingen in einer Unterkunft." Joachim Herrmann

Helfer sehen Zustände kritisch

Die Unterbringung von Asylsuchenden in Massenunterkünften steht schon seit der Inbetriebnahme der Ankerzentren in der Kritik. Hilfsorganisationen berichten von Hoffnungslosigkeit, einer Atmosphäre der Angst und Gewalt. Bewohner hätten keine Privatsphäre, bekämen keine Deutschkurse und dürften nicht kochen, erzählen etwa Freiwillige aus einer Ankerdependance in Augsburg.

Im Ankerzentrum Manching-Ingolstadt sprechen Bewohner von Gewalt und Willkür durch Sicherheitsleute. Außerdem müssten selbst Familien mit kleinen Kindern manchmal bis zu zwei Jahre im Ankerzentrum leben. Das Leben dort mache auf Dauer krank, sagen auch Ärzte.

Asylbewerber berichten, dass sie im Ankerzentrum Bamberg keine Schlüssel für ihre Zimmer haben. Jede Nacht komme die Polizei, um Menschen abzuschieben und es gebe keinen Zugang zu einer unabhängigen Rechtsberatung.

💡 Was ist ein "Ankerzentrum"?

Das Wort "Anker" steht für für An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Um diese Aufgaben zu bewältigen, sollen mehrere Institutionen in den sogenannten Ankerzentren eng vernetzt miteinander arbeiten: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), die Bundesagentur für Arbeit, Jugendämter sowie Ausländerbehörden und Verwaltungsgerichte. Kurze Wege sollen Verfahren beschleunigen. Die Aufgaben werden gebündelt erfüllt.

Zunächst wird die Identität der Flüchtlinge festgestellt. Nach der Altersbestimmung werden unbegleitete Minderjährige durch Jugendbehörden in Obhut genommen. Erwachsene bleiben in den „Anker-Einrichtungen“.

Der Aufenthalt in den "Ankerzentren" soll in der Regel maximal 18 Monate dauern, bei Familien mit minderjährigen Kindern sechs Monate. Laut Koaltionsvertrag sollen nur noch diejenigen auf die Kommunen verteilt werden, für die eine positive Bleibeprognose bestehe. Alle anderen sollen aus den "Ankerzentren" in ihre Heimatländer zurückgeführt werden.