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Her mit dem alten Handy - Spendenaktion in Kaufbeuren | BR24

© BR/Rupert Waldmüller

Alte Handys sollen in die Kolping-Spendenbox

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    Her mit dem alten Handy - Spendenaktion in Kaufbeuren

    Rund 124 Millionen alte Handys liegen vergessen in Schubladen und Schränken in Deutschland. In den Telefonen sind jedoch wertvolle Rohstoffe verbaut. In Kaufbeuren werden sie jetzt gesammelt. Warum es sinnvoll ist, seine alten Handys abzugeben.

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    Auf dem Bild ist sie zu sehen: die neue Handyspendenbox in Kaufbeuren. Wer sein altes Handy dort hineinwirft, kann sicher gehen, dass es wiederaufbereitet wird. Das versichert Ulrich Fürst von der Kolpingfamilie. Er ist der Initiator der Handysammelaktion in Kaufbeuren. Ihm ist es wichtig, dass wertvolle Rohstoffe wie Gold, Silber, Platin, Tantal und andere seltene Erden nicht einfach in alten Handys vor sich hin gammeln. Denn die Geräte sind oft noch nutzbar und wenn nicht, lassen sich die Rohstoffe inzwischen auch gut recyceln.

    Konsumverhalten hinterfragen

    Er will mit der Aktion gleichzeitig das Nachdenken über das Konsumverhalten ankurbeln. Immerhin liegt die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Handys bei nur zweieinhalb Jahren.

    "Und wenn ich dann erkenne: 'Menschenskinder, wie werden da Erze abgebaut!' - das ist für mich Sklavenarbeit. Wenn wir davon leben, dass andere Menschen in unwürdigen Bedingungen leben, dann ist das für mich ein Grund, etwas zu tun." Ulrich Fürst, Kolpingfamilie Kaufbeuren

    In vielen Entwicklungsländern werden die Rohstoffe für unsere Handys zum Teil unter katastrophalen Bedingungen gewonnen, bestätigt auch Christian Mazenik von Missio München. Über Projekte in aller Welt bekommt das Hilfswerk mit, wie schlimm die Lage vor Ort teilweise ist - zum Beispiel in Burkina Faso. Dort werden schlicht Löcher in den Boden gegraben, in denen Kinder und Jugendliche nach Gold suchen. Viele dieser Löcher stürzen jedoch ein und begraben die jungen Goldgräber.

    Finanzierung von Kriegen unterbinden

    Aber nicht nur die Arbeitsbedingungen spielen eine wichtige Rolle für die Handy-Spendenaktion, sagt Walter Rung vom Kolpingwerk. Indirekt geht es auch um die Bekämpfung von Bürgerkriegen wie im Kongo und damit um Fluchtursachen. Denn es sei Tatsache, erklärt Rung, "dass Konflikte befeuert werden, indem Milizen diese Rohstoffe verkaufen und dafür wieder Waffen besorgen. Und so heizt also unser Konsum übertragen Konflikte weltweit an."

    Nicht zuletzt: Weniger Schaden für die Umwelt

    Nicht vergessen werden darf: Der unkontrollierte Abbau von Rohstoffen schadet auch der Umwelt. Durch das Recycling von Handys kann man also auch direkt etwas für den Umweltschutz tun. Laut Walter Rung steckt in 41 Handys so viel Gold, wie im Kongo aus einer Tonne Golderz herausgeholt werden kann. Auch deshalb lohne es sich, die alten Mobiltelefone zu sammeln und zu verwerten.

    Altes Handy spenden und Gutes tun

    Für jedes gespendete Handy bekommen Missio und das Kolpingwerk einen kleinen Betrag. Der fließt dann wieder in gemeinnützige Projekte in Entwicklungsländern und in Deutschland. Die Kolpingfamilie Kaufbeuren hat in nur vier Wochen schon knapp 500 Handys gesammelt. Als Ziel hatte Ulrich Fürst 1.000 ausgegeben. Und er ist zuversichtlich, dass das auch klappt. Wenn Sie Ihr Handy auch spenden wollen: Die Aktion läuft deutschlandweit, hier sind alle Sammelstellen und weitere Informationen zu finden.