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Herausragende Steinpilzernte im Spessart geht zu Ende | BR24

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Es braucht ein geschultes Auge, um Steinpilze auf dem Waldboden zu erkennen. Sammler berichten in diesem Herbst vor allem im Spessart von einer besonders üppigen Ernte. Doch beim Pilzesammeln ist Vorsicht geboten.

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Herausragende Steinpilzernte im Spessart geht zu Ende

Es braucht ein geschultes Auge, um Steinpilze auf dem Waldboden zu erkennen. In diesem Herbst berichten Sammler vor allem im Spessart von einer besonders üppigen Ernte. Doch beim Pilzesammeln ist Vorsicht geboten.

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Der Nebel hängt noch zwischen den Baumspitzen, als sich Tanja Ruppert und ihr Ehemann Michael auf den Weg in den Wald machen. "Naus die Pilz", sagen sie hier im Spessart, wenn es auf Steinpilzsuche geht. Tanja Ruppert trägt eine gehäkelte Wollmütze, Funktionshose und Wanderschuhe. Die braucht es auch auf dem glitschigen Waldboden. Keine zwei Stunden ist sie im Wald, bis ihr mitgebrachter Korb voll ist.

Von einer regelrechten "Pilzschwemme" sprechen heuer viele Sammler im Spessart. Das letzte Mal dürfte es vor etwa 20 Jahren ähnlich gewesen sein, sagt Michael Ruppert.

Üppige Ernte aufgrund günstiger Witterung

"Vor allem im Spessart gibt es dieses Jahr viel", sagt Rudi Markones aus Kist bei Würzburg. Er ist Vorstandsmitglied der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft, ein gemeinnütziger Verein für Pilzkunde. Auch rund um Würzburg hätte es dieses Jahr viele Steinpilze gegeben. In anderen Gegenden Unterfrankens, zum Beispiel im Steigerwald, seien die Mengen eher gering gewesen.

Nur wenige Wochen dauert die Steinpilzsaison üblicherweise. Im Spessart neigt sie sich nun dem Ende zu. Die üppige Ernte erklären sich Pilzsammler wie die Rupperts vor allem mit der günstigen Witterung in diesem Jahr: Der Sommer war warm, doch im Herbst hat es im Spessart ausgiebig geregnet. Die Pilze seien dadurch regelrecht aus dem Boden geschossen.

© BR / Pirmin Breninek

Tanja Ruppert und Vater Wolfgang gehen seit Jahren gemeinsam auf Pilzsuche.

Gewerbliches Sammeln verboten

Die Steinpilze kommen bei den Rupperts noch am selben Abend auf den Tisch. Einen Teil frieren sie ein. Die Sammler nehmen nur so viel mit, dass es für den Eigenbedarf reicht. Auch aus diesem Grund behalten die Rupperts lieber für sich, wo genau sie sammeln.

"Es gibt Leute, die gehen mit ganzen Wäschekörben aus dem Wald. Das wollen wir nicht." Michael Ruppert.

Die meisten heimischen Speisepilze stehen unter Artenschutz. Sie dürfen nur in frei zugänglichen Wäldern und in kleinen Mengen geschnitten werden. In Naturschutzgebieten oder Nationalparks ist das Pilzesammeln tabu.

Sammler raten von Apps ab

Überhaupt sollte man sich beim Pilzesammeln aber gut auskennen. Es gibt inzwischen Apps, die verraten, um welchen Pilz es sich handeln könnte. Tanja Ruppert rät davon ab. Schon im Alter von vier Jahren hat ihre Oma sie mit in den Wald genommen. "Entscheidend ist für mich der Geruch, den kann man nur schwer beschreiben", sagt sie. Apps seien viel zu ungenau, um giftige Pilze zu erkennen. "Im Zweifel lieber einen Pilzsachverständigen fragen", rät Ehemann Michael.

Faszination Pilzesammeln

Insgesamt sammeln die Rupperts zu dritt etwa fünf Kilo. Der größte Steinpilz, den sie im heimischen Hafenlohrtal bisher gefunden haben, hatte eine etwa 20 Zentimeter breite Kappe. Das war bereits vor einigen Jahren.

Ums Trophäensammeln sollte es aber nicht gehen, sagt Tanja Ruppert: "Es geht einfach um das Glücksgefühl, dass man draußen in der Natur hat." Ihre Leidenschaft fürs Pilzesammeln will sie auch an die kommenden Generationen der Familie weitergeben. Dann wird sie vielleicht auch vom guten Pilzjahr 2019 schwärmen.