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Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann spricht im BR-Interview über den aktuellen Ermittlungsstand nach der Messerattacke von Würzburg.

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Herrmann: Verdacht auf islamistisches Motiv für Tat in Würzburg

Nach dem Messerangriff von Würzburg sieht Innenminister Herrmann klare Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Der Täter, ein anerkannter Asylbewerber aus Somalia, war polizeibekannt. Für eine Abschiebung gab es aber nicht genug Gründe.

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  • Claudia Kühle

Nach der Messerattacke von Würzburg häufen sich die Hinweise auf eine radikale Gesinnung des Tatverdächtigen, einem 24-jährigen Somalier. Bayerns Innenminister Herrmann (CSU) sagte im Interview mit der B2-Radiowelt, es spreche sehr viel dafür, dass es sich um eine islamistisch motivierte Tat handeln könne. Im Morgenmagazin von ARD und ZDF betonte er aber, dass es noch unklar sei, ob der Angreifer ein Terrorist war: "Wir können da heute noch kein abschließendes Urteil abgeben".

Islamistischer Hintergrund oder psychische Erkrankung?

Das Landeskriminalamt (LKA) gab sich auf BR-Anfrage zum aktuellen Stand der Ermittlungen bedeckt. Einem LKA-Sprecher zufolge seien keine handfesten neuen Erkenntnisse zu vermelden. Im Raum stünden derzeit eine psychische Erkrankung des Tatverdächtigen sowie ein islamistischer Hintergrund als Motiv für die Tat. Der Sprecher warnte vor zu schnellen Interpretationen.

Täter tötete drei Frauen

Der anerkannte Asylbewerber aus dem Bürgerkriegsland Somalia hatte am Freitagnachmittag in der Würzburger Innenstadt wahllos auf ihm offenbar unbekannte Passanten eingestochen. Mehrere Augenzeugen versuchten den Mann in Schach zu halten, bis ihn ein Polizist mit einem gezielten Schuss ins Bein stoppen konnte. Drei Frauen starben. Sieben weitere Menschen verletzte der Täter, fünf davon schwer. Den Überlebenden geht es laut Innenminister Herrmann zwar besser. Allerdings könne es sein, dass einige von ihnen langanhaltende Schäden haben werden.

Islamistische Aussagen

Diversen Zeugen zufolge habe der Täter "Allahu akbar" ("Gott ist groß") gerufen, während er seine Opfer attackierte, berichtete Innenminister Herrmann gegenüber dem BR. Als der Verdächtige schon im Krankenhaus war, soll er davon gesprochen haben, dass die Tat sein persönlicher Beitrag zum Dschihad sei.

Belastendes Propagandamaterial

Außerdem wurde die Unterkunft des Somaliers durchsucht. Dort seien Schriftstücke gefunden worden, die auf islamistisches Propagandamaterial hinweisen könnten, so Herrmann. Auch zwei Handys des Somaliers würden aktuell ausgewertet. Die Texte und Nachrichten müssten erst übersetzt werden.

Täter war psychisch auffällig und polizeibekannt

Innenminister Herrmann betonte, dass weiter konsequent ermittelt werden müsse, um die Hintergründe der Tat vollständig aufzuklären. Unklar sei weiterhin, inwieweit die Psyche des polizeibekannten Mannes eine Rolle spielte.

Der 24-Jährige war wegen psychischer Auffälligkeiten bereits zweimal in einer Fachklinik. Obwohl er schon einmal Menschen mit einem Messer bedroht habe, sei seine psychische Verfassung als nicht dramatisch bewertet worden. Herrmann verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass jeder dritte allein handelnde Attentäter psychisch krank sei.

Frühere Ermittlungen gegen Tatverdächtigen eingestellt

Auch als der Tatverdächtige von 2015 bis 2019 in Sachsen lebte, geriet er bereits ins Visier der Ermittlungsbehörden. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz ermittelte wegen gefährlicher Körperverletzung gegen ihn, wie ein Sprecher des Landeskriminalamtes Sachsen sagte. Es habe sich um eine körperliche Auseinandersetzung in einer Asylunterkunft gehandelt. Die Ermittlungen seien eingestellt worden, da die Betroffenen den Tathergang unterschiedlich dargestellt hätten. Zuerst hatte die Zeitung "Die Welt" über den Fall in Sachsen berichtet.

Bisher keine Voraussetzungen für Abschiebung

Herrmann unterstrich, dass der Migrant einen subsidiären Schutzstatus habe, sich also legal in Deutschland aufhalte. Die bisherigen Auffälligkeiten hätten nicht für eine Abschiebung gereicht, da es keine Strafanzeigen gab: "Ich persönlich bin ja ganz klar der Meinung, dass Personen, die gefährlich sind, die schwere Straftaten begangen haben, so schnell wie möglich wieder abgeschoben werden. Aber bei dem konkreten Täter lagen bislang die konkreten Voraussetzungen überhaupt nicht vor."

Subsidiärer Schutz - heikle Verfahren

Der Innenminister verwies auch auf die hohen Hürden, die auch bei subsidiär Geschützten eine Abschiebung schwer machen: "Wenn ein anerkannter Asylbewerber eine Straftat begeht, dann muss erst in einem nicht ganz einfachen Verfahren geprüft werden, inwieweit sein Schutz wieder aufgehoben werden kann, weil er eine solche Straftat begangen hat. Zunächst einmal würde auch eine Strafverurteilung nichts an dem Asylschutz ändern."

Herrmann fügte hinzu: "Das muss man ehrlicherweise sehen, hundertprozentige Sicherheit können wir in einem freiheitlichen Staat nicht garantieren. Wir müssen das Menschenmögliche tun, aber es wird immer wieder Menschen geben, die (...) zu einer brutalen Tat schreiten. Wir müssen dieses Situation sorgfältig analysieren und schauen, welche Lehren wird daraus ziehen können."

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Nach der tödlichen Messerattacke in Würzburg verdichten sich die Hinweise auf eine islamistisch motivierte Tat. "Es deutet einiges in diese Richtung, aber es muss noch konsequent ermittelt werden", sagt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

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