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Firma stellt Gehörlose ein

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Herausforderung und Chance: Firma stellt Gehörlose ein

Mitten in der Corona-Krise hat eine Firma in Krailling im Landkreis Starnberg eine ganz neue Herausforderung angenommen: Sie hat gehörlose Mitarbeiter eingestellt. Um den Neuen den Einstieg zu erleichtern, hat man in der Firma einiges unternommen.

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Von
  • Birgit Grundner

Mittagspause bei der Firma Trane Roggenkamp in Krailling im Landkreis Starnberg: In der Gemeinschaftsküche trifft die gehörlose Veronika Holzer eine Kollegin, die gerade Tee kocht – und nutzt die Gelegenheit: Sie zieht mit der rechten Hand einen imaginären Teebeutel aus einer ebenfalls imaginären Tasse. Die Kollegin macht die Gebärde nach: "Tee“ – wieder etwas gelernt. Viele haben den neuen Kollegen zuliebe extra einen Volkshochschulkurs in Gebärdensprache belegt.

Umbauten in der Werkshalle

Die Firma Trane Roggenkamp stellt Kälte- und Klimatechnik her. Veronika Holzer, ihr Mann Anton und Jens Lucke bauen etwa elektrische Schaltschränke und verdrahten Bauteile. Damit die drei neuen Mitarbeiter trotz ihres Handicaps den Überblick in der Werkhalle behalten, hat die Firma extra Vorkehrungen getroffen. Wenn sich das Tor öffnet, geht eine Leuchte an, und über einen Spiegel können die Gehörlosen sehen, was hinter ihnen passiert. Das ist zum Beispiel wichtig, wenn ein Gabelstapler hereinfährt.

Positiver Eindruck auf Jobmesse

Die neuen Mitarbeiter hat Abteilungsleiter Johannes Klüglich bei einer Jobmesse in Penzberg getroffen. Ihr früherer Arbeitgeber hatte den Standort aufgegeben. Und Trane Roggenkamp war gerade dringend auf der Suche nach Fachkräften. "Wir hatten gleich einen so positiven Eindruck“, erinnert sich Klüglich. Zwischenmenschlich habe es einfach gepasst, "da haben wir gesagt, das probieren wir aus.“ Eine "Super-Entscheidung“ sei das gewesen, findet der Abteilungsleiter: "Die Einarbeitung geht schneller als gedacht, und die Arbeit wird super-ordentlich ausgeführt.“

Gelebte Inklusion

Die drei Neuen seien auch offen und aufgeschlossen, freut sich ihr Chef. Die anderen Kollegen seien "manchmal noch etwas schüchtern“, aber auch das "wird immer besser“. Besonders wichtig sind für die Gehörlosen Gestik und Mimik. Teilweise lesen sie anderen auch von den Lippen. Gerade jetzt in der Corona-Zeit sei das wegen der Maskenpflicht gar nicht so einfach, bedauert Veronika Holzer. Aber sie würden die Kollegen dann eben bitten, die Masken "in gebührendem Abstand“ abzunehmen, "dann klappt die Kommunikation auch“. Und so kann Inklusion auch in schwierigen Zeiten funktionieren.

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