BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Herausforderung für Hausärzte: der knappe Impfstoff | BR24

© BR
Bildrechte: BR

In über 1.600 bayerische Arztpraxen werden Impfungen gegen das Coronavirus verabreicht. Mit dem Astrazeneca-Impfstoff sollen nach einer Empfehlung der ständigen Impfkommission nun vor allem Patienten über 60 geimpft werden.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Herausforderung für Hausärzte: der knappe Impfstoff

Auch in Hausarzt-Praxen in Mittelfranken werden nun Patienten gegen das Coronavirus SARS-Cov 2 geimpft – die Nachfrage bei den Patienten ist in einigen Praxen groß, die Impfstoffe zu bekommen aber eine Herausforderung. Ein Beispiel aus Schwabach.

Per Mail sharen
Von
  • Daniel Peter

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat betont, impfen sei "die einzige echte Lösung", um der Corona-Pandemie Herr zu werden. In ganz Bayern haben 1.635 Hausärzte, darunter rund 200 Fachärzte, in dieser Woche mit den Impfungen gegen das Coronavirus Sars-Cov 2 begonnen. Mit dabei ist eine Hausarzt-Praxis in Schwabach. Dort haben die ersten Patienten das unverhoffte Angebot angenommen.

Freude bei 69-Jährigem: Endlich geimpft

Als Rentner Walter Schwarz aus Schwabach am Dienstagabend von seiner Hausärztin angerufen wurde, musste er nicht lange überlegen. Er habe sofort zugesagt und ist heute zu seinem Impftermin gekommen. Der 69-Jährige pflegt eine ältere Frau und darf sich deshalb impfen lassen. Ein kurzer Piecks mit der Spritze durch Ärztin Susanne Rösch-Niklas, dann hat es Walter Schwarz geschafft und seine erste Impfdosis erhalten. Im Anschluss muss er noch einige Minuten in der Praxis warten – Nebenwirkungen treten bei ihm aber in den kommenden Minuten keine auf, und so kann er wieder nach Hause zu seiner Frau.

Angst, dass er durch den Impfstoff von Astrazeneca schwere Nebenwirkungen bekommen könnte, hat der Schwabacher nicht. Im Gegenteil, er freue sich, dass er endlich geimpft wurde. Aus seiner Sicht gibt es in Deutschland zu viele Pessimisten. Das sei schädlich, um die Pandemie zu bekämpfen, glaubt der 69-Jährige. Er habe sich umfassend informiert und sieht kein erhöhtes Risiko durch den Impfstoff von Astrazeneca.

Erste Impfungen am Abend

Susanne Rösch-Niklas und ihr Mann Volker Rösch haben in ihrer Hausarztpraxis in Schwabach bereits am Dienstag (30.03.21) die ersten Lieferungen des Astrazeneca-Impfstoffs erhalten und daraufhin schnell reagiert. Bereits am Abend haben sie begonnen, erste Patienten zu impfen. 20 Impfstoffampullen habe man erhalten, erzählt Susanne Rösch-Niklas. Aus einer Impfstoffampulle könnten rund zehn Menschen einmalig geimpft werden.

Nachfrage für Impfungen groß

Die Nachfrage bei den Patientinnen und Patienten sei aber enorm. Als am Sonntag auf der Website der Praxis verkündet wurde, dass demnächst auch hier geimpft würde, seien rund 600 Anfragen von Patientinnen und Patienten gekommen. Täglich würden es mehr werden, erzählt die Ärztin.

Kommt der Impfstoff oder kommt er nicht?

Das Problem sei, dass der Impfstoff schwer zu beschaffen sei. Bis zu 50 Impfampullen pro Hausarztpraxis könne man bei den Apotheken bestellen, aber ob die Lieferungen dann auch tatsächlich kommen, könne keiner sicher sagen. Dass es so schwer ist, Impfstoff zu bekommen, darüber freut sich Susanne Rösch-Niklas sicher nicht. Die Ärztin blickt mit Sorge auf die kommenden Wochen. Denn wenn die Hausärzte pro Woche 20 Impfampullen oder weniger bekommen würden, würde dies nicht reichen. Falls jetzt noch der Impfstoff von Astrazeneca aufgrund der Kritik wegbricht, würde es noch schwieriger werden, glaubt Rösch-Niklas. Sie und ihr Praxisteam würden auf alle Fälle gerne mehr impfen, als derzeit möglich ist.

Astrazeneca-Kritik verunsichert Patienten

Derzeit darf Ärztin Susanne Rösch-Niklas den Impfstoff von Astrazeneca nur an Menschen im Alter über 60 Jahren impfen. Die anhaltende Kritik daran würde verunsichern und nicht dazu beitragen, dass die "Impfwilligkeit" gefördert werde, so Rösch-Niklas. Es seien schon viele Patientinnen und Patienten in die Praxis gekommen, die zum Beispiel aufgrund von Kopfschmerzen nach einer Impfung mit Astrazeneca in Sorge waren. Die Panik bei manchen sei groß gewesen, und das Praxisteam habe viel damit zu tun gehabt, die Menschen zu beruhigen. Die gute Nachricht: Eine Thrombose nach der Impfung wurde bisher bei keinem ihrer Patientinnen oder Patienten diagnostiziert.

Weitere Lockdown-Maßnahmen nicht hilfreich

Markus Beier, Landesvorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbands in Mittelfranken, sieht im Impfen die einzige Möglichkeit, um Fortschritte zu machen. Es sei derzeit eine kritische Phase in der Pandemie, in der man seiner Meinung nach mit weiteren Lockdown-Maßnahmen nun nicht mehr weiterkäme. Auch er spüre eine Verunsicherung bei den Menschen in Bezug auf den Impfstoff von Astrazeneca. Millionenfache Impferfolge in Großbritannien bei Menschen über 60 Jahren bewiesen, dass dies aber ein hervorragender Impfstoff sei.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!