| BR24

 
 

Bild

Wie viel weiß die Klinik-Leitung im Hepatitis-Skandal in Donauwörth?
© dpa-Bildfunk/Stefan Puchner

Autoren

Tobias Chmura
Anna Klein
© dpa-Bildfunk/Stefan Puchner

Wie viel weiß die Klinik-Leitung im Hepatitis-Skandal in Donauwörth?

21 Patienten haben sich in der Donau-Ries Klinik mit Hepatitis C angesteckt. Das hat die Klinik heute bekannt gegeben. Brisant ist daran, dass der im Verdacht stehende Anästhesist im April mit einer Medikamenten-Spritze ertappt worden war, die in seinem Arm gesteckt haben soll - und das im OP-Bereich der Donauwörther Klinik. Das teilte Jürgen Busse dem BR mit; er ist der Vorstandsvorsitzende des gemeinsamen Kommunalunternehmens (gKU), zu dem das Krankenhaus gehört.

Spritze im OP führt zu Kündigung

Bislang war immer nur die Rede davon gewesen, der Arzt sei mit Spritze und Medikamenten erwischt worden. Dieser Vorfall am 25. April führte auch zur Auflösung des Arbeitsvertrages am gleichen Tag. Bis dahin hat das Krankenhaus nach eigener Aussage aber noch nichts über die Medikamentenabhängigkeit des Arztes gewusst. Auch die Hepatitis-C-Erkrankung des Verdächtigen sei damals noch nicht bekannt gewesen.

Experte: Narkosemittel sind nie unbeaufsichtigt

Eine Mitarbeiterin, die den Arzt mit der Spritze im Arm entdeckt hat, habe das sofort der OP-Leitung gemeldet. Dieses Detail klärt aber immer noch nicht, ob und wie der verdächtige Narkosearzt mindestens 16 Menschen mit Hepatitis C angesteckt haben könnte. Laut Busse seien die Narkosemittel in Vorbereitung auf eine OP nie unbeaufsichtigt. Es sind immer mindestens zwei Personen im Raum. Auch Reste, die einem Patienten nicht zugeführt wurden und noch in einer Spritze stecken, werden laut Busse stets unter vier Augen im Müll entsorgt.

Übertragung beim Narkose-Nachschub?

Nur wenn ein Patient außerplanmäßig mehr Narkosemittel benötige, gehe der Anästhesist auch alleine Nachschub holen. "Da kann ich dann mehr oder weniger nachspritzen", sagt Busse. Konkrete Hinweise, ob das nun ein möglicher Übertragungsweg gewesen sein könnte, gibt es laut Busse aber nicht. Das Krankenhaus könne sich nach wie vor selbst nicht erklären, wie sich Patienten mit Hepatitis C infizieren konnten.

Ermittlung wegen Körperverletzung

Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt gegen den verdächtigen Arzt wegen Körperverletzungsdelikten. Das schließt sowohl fahrlässige als auch vorsätzliche Körperverletzung ein. Zu möglichen Übertragungswegen sagte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai: "Das ist alles Spekulation. Wir aber brauchen Fakten."

Der Anwalt des Verdächtigen, Dr. David Herrmann, betont im BR, dass die Hepatitis-Diagnose bei seinem Mandanten im Mai dieses Jahrs ein reiner Zufallsbefund war. Sein Mandat habe während seiner Tätigkeit im Donauwörther Krankenhaus deshalb nicht gewusst, dass er das Virus in sich trägt.

Inzwischen müssen 1.200 Patienten zum Test

1.200 Patienten, die während ihres Aufenthalts in der Klinik direkten Kontakt zu dem verdächtigen Anästhesisten haben, müssen sich derzeit einem Bluttest unterziehen. Weil bei ihnen ein konkreter Verdacht besteht, zahlen die Krankenkassen den Bluttest direkt. Die Betroffenen müssen das Geld auch nicht vorstrecken. Das hat die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) dem BR mitgeteilt.

Behörden bestätigten Medikamentenabhängigkeit erst später

Vergangene Woche hatte das Landratsamt Donau-Ries die Öffentlichkeit informiert, dass ein ehemaliger Narkosearzt, der an Hepatitis C erkrankt war, im Verdacht steht, mehrere Patienten infiziert zu haben. Erst später machte das Landratsamt öffentlich, dass der Arzt medikamentenabhängig war - wie auch jetzt erst bestätigt wurde, dass dieser Umstand zur Kündigung des Arztes geführt hatte, als er beim Medikamentenmissbrauch beobachtet worden war. Nach Aussage des Anwalts des Arztes arbeitet sein Mandant zurzeit nicht.